„Nein“ zur Grippeimpfung kostet Tausende von Menschenleben

WHO/Cassandra Butu

Alle Personen, die über 65 Jahre alt sind, Vorerkrankungen haben, schwanger sind oder im Gesundheitswesen arbeiten, sollten sich jährlich gegen Grippe impfen lassen.

„Jedes Jahr sterben weltweit bis zu 500 000 Menschen aufgrund von Komplikationen der Influenza. Etwa 10% dieser Todesfälle entfallen auf die Europäische Region. Viele dieser Menschenleben hätten mit einer einfachen Maßnahme gerettet werden können: einer Grippeimpfung", sagt Dr. Caroline Brown, Leiterin des Programms für Influenza und andere respiratorische Erreger beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Jährlich lassen sich mindestens 30 Mio. Menschen in der Europäischen Region der WHO gegen Grippe impfen. Alle, die über 65 Jahre alt sind, Vorerkrankungen haben, schwanger sind oder im Gesundheitswesen arbeiten, sollten dabei sein."

Personen über 65 Jahre und Menschen mit Vorerkrankungen besonders gefährdet

Eine Grippe ist immer unangenehm, verläuft aber in der Regel mit milden Symptomen, von denen sich die meisten Menschen schnell erholen. Doch manchmal kann Grippe auch zu einer schweren Erkrankung und sogar zum Tod führen.
Am stärksten gefährdet in Bezug auf ernste Komplikationen der Influenza sind die über 65-Jährigen: acht von zehn grippebedingten Todesfällen werden in dieser Altersgruppe verzeichnet. Denn das Immunsystem wird im Alter schwächer und ist damit weniger leistungsfähig im Kampf gegen Infektionskrankheiten wie Influenza. Wenn zusätzlich eine Person noch an Herzproblemen, Diabetes, chronischer Leber- oder Nierenerkrankung oder an einer Lungenerkrankung leidet, kann eine Grippeinfektion diese verschlimmern und dann tödlich enden. 

Der wirksamste Weg zur Vorbeugung gegen Influenza oder schwere Krankheitsverläufe ist die Impfung

Das WHO-Regionalbüro für Europa empfiehlt allen Personen über 65 Jahre sowie Menschen mit Vorerkrankungen, sich jährlich gegen Grippe impfen zu lassen. Grippeimpfstoffe sind sicher und die Nebenwirkungen gering, vor allem wenn man sie mit der weit größeren Gefahr bei Komplikationen der Influenza vergleicht. 

„Nur allzu viele Personen über 65 Jahre und Menschen mit Vorerkrankungen sind sich nicht im Klaren darüber, welche gesundheitlichen Auswirkungen die Grippe auf ihre Gesundheit haben kann. Deshalb bleiben sie untätig und lassen sich nicht impfen. Die Vorstellung von der Grippe als einer harmlosen Krankheit ist falsch, insbesondere für diese Gruppen. Mit einer Grippeimpfung könnten sie die Gefahr von Komplikationen senken. Doch das muss jährlich geschehen, nicht nur einmal, weil sich die Grippeviren ständig verändern. Hier in Europa erreicht die Grippesaison meist im Herbst und Winter ihren Höhepunkt; deshalb ist der Oktober ein idealer Zeitpunkt für eine Impfung", empfiehlt Caroline Brown. 

Auch Schwangere und Gesundheitsfachkräfte benötigen jährliche Grippeimpfung

Die WHO empfiehlt auch Schwangeren eine jährliche Grippeimpfung, da sie in Bezug auf schwere Krankheitsverläufe stärker gefährdet sind und dies negative Folgen für den Fötus haben kann. Außerdem kann eine Grippeimpfung während der Schwangerschaft das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten vor Influenza schützen.

Ebenso gelten auch die Beschäftigten im Gesundheitswesen als besonders gefährdet, da sie täglich verschiedenen Virustypen wie dem Influenzavirus ausgesetzt sind und somit einen entsprechenden Schutz benötigen. 

Sensibilisierungskampagne der WHO für Grippe in den Ländern der Europäischen Region

In diesem Jahr haben mehrere Länder ihre Anstrengungen speziell auf Risikogruppen ausgerichtet. 

  • Kroatien: Während der Grippesaison organisiert das Gesundheitsministerium zusammen mit der WHO Vorträge und Diskussionen am Runden Tisch zum Thema Grippe und Grippeimpfung für Bürger und Angehörige der Gesundheitsberufe. In diesem Jahr verteilen Hausärzte Flugblätter an Menschen über 65 Jahre und an Personen mit Vorerkrankungen und raten auch in den Medien zu Impfungen.
  • Rumänien: Die WHO hat zusammen mit dem Verband der Hausärzte einen kurzen Video-Clip für das Fernsehen produziert, in dem in den vier Risikogruppen für Grippeimpfungen geworben wird. 
  • Estland: Das Ministerium für Soziales, die staatliche Gesundheitsbehörde, die WHO und die Gesundheitsberufe führen in diesem Jahr ein Pilotprojekt durch, mit dem Hausärzte dazu veranlasst werden sollen, gezielt auf die Altersgruppe der über 65-Jährigen zuzugehen: mit einer Postkarte mit Botschaften über die Bedeutung von Impfungen. 
  • Polen: Das Staatliche Institut für Gesundheit hat Journalisten zu einem Frühstück eingeladen, bei dem sie über Influenza und Impfmaßnahmen informiert werden – und über die Frage, warum manche Menschen stärker gefährdet sind als andere. 
  • Lettland, Litauen und Serbien verteilen Plakate und Flugblätter an Gesundheitszentren auf der nationalen und kommunalen Ebene und haben über einschlägige Websites zentrale Botschaften miteinander ausgetauscht.