Würdigung eines wichtigen Meilensteins auf dem Weg zur Eradikation der Poliomyelitis zum Welt-Polio-Tag

Syria Immunization Group

Die unabhängige Globale Kommission für die Zertifizierung der Poliomyelitis-Eradikation (GCC) hat Polio-Wildviren vom Typ 3 für weltweit eradiziert erklärt. Diese Erklärung zum heutigen Welt-Polio-Tag markiert einen wichtigen Meilenstein für die globalen Bemühungen, die Welt von sämtlichen Poliovirusstämmen zu befreien und sicherzustellen, dass kein Kind weltweit je wieder aufgrund von Polioviren gelähmt sein wird.

„Dieser Erfolg ist ein weiterer riesiger Schritt hin zur Befreiung der Welt von dieser zu Lähmung führenden Erkrankung. Die Europäische Region der WHO hat massiv zu diesem Erfolg beigetragen, seit sie im Jahr 2002 für poliofrei erklärt wurde“, sagt Dr. Nedret Emiroglu, Leiterin der Abteilung Gesundheitliche Notlagen und übertragbare Krankheiten beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Doch trotz der erzielten Fortschritte bleibt weltweit noch viel zu tun. Anhaltende Bemühungen, jedes einzelne Kind mit dem Polio-Impfstoff zu erreichen, Routineimpfungen und Surveillance zu stärken und eine sichere Laborlagerung der Polioviren zu gewährleisten, sind entscheidend, um Polio in Schach zu halten und das bereits Erreichte zu schützen.“

Seit 2012 wurden nirgendwo auf der Welt mehr Polio-Wildviren vom Typ 3 nachgewiesen. Von den drei Serotypen des Polio-Wildvirus wurde Typ 2 im September 2015 für eradiziert erklärt, nachdem das letzte Virus im Jahr 1999 in Indien nachgewiesen wurde.

Status und Vorsorge in der Europäischen Region

Der Status der Europäischen Region als poliofrei wird jedes Jahr von der unabhängigen Zertifizierungskommission für die Eradikation der Poliomyelitis in der Europäischen Region (RCC) überprüft. Auf ihrer diesjährigen Tagung erklärte die RCC, dass die Region ihren poliofreien Status aufrechterhalten habe, stellte jedoch mit Besorgnis fest, dass es in einigen Ländern suboptimale Impfraten bzw. eine suboptimale Überwachung der Krankheit gäbe. Die RCC identifizierte insbesondere 3 Länder, die ein hohes Risiko für eine mögliche Ausbreitung des Poliovirus aufweisen, sollte das Virus eingeschleppt werden oder anderweitig auftreten (Bosnien und Herzegowina, Rumänien und die Ukraine), sowie 22 Länder mit einem entsprechenden mittleren Risiko. Die WHO arbeitet gemeinsam mit diesen Ländern daran, Impflücken zu identifizieren und zu schließen und die Surveillance zu stärken.

Angesichts der sich anbahnenden weltweiten Eradikation konzentriert sich die Region darüber hinaus auf die Sicherheitslagerung bzw. Zerstörung von Polioviren, die gegenwärtig in Forschungseinrichtungen und Produktionsanlagen für Impfstoffe aufbewahrt werden. Um sicherzustellen, dass keine Polioviren nach der globalen Eradikation wieder auftreten, müssen Mitgliedstaaten, die zukünftig eine Aufbewahrung von Polio-Proben für die Impfstoffherstellung oder wichtige Forschungszwecke planen, sich um die Zertifizierung einer unentbehrlichen Poliovirus-Einrichtung (PEF) bewerben und eine Nationale Behörde für die Sicherheitslagerung einrichten. Mit Stand vom 20. September 2019 hatten 11 Mitgliedstaaten der Europäischen Region ihre Absicht bekundet, sich um die Zertifizierung einer oder mehrerer PEF zu bewerben.

Grenzüberschreitende Arbeit

Polioviren kennen keine Grenzen und die Arbeit zur Verhinderung von Ausbrüchen darf ebenfalls nicht an Ländergrenzen Halt machen. Ein in Syrien im Jahr 2017 festgestellter Ausbruch zirkulierender vakzine-abgeleiteter Polioviren vom Typ 2 wurde im Dezember 2018 für beendet erklärt. Das Land bleibt jedoch weiterhin anfällig für Reinfektionen.

Durch sein Büro in Gaziantep (Türkei) hilft das WHO-Regionalbüro für Europa, den Zugang zu Routineimpfungen im Nordwesten Syriens zu verbessern. 127 Teams sind dafür zuständig, einer geschätzten Gesamtbevölkerung von 4 Mio. Menschen Impfangebote bereitzustellen. 2019 wurden durch die WHO bislang vier neue Zentren für Routineimpfungen eingerichtet (deren Gesamtzahl damit auf 99 steigt). Darüber hinaus wurden zwei zusätzliche Polio-Impfkampagnen durchgeführt, um alle Kinder unter 5 Jahren im Nordwesten Syriens zu erreichen. Von mehr als 3000 von der WHO geschulten Gesundheitsfachkräften wurden über 1,5 Mio. Dosen des Polioimpfstoffs ausgegeben. Für Dezember 2019 ist eine weitere Kampagne geplant, mit der über 800 000 Kinder erreicht werden sollen. Die epidemiologische Überwachung zur Feststellung neuer Fälle oder Ausbrüche im Nordwesten Syriens ist gewährleistet und funktioniert gut.

Der Welt-Polio-Tag

Der Welt-Polio-Tag am 24. Oktober wurde von Rotary International ins Leben gerufen, um der Geburt von Jonas Salk zu gedenken, dem Leiter des ersten Teams, das einen Impfstoff gegen Poliomyelitis (Polio) entwickelte. Jedes Jahr nutzen Rotary International, die WHO und andere Partnerorganisationen im Rahmen der Weltweiten Initiative zur Ausrottung der Kinderlähmung den Welt-Polio-Tag, um Einzelpersonen und Organisationen zu würdigen, die die Welt ihrem Ziel der Polio-Eradikation ein Stück näher gebracht haben, und um auf die verbleibenden Herausforderungen aufmerksam zu machen.