Nächste Schritte zur Eliminierung von Masern und Röteln aus der Region

Campaign poster from the Ministry of Health, Equalities, Care and Ageing, North Rhine-Westphalia, Germany

Lisa (9), blind durch Röteln. Plakat für eine Kampagne des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen

Im September 2010 haben sich die Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO durch eine Resolution des Regionalkomitees für die Eliminierung der Masern und Röteln das neue Zieldatum 2015 gesetzt. Masern sind für die Region weiterhin ein wichtiges Gesundheitsthema. Das fehlende Verständnis von Politik und Öffentlichkeit für den Sinn der Impfungen bedroht viele nationale Programme zu einem Zeitpunkt, an dem im Westen und in der Mitte der Region weiter Masern übertragen werden. Zeitgleich mit einer Wiederzunahme der Fälle gehen die Impfraten in ausgewählten Bevölkerungsgruppen und geografischen Ballungsgebieten zurück.

Im Rahmen einer Konsultation des Regionalbüros vereinbarten nationale Impfexperten daher am 2. und 3. Dezember 2010 neue Maßnahmen zur Dokumentation und Verifikation der Eliminierung von Masern und Röteln und zur Prävention der Rötelnembryopathie (nach Infektion zu Beginn der Schwangerschaft) aus der Region. Die Teilnehmer einigten sich auf einen Rahmen für den Verifikationsprozess in Übereinstimmung mit den Erfahrungen ihrer Länder.

Die Konsultation bot auch die Möglichkeit, die Masern- und Rötelnprogramme der Länder und Hindernisse auf dem Weg zur Eliminierung zu erörtern.

Erfolge und Schwierigkeiten der nationalen Programme aus Sicht der Experten

 

Russische Föderation

Die Programme für Masern und für Röteln der Russischen Föderation befinden sich in unterschiedlichen Stadien. Während ein interner Prozess zur Überprüfung der Maserneliminierung kurz vor dem Abschluss steht, erfolgt die Überwachung der Röteln im Land nicht einheitlich und wurde noch kein nationaler Plan geschaffen.

„Wir müssen hart arbeiten, um aufbauend auf die Erfahrung mit Masern die Röteln-Eliminierung bis 2015 zu schaffen“, meinte dazu die leitende Forscherin des Gabrichevsky-Instituts für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau, Dr. Olga Tsvirkun. „Solche WHO-Tagungen sind wichtig für den Erfahrungsaustausch unter den Ländern und es ist schon faszinierend, dass wir vor vielen gemeinsamen Herausforderungen stehen – was etwa die Impfung von Migrantengruppen oder die zunehmend problematische Entwicklung von Röteln für ältere Menschen, vor allem Männer, betrifft.“

Türkei

Die Türkei betreibt seit den 1980er Jahren ein nationales Impfprogramm gegen Masern und führte die kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln schon 2006 ein. Das Gesundheitssystem des Landes befindet sich im Umbruch, wobei häufige Arbeitsplatzwechsel von Gesundheitsfachkräften eine Herausforderung sind, aber auch die Chance zu Fortbildung und Verhaltensänderungen bieten.

„Die Türkei ist dank ihrer epidemiologischen Überwachung in Bezug auf die Eliminierung der Masern gut positioniert. Das Vorgehen gegen Masern hat bei uns eine lange Tradition und viel Arbeit wurde bereits geleistet. Jetzt müssen wir das Gleiche für Röteln schaffen“, sagt die Expertin für öffentliche Gesundheit beim Gesundheitsministerium, Dr. Aslihan Coskun.

Deutschland

In Deutschland traten in den vergangenen Jahren sowohl endemische als auch eingeschleppte Masernfälle auf. Die größten Herausforderungen liegen nach den Worten der stellvertretenden Leiterin der Abteilung für Impfprävention beim Robert-Koch-Institut in Berlin, Frau Dr. Sabine Reiter, in einer Nachlässigkeit der Zielgruppen gegenüber der Impfung, die auch durch nicht genutzte Chancen zur Impfwerbung bei Arztbesuchen begünstigt wurde, sowie in einer lautstarken Gruppe von Impfgegnern: „Wir benötigen auf lokaler und föderaler Ebene einen abgestimmten Einsatz und den festen politischen Willen zur Unterstützung der Impfungen. Es ermutigt uns zu sehen, dass die Maserneliminierung in andern Ländern der Region noch hohe Priorität genießt.“
Rahmen für den Verifikationsprozess in Europa
Zur Dokumentation und Verifikation der Eliminierung von Masern und Röteln und der Prävention der Rötelnembryopathie in der Europäischen Region sind mehrere vereinheitlichte und miteinander verknüpfte Elemente erforderlich:

  • Detaillierte Daten zur Epidemiologie von Masern und Röteln,
  • virologische Überwachung unter Zuhilfenahme der Molekularepidemiologie,
  • Analysen der geimpften Gruppen,
  • qualitativ hochwertige epidemiologische Überwachung,
  • nachhaltige nationale Impfprogramme.

Nationale Verifizierungskomitees für die Eliminierung von Masern und Röteln sollen diese Daten sammeln und jährlich an eine regionale Kommission übermitteln. Die nationalen Komitees werden mindestens noch drei Jahre, nachdem die regionale Kommission die Unterbrechung der endemischen Übertragung von Masern und Röteln gemeldet hat, Daten bereitstellen. Erst danach wird offiziell die Eliminierung für die Region erklärt.

Aktuelles Wiederaufflammen der Masern im Westen und in der Mitte der Region

Aktuelles Wiederaufflammen der Masern im Westen und in der Mitte der Region. Click on image to view full graph.