Polio-Zertifizierungskommission ruft Europäische Region zur Verbesserung von Surveillance und Meldepraxis auf

Auf der Grundlage der von den Mitgliedstaaten der WHO aus der Europäischen Region vorgelegten Daten, in denen ihre Anstrengungen zur epidemiologischen Überwachung und zur Beobachtung der Poliomyelitis sowie zur Förderung der Polioimpfung zusammengefasst dargestellt werden, hat die Zertifizierungskommission für die Eradikation der Poliomyelitis in der Europäischen Region (RCC) auf ihrer 27. Jahrestagung am 30. und 31. Mai 2013 in Kopenhagen die Zertifizierung der Region als poliofrei bestätigt.

Gleichzeitig forderte sie aber auch ein erheblich größeres Engagement der Länder zur Erhaltung dieses Status bis zu einer weltweiten Eradikation der Krankheit. Prof. David Salisbury aus dem Vereinigten Königreich, der Vorsitzende der RCC, äußerte sich besorgt darüber, dass in den nationalen Programmen oft nicht die erforderliche Qualität erreicht werde.

Fortschritte in den Mitgliedstaaten

Die RCC ist ein unabhängiges fünfköpfiges Gremium von Gesundheitsexperten aus aller Welt, das für die Überprüfung der Poliofreiheit in der Europäischen Region der WHO zuständig ist. Auf ihrer Jahrestagung 2013 überprüfte die RCC die Jahresberichte der Mitgliedstaaten über ihre Arbeit in folgenden Bereichen:

  • Aufrechterhaltung hoher Durchimpfungsraten;
  • Durchführung aussagekräftiger Surveillance-Maßnahmen in Bezug auf akute schlaffe Lähmung (AFP) bzw. Einführung zusätzlicher Surveillance-Systeme;
  • Planung nationaler Gegenmaßnahmen bei Einschleppung des Poliovirus.

Die Bereitschaftspläne der Länder für einen Krankheitsausbruch infolge der Einschleppung des Polio-Wildvirus zeugen von erheblichen Fortschritten in zahlreichen Ländern, lassen jedoch auch weiteren Handlungsbedarf in mehreren Bereichen erkennen. Zu diesen zählen die Ermittlung der Typen von Impfstoff, die als Sofortmaßnahme (d. h. nach Entdeckung eines ersten Falls) geeignet sind, sowie ihrer Herkunft bzw. Hersteller, aber auch die Sicherung von Mitteln für ihre Beschaffung.

Die RCC lobte eine Reihe von Ländern (Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Russische Föderation, Ukraine, Vereinigtes Königreich), die durch Teilnahme an von der WHO unterstützten Simulationen eines Polioausbruchs im vergangenen Jahr ihre Bereitschaft verbessert hätten.  Sie rief andere Länder dazu auf, alle Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer Bereitschaftsplanung zu nutzen.

Das WHO-Regionalbüro für Europa erläuterte die Surveillance-Daten, die es in den vergangenen zwölf Monaten regelmäßig von den Mitgliedstaaten erhalten habe. Zu den wichtigsten Herausforderungen zählten Lücken in der Surveillance und unzureichende Impfraten.

Ergebnisse

Aufgrund der vorliegenden Berichte der Länder und der darin enthaltenen Daten über Surveillance und Immunisierung kam die RCC zu dem Schluss, dass im Jahr 2012 in der Europäischen Region keine Polio-Wildviren oder vom Impfstoff stammenden Polioviren mehr zirkuliert seien, äußerte sich jedoch auch zunehmend besorgt über folgende Entwicklungen:

  • die verringerte Qualität der Surveillance-Maßnahmen in den Ländern der Region;
  • Probleme für die Impfprogramme in einigen Ländern;
  • die wachsende Anzahl der Länder, die keine Jahresberichte über Polio vorlegten;
  • das Fehlen nationaler Zertifizierungskommissionen (NCC) in manchen Mitgliedstaaten;
  • unvollständige Informationen oder Verzögerungen in Berichten der NCC.

Abschließend unterstrich die RCC nochmals die Bedeutung einer möglichst hohen Durchimpfung und leistungsfähiger Surveillance-Systeme in den Mitgliedstaaten, mit denen jede Übertragung des Poliovirus schnell entdeckt und mit den erforderlichen Gegenmaßnahmen beantwortet werden könne.