Welt-Tuberkulose-Tag: Niemanden zurücklassen

Die Europäsiche Region der WHO begeht den Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März 2017 wie die ganze Welt unter dem Motto: Gemeinsam Tuberkulose beenden: niemanden zurücklassen. In diesem Jahr legt die Region dabei besonderes Gewicht auf die Problematik der Koinfektion von Menschen mit Tuberkulose (Tb) und HIV. Aufdeckung und Behandlung der Tuberkulose werden oft durch Stigmatisierung und Marginalisierung der Betroffenen behindert.

Im Vorfeld des Welt-Tuberkulose-Tages hatten das Regionalbüro und das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten bereits einen neuen Bericht aus der Tuberkulose-Überwachung und Beobachtung veröffentlicht. Demzufolge ging sowohl die Zahl der neu gemeldeten Fälle von Tuberkulose als auch die Zahl der Todesfälle in den 53 Ländern der Region zwischen 2011 und 2015 um 4,3% bzw. 8,5% zurück.

Allerdings haben Menschen mit HIV, die anfälliger für eine Tb-Infektion sind, von diesem Trend nicht profitieren können. Im Zeitraum 2011–2015 nahm die Zahl der Tb/HIV-Koinfektionen in der Region um 40% zu. Auch die Zahl der gemeldeten HIV-Infektionen stieg 2015 um 153 000 neue Fälle oder 7% gegenüber dem Vorjahr. Tests für alle Menschen mit Tuberkulose auf HIV und für alle mit HIV auf Tuberkulose sowie schnell einsetzende Behandlung könnten diesen Negativtrend umkehren.

Bessere Aufdeckung für bessere Behandlung der Tuberkulose

Rechtzeitige und genaue Labordiagnosen sind für die Aufdeckung von Tuberkulose und ihrer multiresistenten Formen (MDR-Tb) und eine angemessene Behandlung von entscheidender Bedeutung. MDR-Tb kann nur durch Labortests nachgewiesen werden. Die Zahl der neuen Fälle von MDR-Tb in der Region wird für 2015 mit 74 000 veranschlagt, was weltweit die höchste Rate bedeutet. Für eine Bewältigung der Herausforderung MDR-Tb ist eine frühzeitige Diagnose in Risikogruppen, hierunter Menschen mit HIV, Gefängnisinsassen und Migranten von entscheidender Bedeutung.

Durch neue Molekulartechnologien können Tb und MDR-Tb statt in Monaten in nur wenigen Stunden nachgewiesen werden, so dass nun enorme Fortschritte in der Gewährleistung frühen Therapiebeginns sowie die Verringerung und Bekämpfung der Weiterübertragung möglich sind. Die Europäische Tuberkuloselabor-Initiative, deren Sekretariat das Regionalbüro stellt, hat hierzu einen Algorithmus entwickelt, mit dem der Bedarf an rechtzeitiger und genauer Aufdeckung von Tb und MDR-Tb besser festgestellt werden kann und so eine optimale Nutzung der von der WHO empfohlenen Diagnoseinstrumente möglich wird.

Tuberkulose bis 2030 besiegen

Das Thema des Welt-Tuberkulose-Tags liegt auf einer Linie mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die das Prinzip verkörpert, niemanden zurückzulassen und die Welt so umzugestalten, dass alle Menschen besser leben. Die Zielvorgabe 3.3 aus den Zielen für nachhaltige Entwicklung bezweckt, neben anderen Krankheiten, die  Aids- und Tb-Epidemien zu besiegen. Um das zu erreichen, müssen auch die gesundheitlichen Bedürfnisse benachteiligter und marginaliserter Menschen außerhalb der Reichweite der Gesundheitssysteme erfüllt werden.

Das Regionalbüro und die Länder der Region sind bestrebt, der Tuberkulose bis 2030 auch mit Hilfe des Aktionsplans Tuberkulose für die Europäische Region der WHO (2016–2020) ein Ende zu setzen. Dafür sollen bis 2020 drei Ziele in der Region erreicht werden:

  • Senkung der Zahl der Todesfälle infolge von Tuberkulose um 35%;
  • Senkung der Inzidenzrate der Tuberkulose um 25%;
  • eine Behandlungserfolgsrate in der Kohorte der MDR-Tb-Patienten von 75%.

Die Umsetzung des neuen Aktionsplans könnte nach Schätzungen 3,1 Mio. Menschenleben retten, 1,4 Mio. Patienten heilen und 1,7 Mio. neue Krankheitsfälle (alle Formen der Tuberkulose) vermeiden.