15 Jahre nach Zertifizierung der Europäischen Region als poliofrei ist der Kampf noch nicht vorbei

WHO/Alex Shpigunov

Am 24. Oktober 2017 ist Welt-Polio-Tag und gleichzeitig der 15. Jahrestag der Zertifizierung der Europäischen Region der WHO als frei von Poliomyelitis (Polio). 2002 war dies ein wichtiger Schritt vorwärts für die Region und weltweit auf dem Weg zur Ausrottung dieser zu Lähmung führenden Krankheit. Doch auch wenn das Ziel jetzt greifbar nah erscheint, so wird die Region noch immer durch Polioviren bedroht und ist ein verbesserter Impfschutz so wichtig wie zuvor.

Prof. David Salisbury, Vorsitzender der Zertifizierungskommissionen für die Eradikation der Poliomyelitis weltweit und in der Europäischen Region, sagt hierzu: „Die Bedrohung durch Polioviren und die Möglichkeit neuer Ausbrüche sind weiter sehr ernst zu nehmen. Die Europäische Region darf in ihrem Handeln und in ihrem politischen Engagement zur Verteidigung der Poliofreiheit nicht nachlassen.“

Impfschutz gegen Polio oft unzureichend

Solange Polioviren noch irgendwo in der Welt zirkulieren, besteht das Risiko einer Einschleppung in die Europäische Region. In manchen Ländern der Europäischen Region werden 98% der Bevölkerung auch mit der dritten Dosis des Polio-Impfstoffs geimpft. Allerdings liegt die Rate an zu vielen Orten unter den empfohlenen 95%. Von 15 Kindern erhält im Durchschnitt der Europäischen Region eines nicht alle Regelimpfungen rechtzeitig und insgesamt ist der Impfschutz in den vergangenen fünf Jahren zurückgegangen.

„Je näher die Unterbrechung der Poliovirus-Übertragung rückt, desto sorgfältiger sollten die Länder ihre eigenen Umstände betrachten, ihre Risiken bewerten und entsprechende Maßnahmen ergreifen,“ fährt Prof. Salisbury fort. „Wo die Herdenimmunität versagt, können Polio-Wildviren oder aus Impfstoffen abgeleitete Polioviren übertragen werden.“

Nächster Schritt: Sicherheitslagerung

In der jetzigen Phase der Polio-Eradikation sind nachhaltige und gewissenhafte Anstrengungen jedes Mitgliedstaats in der Region erforderlich, um das Risiko eines Polioausbruchs zu minimieren. Dazu gehören eine hohe Durchimpfung zur Verhinderung einer möglichen Zirkulation des Virus, hochwertige epidemiologische Überwachung zur Aufdeckung aller Fälle und wirksame Sicherheitslagerung von Polioviren.

Die meisten Polio-Forschungseinrichtungen und Polio-Impfstoffhersteller der Welt haben ihren Sitz in der Europäischen Region der WHO. 2014 und 2017 kam es in Belgien bzw. in den Niederlanden zu Regelverstößen in der Sicherheitslagerung. Prof. Salisbury erläutert: „Die Verfahren der Sicherheitslagerung wurden zweimal in dieser Region verletzt. Die globalen und regionalen Zertifizierungskommissionen sind auf einwandfreie Dokumentation angewiesen, damit sie die Europäische Region auch weiterhin für poliofrei erklären können, und ich setze darauf, dass jedes Land die erforderlichen Anstrengungen unternehmen wird, den Status zu verteidigen.“