Auffrischimpfung für nicht oder unzureichend geimpfte Reisende aus Polio-Gebieten

Der derzeitige Ausbruch von Poliomyelitis (Polio) in Syrien und anderen Ländern, in denen Polio weiter endemisch ist (Afghanistan, Nigeria und Pakistan), sowie starke Migration und große Lücken im Impfschutz einiger Länder in der Europäischen Region erhöhen das Risiko einer internationalen Ausbreitung des Polio-Wildvirus.  Denn solange das Virus zirkuliert und der Impfschutz nicht optimal ist, droht seine Rückkehr in die Europäische Region der WHO.

Umfassende Impfkampagne in Syrien

Als Antwort auf den Ausbruch hat die Arabische Republik Syrien Zusatzimpfungen in großem Stil angekündigt, in deren Verlauf über 1,3 Mio. Kinder gegen Polio (und Masern, Mumps und Röteln) in von der Regierung kontrollierten sowie in umkämpften Gebieten geimpft werden sollen. Weitere Kampagnen in den kommenden sechs Monaten wären erforderlich, damit die Übertragung in den betroffenen Gebieten gestoppt werden kann. Anrainerstaaten wie die Türkei haben bereits im Rahmen der internationalen Maßnahmen zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung der Polio mit der Planung und Umsetzung von Zusatzimpfungen begonnen.

Gesundheitshinweise der WHO zu Polio für Reisende

Die WHO rät in ihren Reise- und Gesundheitshinweisen allen Personen, die in von Polio betroffene Gebiete reisen oder aus diesen kommen, zur vollständigen Impfung. Die Behörden der Staaten, in die Menschen aus von Polio betroffenen Gebieten einreisen bzw. die syrische Kriegsflüchtlinge beherbergen, sollten alle unzureichend oder nicht geimpfte Personen bzw. Personen mit unbekanntem Impfstatus ausfindig machen und mit den laut Impfschema des Herkunftslandes fehlenden Dosen des Polio-Impfstoffs versehen.  Eine hohe Durchimpfungsrate gegen Polio in allen Altersgruppen und die hochwertige epidemiologische Überwachung der akuten schlaffen Lähmung (AFP), die Überwachung des Vorkommens in der Umwelt sowie des Enterovirus (Virusgruppe des Poliovirus) sind wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Frühwarnung und den Schutz der gesamten Bevölkerung gegen Polio.

Auch einheimische Bevölkerungsgruppen sollten auf Impflücken untersucht werden und gegebenenfalls nachgeimpft werden.  Nur wenn überall ein hoher Impfschutz besteht, lässt sich das Risiko einer starken Ausbreitung im Falle der Einschleppung abwenden.

Jährliche Überprüfung des Polio-Status in der Europäischen Region der WHO

Die Zertifizierungskommission für die Eradikation der Poliomyelitis in der Europäischen Region prüft als unabhängiges international besetztes Expertengremium jährlich die Risiken für eine örtliche Übertragung und einen möglichen Ausbruch nach Einschleppung des Poliovirus in Länder der Europäischen Region der WHO.  Hierbei werden der Impfschutz der Bevölkerung und die Fähigkeit, das Poliovirus bzw. dessen Einschleppung aufzudecken und zeitnah dagegen vorzugehen, bewertet. In ihrem jüngsten Bericht vom Mai 2013 forderte die Kommission erheblich stärkere Anstrengungen der Region zur Verteidigung ihres (2002 verkündeten) poliofreien Status, bis die globale Eradikation erreicht ist.