Aktueller epidemiologischer Lagebericht zum Polioausbruch in Zentralasien

3. Juni 2010

Mit Stand vom 1. Juni 2010 hatte Tadschikistan insgesamt 564 Fälle von akuter schlaffer Lähmung (AFP) gemeldet; dabei wurde in 183 Fällen im Labor das Polio-Wildvirus vom Typ 1 nachgewiesen. Sämtliche bisher im Labor bestätigten Fälle wurden aus dem südwestlichen Teil des Landes sowie aus der Hauptstadt Duschanbe gemeldet. Die Zahl der gemeldeten Fälle ist in der 22. Kalenderwoche offenbar rückläufig.14 AFP-Fälle wurden auf das Polio-Wildvirus negativ getestet.

Der Nationale Polio-Expertenausschuss von Tadschikistan hat am 1. Juni 2010 die AFP-Fälle überprüft und klassifiziert. Er wird auch weiterhin zusammentreten, um eine fachgerechte Klassifizierung aller Fälle zu gewährleisten.

Tadschikistan hat bereits zwei landesweite Impfrunden mit einem monovalenten oralen Polioimpfstoff Typ 1 (mOPV1) abgeschlossen. Während der ersten Runde wurden über 1,1 Mio. Kinder unter sechs Jahren geimpft: Damit wurden 99,4% der Zielgruppe erreicht. Auch in der zweiten Runde konnten eine ähnlich hohe Impfrate erreicht werden. Die dritte Runde des Impfprogramms lief am 1. Juni an, wobei die Zielgruppe diesmal auf alle Kinder unter 15 Jahren ausgedehnt wurde. Ein vierte Runde für dieselbe Altersgruppe soll vom 15. bis 19. Juni durchgeführt werden.

Das internationale Expertenteam der WHO in Tadschikistan setzt die Untersuchung des Ausbruchs und dessen epidemiologische Bewertung fort und unterstützt die Regierung gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und anderen zentralen Partnern in fachlicher Hinsicht. Nach Einschätzung der WHO ist das tadschikische Impfprogramm bisher erfolgreich verlaufen. Die Organisation versucht in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium zu ermitteln, ob noch weitere Impfrunden erforderlich sind. In einem Referenzlabor der WHO in Moskau werden auch weiterhin Proben von Patienten mit akuter schlaffer Lähmung untersucht.

Die WHO hat einen ihrer Experten für Rehabilitationsmaßnahmen entsendet, um sich vor Ort ein Bild von der Versorgung der Polio-Patienten zu machen. Dieser ist mit den zentralen Akteuren zusammengetroffen und wird zum Abschluss seiner Bewertung Schulungen für die behandelnden Ärzte durchführen.

Ferner arbeitet die WHO auch mit den Nachbarländern Tadschikistans in der Europäischen Region der WHO (Kasachstan, Kirgisistan, Turkmenistan und Usbekistan) eng in Bezug auf Vorsorge- und Gegenmaßnahmen zusammen. Die Regierungen in diesen Ländern haben ihre Surveillance-Maßnahmen verstärkt und bereits mit Impfkampagnen begonnen bzw. werden dies in Kürze tun. Zusammen mit ihren internationalen Partnern hat die WHO Expertenteams nach Kirgisistan und Usbekistan entsandt, um die epidemiologische Überwachung zu verstärken und Impfmaßnahmen auf nationaler und subregionaler Ebene zu unterstützen.

Usbekistan

In Usbekistan wurden seit Januar 2010 insgesamt 41 AFP-Fälle gemeldet; davon wurden 26 auf das Poliovirus negativ getestet, für die übrigen 15 stehen die Laborergebnisse noch aus. Zusammen mit dem UNICEF und anderen Partnern bemüht sich die WHO um Umsetzung und Überwachung einer nationalen Impfkampagne gegen Polio in drei Impfrunden für insgesamt knapp 2,9 Mio. Kinder unter fünf Jahren. Der erste Durchgang fand vom 17. bis 22. Mai statt. Danach meldete das usbekische Gesundheitsministerium, bei den Impfungen sei die ursprünglich angestrebte Zahl überschritten worden, da manche der geimpften Kinder vor der Kampagne nicht bei einer Gesundheitseinrichtung registriert gewesen seien.

Die zweite Runde der Impfkampagne ist für die Woche vom 7. bis 13. Juni vorgesehen. Die WHO-Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakab, wird auf Einladung des Gesundheitsministeriums während dieses Zeitraums Usbekistan besuchen. In der Hauptstadt Taschkent wird Frau Jakab dabei mit führenden Vertretern der Regierung und der Gesundheitsbehörden zusammentreffen, um über die Polioimpfung sowie eine Reihe anderer Probleme für die öffentliche Gesundheit in Usbekistan zu diskutieren.

Die dritte Runde der landesweiten Impfkampagne ist für die Woche vom 5. bis 9. Juli vorgesehen.