Polio-Übertragung in Ukraine vorerst unterbrochen, doch Schutz der Kinder muss weitergehen

Ein Expertenteam hat Maßnahmen der Ukraine gegen einen Polio-Ausbruch bewertet und ist zu dem Schluss gelangt, dass die Übertragung des Poliovirus unterbrochen werden konnte. Dennoch macht sich das Team weiter Sorgen wegen der beträchtlichen Impflücken und der mangelhaften epidemiologischen Überwachung, welche die Ukraine für weitere Ausbrüche anfällig machen.

„Dank der Bemühungen des Gesundheitsministeriums, des Gesundheitspersonals und der Eltern wurden jetzt viele Kinder gegen Polio geimpft und dieses Engagement verdient unsere Anerkennung," sagte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa. „Aber die Arbeit darf hier nicht enden. Die Impflücke besteht fort und wenn die Ukraine ihre Kinder nicht weiter impft, wird sich diese Schere für Polio und für andere durch Impfung vermeidbare Krankheiten weiter öffnen."

Regelimpfung mit hoher Beteiligung

Aufgrund schlechter Versorgung hatten sich die Impflücken in der Ukraine derart vergrößert, dass die Polio-Übertragung erst durch eine dreiphasige Kampagne für Nachimpfungen unterbrochen werden konnte. Hohe Impfraten genießen für die WHO oberste Priorität, damit sich kein weiterer Ausbruch von Polio oder einer anderen durch Impfung vermeidbaren Krankheit in dem Land ereignen kann. 

„Wir müssen den während des Polio-Ausbruchs in der Ukraine mobilisierten Elan zur Stärkung der ukrainischen Impfprogramme dafür nutzen, dass die Eltern ihr Recht und ihre Pflicht zur Impfung ihrer Kinder wahrnehmen können," sagte der WHO-Vertreter in der Ukraine Dr. Luigi Migliorini.

Gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) unterstützt die WHO das Gesundheitsministerium darin, Impfstoffe zur Verfügung zu stellen, die Impflücke zu schließen und die Menschen vor sämtlichen durch Impfung vermeidbaren Krankheiten zu schützen. 

Empfehlungen des Expertenteams

„Ein Expertenteam verschiedener Organisationen der Vereinten Nationen und Partner bewertete zwei Wochen lang die Maßnahmen gegen den Polio-Ausbruch in fünf ukrainischen Regionen und Bezirken. Sie analysierten die epidemiologische Überwachung, die Zusatzimpfungen und die Öffentlichkeitsarbeit," sagte der Leiter des WHO-Bewertungsteams Dr. Patrick O'Connor.

Sie gelangten zu der Einschätzung, dass die Polio-Übertragung in der Ukraine unterbrochen worden sei, und empfahlen zentrale Schritte zur Verringerung des Risikos weiterer Ausbrüche:

  • Größeres politisches Engagement für Impfungen im Kindesalter
  • Wiederherstellung des hohen Versorgungsgrads mit einheitlichen Impfmaßnahmen
  • Verbesserung der kommunikativen Kompetenz des Gesundheitspersonals vor Ort
  • Verbesserung der epidemiologischen Überwachung zur frühen Aufdeckung der Polioviren.

Zertifizierung als poliofrei

Die Weltgesundheitsversammlung fordert im Falle eines Polio-Ausbruchs konkrete Schritte in jedem Land. Die Leitlinien benötigen im Falle eines Ausbruchs alle drei Monate eine externe Überprüfung. 

Die Ukraine ist für die Eradikation der Poliomyelitis ein zentrales Land und der dortige Ausbruch hat den Status der gesamten Europäischen Region als poliofrei gefährdet. Die Zertifizierungskommission für die Eradikation der Poliomyelitis in der Europäischen Region wird auf ihrer nächsten Sitzung im Juni 2016 entscheiden, ob die Region ihren Status behalten darf.

Polioausbruch in der Ukraine

Am 1. September 2015 meldete das ukrainische Gesundheitsministerium, dass Polio als Ursache für die Lähmungen bei zwei Kindern im Alter von zehn Monaten und vier Jahren in der Provinz Zakarpatska im Südwesten des Landes ermittelt worden sei. Darauf wurde eine Kampagne für Zusatzimpfungen in drei Phasen eingeleitet, um das Land vor der gefährlichen Kinderlähmung zu schützen.