Europäische HIV-Hepatitis-Testwoche 2016: Testen – Behandeln – Vorbeugen

Grupo de Ativistas em Tratamentos (GAT)/Clara Abdullah

Es gibt sichere und wirksame Therapien, die Menschen mit HIV oder Virushepatitis B ein gesundes und langes Leben ermöglichen. Personen mit Hepatitis C können geheilt werden. Doch die entscheidende Voraussetzung für den Zugang zur Behandlung ist das Wissen um den eigenen Gesundheitsstatus. Deshalb unterstützt die WHO nachdrücklich die Europäische HIV-Hepatitis-Testwoche, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Schweigen, das HIV und Virushepatitis umgibt, zu brechen und mit einer neu geschaffenen Dynamik diesen beiden Epidemien bis 2030 Einhalt zu gebieten.

Fast die Hälfte der 2,5 Mio. mit HIV lebenden Personen in der Europäischen Region der WHO wissen nicht von ihrer Infektion. Fast die Hälfte der Neudiagnosen erfolgen erst in einem späten Stadium, was den Zugang der Betroffenen zur Behandlung verzögert und die Gefahr einer Übertragung des Virus auf ihre Partner erhöht. Auch die überwältigende Mehrzahl der 15 Mio. Menschen in der Europäischen Region, die mit Hepatitis C leben, und der 13,3 Mio. Menschen mit Hepatitis B wissen nichts von ihrer Infektion und tragen daher das Risiko, an einer Leberzirrhose oder an Leberkrebs zu erkranken. Im Durchschnitt erhalten weniger als 3% der Patienten mit chronischer Hepatitis C eine Therapie.

Dynamik für die Europäische Region

Die diesjährige Testwoche findet zu einem für die Region entscheidenden Zeitpunkt statt. Auf der 66. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa verabschiedeten die 53 Länder der Europäischen Region einen neuen HIV-Aktionsplan für die Region und ihren ersten Aktionsplan zur Bekämpfung der Virushepatitis. Diese Pläne dienen der Anpassung der globalen Strategien gegen Virushepatitis an die politischen, wirtschaftlichen und epidemiologischen Rahmenbedingungen der Region. Sie bekräftigen die ehrgeizigen Ziele, die in der Beendigung der Aids-Epidemie und der Eliminierung der Virushepatitis als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit in der Region bis 2030 bestehen, und orientieren sich an Ziel 3 der Ziele für nachhaltige Entwicklung: ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters zu gewährleisten und ihr Wohlergehen zu fördern.

HIV-Tests

Der Aktionsplan für Maßnahmen des Gesundheitswesens gegen HIV in der Europäischen Region der WHO enthält mit Blick auf das Jahr 2020 ehrgeizige Zielvorgaben nach der Formel 90–90–90:

  • 90% der mit HIV lebenden Menschen wissen von ihrer Infektion;
  • 90% der mit HIV diagnostizierten Personen erhalten eine antiretrovirale Therapie (ART);
  • 90% der mit ART versorgten Personen erreichen eine anhaltende Virussuppression.

Maßnahmen zur verstärkten Bereitstellung von HIV-Tests werden dazu beitragen, dass die Region diese drei Zielvorgaben erfüllt. Um die Untersuchung, Behandlung und Versorgung im Bereich HIV auszuweiten, empfiehlt der Aktionsplan den Ländern:

  • in Umfeldern mit einer hohen Zahl von HIV-Fällen HIV-Tests anzubieten, insbesondere für stärker gefährdete Menschen;
  • sicherzustellen, dass unmittelbar auf eine HIV-Diagnose eine Behandlung, Versorgung und Prävention folgt;
  • HIV-Schnelltests durch Ansätze zu fördern, die für den nationalen Kontext geeignet sind, etwa von Leistungserbringern in der Gesundheitsversorgung initiierte Tests, von Laienanbietern bürgernah bereitgestellte Tests für gefährdete Menschen, Tests in geschlossenen Umfeldern und Selbsttests;
  • den Grundsatz „Behandlung für alle“ zu verfolgen und die nationalen Leitlinien für die Behandlung und Versorgung von HIV-Patienten so zu aktualisieren, dass sie auch die Prävention und Handhabung der häufigsten Koinfektionen und Nebenerkrankungen – insbesondere sexuell übertragbare Infektionen, Tuberkulose, Hepatitis C und Drogenabhängigkeit – einschließen;
  • den Erfolg von ART aufmerksam zu beobachten, indem die Viruslast regelmäßig gemessen wird und Strategien zur Minimierung von Resistenzen gegen HIV-Medikamente umgesetzt und die Daten bei der Gestaltung der nationalen Konzepte und Leitlinien für ART herangezogen werden.

