Bekämpfung der Tuberkulose in Grönland

WHO/Andrei Dadu

Trotz erheblicher Anstrengungen steigt die Zahl der Tuberkulosefälle in Grönland seit den 1990er Jahren stetig an. So lag 2014 die Inzidenz der Tuberkulose bei 200 Fällen pro 100 000 EW, während die durchschnittliche Rate in den 53 Ländern der Europäischen Region der WHO 37 Fälle pro 100 000 EW und in Dänemark 7 pro 100 000 EW betrug. Im Gegensatz zu Grönland sinken die Tuberkuloseraten in der Europäischen Region seit 2010 um 5,2% pro Jahr und damit schneller als in allen anderen WHO-Regionen.

Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass in den letzten Jahren 21% der gemeldeten Fälle von aktiver Tuberkulose in Grönland auf Kinder und Jugendliche entfielen. Kinder infizieren sich leichter als Erwachsene und sind zum Zeitpunkt der Diagnose erst seit relativ kurzer Zeit infiziert, während Erwachsene die Infektion oft jahrelang in sich tragen, ohne dass die Krankheit ausbricht. Deshalb ist eine hohe Zahl an infizierten Kindern ein Indiz für eine aktive Ausbreitung der Krankheit.

Untersuchungen belegen, dass die Ausbreitung der Tuberkulose in Grönland von mehreren sozialmedizinischen Einflussfaktoren begünstigt wird. Wie in anderen Ländern ist auch hier die Gefahr einer Erkrankung an Tuberkulose für einkommensschwächere Gruppen deutlich größer. Besonders stark gefährdet sind die Bewohner kleiner Dörfer, die keinen Zugang zur Trinkwasserversorgung oder zu Bädern und Sanitäranlagen haben, aber auch Arbeitslose und Menschen mit überdurchschnittlichem Alkohol- oder Tabakkonsum. Es gibt auch Hinweise auf eine zunehmende Ausbreitung in den Städten. Obdachlosigkeit kann die Einhaltung langfristiger Behandlungspläne für Tuberkulose extrem erschweren.

Zweck des Besuchs

Im Auftrag der Staatlichen Gesundheitsbehörde von Grönland besucht ein Expertenteam vom WHO-Regionalbüro für Europa, der Dänischen Lungengesellschaft und dem Staatlichen Serum-Institut von Dänemark vom 5. bis 11. Juni 2016 die Insel, um die Anstrengungen des Landes zur Eindämmung der wachsenden Zahl der Tuberkulosefälle zu bewerten. Der Besuch knüpft an eine vom Regionalbüro zusammen mit Partnern im April und Mai 2010 durchgeführte Bewertungsmission an.

Nach einer Eingangsbesprechung bei der Staatlichen Gesundheitsbehörde werden die Teilnehmer bei Besuchen in größeren und kleineren Gemeinschaften mit für Tuberkulose zuständigen Ärzten und Pflegekräften in Krankenhäusern und Gesundheitszentren sowie mit Laborpersonal, Politikern, Lehrern, Patienten und Familienangehörigen zusammentreffen, um die aktuelle Lage zu bewerten und Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit zu empfehlen.

Eine anhaltende Schwerpunktlegung auf Tuberkulose, sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung, ist ein wesentlicher Bestandteil von Strategien zur Bekämpfung der Krankheit. Andere wichtige Elemente sind: eine frühzeitige Diagnose; eine wirksame ärztliche Behandlung mit Überwachung, Erfolgskontrolle und Berichterstattung auf der Grundlage international empfohlener Indikatoren; eine vollständige und wirksame Rückverfolgung von Kontakten; und berufliche Weiterbildung und Forschung für medizinisches Personal.

Die Ergebnisse des Teams werden in die von der grönländischen Regierung ausgearbeitete Tuberkulosestrategie 2012–2016 einfließen.

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Tuberkulose

Tuberkulose ist eine infektiöse bakterielle Erkrankung, die hauptsächlich durch das Mycobacterium tuberculosis verursacht wird und meist die Lunge befällt. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion aus Hals und Lunge von an aktiver Tuberkulose erkrankten Personen.

Bei gesunden Personen führt eine Infektion mit M. tuberculosis oft nicht zu Krankheitssymptomen, da ihr Immunsystem die Bakterien abblockt. Die Symptome einer aktiven Lungentuberkulose sind Husten, manchmal mit Auswurf oder Blut, sowie Schmerzen in der Brust, Schwächegefühl, Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiß. Tuberkulose lässt sich in den meisten Fällen mit einer sechs Monate dauernden Antibiotikaeinnahme behandeln.