Zurückdrängung der Masern und Röteln in Europa

Bei ihren Bemühungen zur Eliminierung der Masern und Röteln auf der nationalen sowie gemeinsam auf der regionsweiten Ebene gewinnen die Länder der Europäischen Region der WHO weiterhin an Boden. Die Verifizierungskommission der Europäischen Region für die Eliminierung der Masern und Röteln (RVC) kam in dem heute veröffentlichten Bericht über ihre Jahrestagung zu dem Ergebnis, dass Ende 2015 in 37 der 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region (70%) eine Unterbrechung der endemischen Übertragung der Masern und in 35 von ihnen (66%) auch eine Unterbrechung der endemischen Übertragung der Röteln gelungen ist. Von diesen Ländern konnten 27 die Unterbrechung für die Dauer von mindestens 36 Monaten aufrechterhalten. Somit gelten in diesen Ländern eine oder beide Krankheiten als eliminiert. Nach diesen Schlussfolgerungen sind die Masern nun in vier und die Röteln in zwei Ländern weniger endemisch als im Vorjahr. Die Fortschritte sind auch an der im Vergleich zu den Vorjahren niedrigeren Zahl der Masern- und Rötelnfälle in der Europäischen Region im Jahr 2016 ersichtlich, die sich aus der routinemäßigen Surveillance ergeben.

„Es ist erfreulich, dass die gemeinsamen Anstrengungen der WHO und ihrer Mitgliedstaaten zu stetigen Fortschritten bei der Eliminierung der Masern und Röteln führen“, erklärte Dr. Nedret Emiroglu, Leiterin der Abteilung Gesundheitliche Notlagen und übertragbare Krankheiten beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Trotzdem dürfen wir nicht ruhen, bis die gesamte Europäische Region die Ziellinie überquert hat. Da es einen wirksamen und sicheren Impfstoff gibt, muss kein Mensch die Folgen einer Infektion mit Masern und Röteln erleiden. Dennoch haben wir in unserer Europäischen Region in den Jahren 2015 und 2016 mehrere Ausbrüche erlebt, die sogar zu Todesfällen geführt haben. Wir können und müssen mehr dafür tun, dass alle Bürger in der Europäischen Region vor diesen furchtbaren Krankheiten geschützt sind.“

Jährliche Einschätzung und Schlussfolgerungen

Die unabhängige RVC beurteilt die Fortschritte bei der Eliminierung der Masern und Röteln, indem sie die epidemiologischen Daten sowie Daten aus der Laborüberwachung überprüft, die von den Nationalen Verifizierungskommissionen (NVC) der einzelnen Länder vorgelegt wurden. Auf ihrer fünften Tagung im Oktober 2016 prüfte sie die Berichte der NVC für das Jahr 2015. In ihrem Bericht über die Tagung bestätigt die RVC dann eine Unterbrechung, wenn dies dokumentiert ist, und hilft mit Beobachtungen und Empfehlungen den weiter zurückliegenden Ländern bei der Aufholjagd.

Sie stellt auch Defizite in Bezug auf Surveillance, Durchimpfung und jährliche Berichterstattung fest und hebt die Notwendigkeit ausreichender Labordaten hervor, um zwischen eingeschleppten und endemischen Viren unterscheiden und Übertragungsketten entdecken und dokumentieren zu können. Informationen über Genotypisierung und Herkunftsnachweis werden immer wichtiger, da immer mehr Länder eine Unterbrechung der Übertragung erreichen und der Schwerpunkt sich zunehmend hin zur Aufrechterhaltung einer hochwertigen Surveillance verlagert, bei der jeder Fall aufgedeckt, klassifiziert und dokumentiert wird.

Auf dem Weg zu einer Europäischen Region frei von impfpräventablen Krankheiten

Die Eliminierung der Masern und Röteln ist eine zentrale Zielsetzung des Europäischen Impfaktionsplans (2015–2020) und ein wichtiger Indikator für den weltweiten Erfolg bei der Verbesserung der Gesundheit und beim Abbau von Ungleichheiten (Ziele 3 und 10 für nachhaltige Entwicklung). Die RVC und die WHO bekennen sich zu dem Verifizierungsprozess und werden die nationalen Gesundheitsbehörden in der gesamten Europäischen Region auch weiterhin politisch, fachlich und durch Überzeugungsarbeit unterstützen, bis die Eliminierung der Masern und Röteln erreicht ist.