Expertengruppe bestätigt: Europäische Region bleibt poliofrei, doch es besteht weiterhin Poliogefahr

WHO

Die Europäische Region der WHO bleibt weiterhin poliofrei, wie die Kommission der Europäischen Region für die Zertifizierung der Poliomyelitis-Eradikation (RCC) auf ihrer 32. Jahrestagung am 30. und 31. Mai 2018 in Kopenhagen bestätigte.

iese unabhängige Expertengruppe stützte ihre Feststellung auf die jährlichen Fortschrittsberichte für 2017, die von allen 53 Mitgliedstaaten in der Region vorgelegt wurden. Diese Berichte bildeten die Grundlage, auf der jedes Land die Gefahr einer Ausbreitung im Falle eines Auftretens oder einer Einschleppung des Poliovirus beurteilte.

Drei Länder (Bosnien und Herzegowina, Rumänien und die Ukraine) sind aufgrund einer suboptimalen Durchimpfung, Schwächen in der Surveillance, Versorgungsengpässen und anderen Anfälligkeiten für die RCC besonders besorgniserregend. Die Kommission appellierte dringend an diese Länder, alles daran zu setzen, ihre Polioprogramme zu verbessern, da diese Schwächen sowohl ihre eigenen Länder als auch die gesamte Europäische Region in Gefahr bringen können.

Prof. David Salisbury, Vorsitzender der Globalen Zertifizierungskommission (GCC) und der RCC, gratulierte allen Ländern zur rechtzeitigen Einreichung ihrer jährlichen Fortschrittsberichte und hob die Bedeutung fortgesetzter Bemühungen um Verhinderung und Aufdeckung jeglicher Fälle der Krankheit hervor: „Wir müssen wachsam bleiben, denn die Poliogefahr ist nicht gebannt – unsere Herausforderung besteht darin, nach Viren zu suchen, nicht nur nach Krankheitsfällen.“

Eindämmung – die nächste große Herausforderung

In der gesamten Europäischen Region ist man darum bemüht, die Empfehlungen der WHO zur Eindämmung sämtlicher derzeit in Laboreinrichtungen oder Produktionsanlagen für Impfstoffe vorhandener Polioviren einzuhalten. Wie in dem globalen Aktionsplan zur Minimierung des Risikos nach der weltweiten Eradikation (GAP III) dargelegt, sollen die Länder potenziell infektiöse mit Polioviren behaftete Materialien entweder zerstören oder deren Sicherheitslagerung in einer von der WHO zertifizierten unentbehrlichen Poliovirus-Einrichtung (PEF) gewährleisten.

In der Europäischen Region planen mehr Länder als in jeder anderen der sechs WHO-Regionen die Realisierung einer oder mehrerer PEF. Die RCC ermahnte die Länder, die sich für diese Option entscheiden, sich der strengen Auflagen sowie der langfristigen Verpflichtung und Verantwortung einer PEF bewusst zu sein. Diese Auflagen umfassen ein hohes Maß an Bio- und Laborsicherheit sowie eine hohe Immunität der Bevölkerung.

Die Mitgliedstaaten in der Europäischen Region bekundeten ihren Willen zur Unterstützung der weltweiten Eindämmung des Poliovirus, indem sie im Mai 2018 die Resolution der Weltgesundheitsversammlung zu diesem Thema annahmen.

Die vollständigen Ergebnisse und Empfehlungen der 32. Tagung der RCC werden in einem in Kürze erscheinenden Tagungsbericht veröffentlicht.