Welt-Polio-Tag steht im Zeichen von Fortschritten und Sorgen auf der Zielgeraden zur Eradikation der Krankheit

Rotary International

Erklärung über die Eradikation von Polio-Wildviren vom Typ 2

Am Welt-Polio-Tag werden die Erfolge der weltweit zahllosen Vorkämpfer für Impfmaßnahmen gewürdigt, die die Krankheit ein für alle Mal besiegen wollen. In diesem Jahr gibt es reichlich Grund zum Feiern. Zum Welt-Polio-Tag am 24. Oktober 2015 feiert das WHO-Regionalbüro für Europa zusammen mit seinen Partnerorganisationen die Erreichung einer Reihe historischer Etappenziele im Jahr 2015 sowie Erfolge bei der Sensibilisierung für die potenziellen Gefahren für das Programm zur Eradikation der Krankheit in derzeit poliofreien Ländern und Regionen.

Eradikation des Polio-Wildvirus vom Typ 2

Das Polio-Wildvirus vom Typ 2 stellt heute nirgendwo in der Welt mehr eine Bedrohung für Kinder dar. Die Eradikation des Typs 2, die am 20. September 2015 offiziell verkündet wurde, stellt einen wesentlichen Schritt auf dem Weg zur globalen Eradikation aller drei Serotypen des Polio-Wildvirus dar. 

Durch das aktive Engagement aller maßgeblichen Akteure hat die Europäische Region zur globalen Eradikation des Polio-Wildvirus vom Typ 2 beigetragen. Der letzte Fall einer Infektion mit dem Poliovirus vom Typ 2 in der Europäischen Region der WHO wurde 1996 aus Aserbaidschan, der letzte Fall weltweit 1999 aus Indien gemeldet. Wenn die Eradikation aller drei Stämme des Poliovirus erreicht ist, wäre damit nach den Pocken erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Menschheit eine menschliche Krankheit eradiziert. 

Am 11. August 2015 war der afrikanische Kontinent zum ersten Mal in seiner Geschichte seit einem Jahr ohne einen bestätigten Fall eines der Typen des Polio-Wildvirus. Inzwischen ist die Krankheit nur noch in zwei Ländern endemisch: Afghanistan und Pakistan. 

Polio in der Europäischen Region der WHO

Die Europäische Region der WHO wurde 2002 für poliofrei erklärt. Die Erhaltung dieses Status gehört zu den zentralen Zielen des Europäischen Impfaktionsplans, der vor kurzem von allen Ländern der Europäischen Region gebilligt wurde. Das WHO-Regionalbüro für Europa unterstützt die Mitgliedstaaten aktiv bei der Stärkung ihrer Surveillance-Systeme und bei der Verbesserung der Qualität der Impfprogramme. Auch der Aufbau von Kapazitäten zur Bewältigung der Ausbrüche ist von entscheidender Bedeutung. Deshalb organisiert das Regionalbüro Simulationsübungen in Bezug auf einen möglichen Polioausbruch, die den Mitgliedstaaten dabei behilflich sein sollen, ihre nationalen Reaktionspläne zu überprüfen und zu aktualisieren. 

Die Europäische Region erhält ihre Zertifizierung als poliofrei seit 2002 aufrecht, obwohl das Virus mehrfach in die Europäische Region eingeschleppt wurde. 

Wachsende Besorgnis

Die jüngste Entdeckung zweier Poliofälle in der Ukraine ist jedoch eine deutliche Erinnerung daran, dass die historischen Errungenschaften bei der globalen Prävention und Bekämpfung von Polio noch nicht stabilisiert sind.

In seltenen Fällen kann es dort, wo die Durchimpfung niedrig ist, vorkommen, dass ein ausgeschiedenes Impfstoffvirus weiter zirkuliert und sich genetisch so verändert, dass es bei Kindern mit unzureichendem Impfschutz Lähmungen hervorrufen kann. Bisher konnten in weltweit fünf Ländern, darunter der Ukraine, ein oder mehrere Fälle des zirkulierenden vakzine-abgeleiteten Poliovirus (cVDPV) nachgewiesen werden.

Nach den international geltenden Leitlinien und Protokollen stellt die Entdeckung von cVDPV einen Ausbruch dar, der eine sofortige Reaktion erfordert. Seit Bestätigung des Ausbruchs in der Ukraine am 1. September 2015 unterstützen die WHO und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) das ukrainische Gesundheitsministerium mit fachlicher Hilfe und Vor-Ort-Maßnahmen im Hinblick auf umfassende zusätzliche Impfmaßnahmen, die Verstärkung der Surveillancemaßnahmen in Bezug auf das Poliovirus, eine Intensivierung der Umweltüberwachung sowie die Schulung von Fachkräften im Gesundheitswesen für die Beantwortung von Fragen über den Impfstoff und seine Verabreichung.

Am 21. Oktober 2015 startete das ukrainische Gesundheitsministerium eine landesweite Impfkampagne, bei der in zwei Impfrunden alle Kinder unter sechs Jahren und in einer dritten Runde alle Kinder bis zehn Jahre ins Visier genommen werden sollen.

Anhaltende Anstrengungen

In der Europäischen Region der WHO wie auch weltweit sind eine anhaltende Dynamik und Wachsamkeit erforderlich, um jedes einzelne Kind mit dem lebensrettenden Impfstoff zu erreichen und auf mögliche Ausbrüche vorbereitet zu sein, bis die Eradikation der Krankheit abgeschlossen ist.