Ausbruch des MERS-CoV in der Republik Korea: ein Weckruf in einer hochgradig mobilen Welt

Der Notfallausschuss für das Nahost-Atemwegssyndrom-Coronavirus (MERS-CoV) hielt am 16. Juni 2015 seine neunte Tagung ab, um über den Ausbruch in der Republik Korea zu beraten. Der Ausschuss kam aufgrund der Beobachtungen und Ergebnisse einer vor kurzem durchgeführten gemeinsamen Mission der Republik Korea und der WHO zur Untersuchung der Ausbreitung des MERS-CoV in dem Land zu der Schlussfolgerung, dass die Bedingungen für die Ausrufung einer „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite" nicht erfüllt sind.

Es wurden eine Reihe von Einflussfaktoren genannt, die die Ausbreitung der Krankheit begünstigen, darunter die mangelnde Sensibilisierung des Gesundheitspersonals und der Öffentlichkeit für das MERS-CoV, das Verhalten der Patienten und die unzureichenden Infektionsschutzmaßnahmen in den Krankenhäusern. Der Ausschuss wies jedoch darauf hin, dass das Land intensiv darauf hinarbeite, den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen.

Die Übertragung des MERS-CoV in der Republik Korea wird deutlich mit Gesundheitseinrichtungen in Verbindung gebracht. Deshalb müssen die Gesundheitsbehörden alles in ihren Kräften Stehende tun, damit jederzeit wirksame Infektionsschutz- und -bekämpfungsmaßnahmen gelten. Bisher gibt es noch keine Anzeichen für eine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung. 

Der Ausschuss wies darauf hin, dass die genetische Sequenzierung der Viren aus den Fällen in der Republik Korea keine signifikante Veränderung gegenüber dem im Nahen Osten aufgetretenen Virus erkennen lassen. 

Empfehlungen für die Europäische Region

Der Ausschuss kam zu dem Schluss, dass der Ausbruch in der Republik Korea einem „Weckruf" gleichkomme. In einer hochgradig mobilen Welt müssten alle Länder für mögliche Ausbrüche dieser und anderer schwerer Infektionskrankheiten gerüstet sein. 

Die WHO rät zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu Reise- oder Handelsbeschränkungen und hält gesonderte Untersuchungen an Grenzübergangsstellen bisher nicht für nötig. 

Dagegen entspricht die Sensibilisierung von Reisenden in betroffene Gebiete oder aus diesen Gebieten für das MERS-CoV und seine Symptome einer guten seuchenhygienischen Praxis.

Wenn Berichte oder Gerüchte von Kontakt mit tatsächlich infizierten Personen oder Verdachtsfällen publik werden, die außerhalb des Landes, in dem sie sich mutmaßlich infiziert haben, unterwegs sind, müssen die Zielländer schnell die Möglichkeit einer Übertragung bewerten.