Hepatitis-Tests

Eine frühzeitige Diagnose von Hepatitis ist für eine wirksame Behandlung und Versorgung entscheidend. Im Aktionsplan für Maßnahmen des Gesundheitswesens gegen Virushepatitis in der Europäischen Region der WHO wird als Zielvorgabe angestrebt, dass bis 2020 mindestens 50% der mit chronischer Hepatitis lebenden Menschen diagnostiziert und behandelt werden. Zu diesem Zweck wird den Ländern im Aktionsplan empfohlen:

  • im Einklang mit den Leitlinien der WHO und auf der Grundlage lokaler Konzepte nationale Leitlinien für Virushepatitis-Tests zu entwickeln und einzuführen, die Risikogruppen und riskante Verhaltensweisen ins Visier nehmen;
  • im Rahmen einer jährlichen Gesundheitsuntersuchung freiwillige Hepatitis-Tests für alle Drogenkonsumenten und für alle Strafgefangenen bei Haftantritt anzubieten;
  • die nationalen Laborkapazitäten auszubauen, die eine qualitativ hochwertige Diagnose akuter und chronischer Infektionen mit Hepatitis ermöglichen;
  • dafür zu sorgen, dass qualitativ hochwertige und bezahlbare Diagnostika, einschließlich verschiedener Testansätze, verfügbar und zugänglich sind;
  • die Vertraulichkeit der Testergebnisse zu gewährleisten und die Ergebnisse so auszutauschen, dass Stigmatisierung vermieden wird und die Patienten an eine ordnungsgemäße Versorgung und Behandlung weitergeleitet werden; und
  • Gesundheitsfachkräfte in Bezug auf Tests und Diagnosen für Virushepatitis zu schulen.

Auf globaler Ebene erarbeitete die WHO unlängst Leitlinien zu Angeboten für HIV-Selbsttests und Partner-Benachrichtigung, die sich speziell der Frage widmen, wie diese zusätzlichen Ansätze genutzt werden können, um die erste der 90–90–90-Zielvorgaben zu erreichen (voraussichtliches Erscheinungsdatum: 1. Dezember 2016). Zudem erstellte sie Leitlinien zu Tests auf Hepatitis B und C, in denen empfohlen wird, je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedliche Ansätze zu verfolgen und verschiedene Teststrategien anzuwenden.

Europäische HIV-Hepatitis-Testwoche

Die Europäische HIV-Hepatitis-Testwoche 2016 findet vom 18.–25. November statt. Als die Initiative 2013 ins Leben gerufen wurde, hatte sie das Ziel, den Menschen Klarheit über ihren HIV-Status zu geben. 2015 wurde die Testwoche auf Hepatitis ausgeweitet. Infektionen mit Hepatitis B und C sind bei mit HIV lebenden oder durch HIV gefährdeten Menschen häufig anzutreffen, und die Viren können genauso übertragen werden wie HIV, nämlich durch intravenösen Drogenkonsum und ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Die Testwoche bietet den Partnern in der gesamten Region die Möglichkeit, zusammenzukommen, um für den Nutzen frühzeitiger HIV- und Hepatitis-Tests bei Risikogruppen zu werben. 2015 nahmen mehr als 400 Organisationen aus 49 Ländern daran teil. Infolgedessen wissen nun Tausende mehr Menschen von ihrer HIV- und Hepatitis-Infektion. Für 2016 werden nahezu 500 Organisationen zur Teilnahme erwartet.