Neuer Bericht der WHO liefert Blaupause für Bereitstellung einer bedarfsorientierten Versorgung von Tuberkulosepatienten

Das WHO-Regionalbüro für Europa hat in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen eine Blaupause für eine bedarfsorientierte Versorgung von Tuberkulosepatienten erstellt, die näher an die Patienten und ihr Wohnumfeld gerückt wird. Dies macht eine allmähliche Umstellung auf eine ambulante Behandlung und Versorgung, die Stärkung von Angeboten, die die primäre Gesundheitsversorgung einbeziehen, sowie eine verbesserte Einbindung der Versorgung innerhalb der Gesundheitssysteme unabhängig von Anbieter, Ebene und Umfeldern erforderlich.

Das vorgeschlagene Modell zielt darauf ab, die Bereitstellung der oftmals veralteten Tuberkuloseversorgung grundlegend umzugestalten und ihre Patientenfreundlichkeit zu erhöhen. Konkret wird empfohlen, dass die Anbieter von Gesundheits- und Sozialleistungen Versorgungsoptionen in Zusammenarbeit mit den Personen planen und entwickeln, die sie benötigen und nutzen. Ferner werden auch eine Verbesserung der für die Leistungen maßgeblichen finanziellen Modalitäten und die Ausbildung tauglicher Gesundheitsfachkräfte angestrebt.

Die vorliegende erste Ausgabe der Blaupause soll den Ländern und Partnerorganisationen als Orientierungshilfe bei der Einführung und Aufrechterhaltung einer wirksamen und effizienten Leistungserbringung für die Prävention der Tuberkulose und die Versorgung der betroffenen Patienten dienen.

Länder bauen einen auf der primären Gesundheitsversorgung gestützten Ansatz für die Bewältigung der Tuberkulose aus

Gegenwärtig befinden sich die Länder Osteuropas und Zentralasiens in einem Übergangsprozess von einer stationären Versorgung hin zu einer primären Gesundheitsversorgung, die in zunehmendem Maße wichtige Aufgaben bei der Prävention, Entdeckung und Bewältigung der Tuberkulose und anderer übertragbarer Krankheiten übernimmt.

Um einen reibungslosen Übergang zu erreichen, müssen die Länder eine Reihe von Hindernissen überwinden; dazu gehören ineffiziente Zahlungsverfahren für Tuberkuloseleistungen, eine unzureichende Unterstützung des Gesundheitspersonals, fehlende Kapazitäten und eine ungleiche Verteilung von Gesundheitsfachkräften, das Fehlen moderner Gesundheitstechnologien und ein mangelhafter Zugang zu hochwertigen Medikamenten.

Die Blaupause enthält maßgeschneiderte Grundsatzoptionen für die Unterstützung der Länder bei der Neugestaltung ihrer bestehenden Versorgungsmodelle mit den Patienten im Mittelpunkt.

Tuberkulose – ein Anliegen im Bereich der öffentlichen Gesundheit

Tuberkulose, und insbesondere ihre multiresistenten und extensiv resistenten Formen, stellen in den Ländern der Europäischen Region der WHO eine erhebliche Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. Von den weltweit 30 Hochprävalenzländern der multiresistenten Tuberkulose gehören neun der Europäischen Region an. Die neuesten Surveillance-Daten deuten auch darauf hin, dass im Jahr 2015 etwa ein Fünftel aller Fälle von multiresistenter Tuberkulose weltweit auf die Europäische Region entfielen.

In zahlreichen Ländern kann die multiresistente Tuberkulose ein Indikator für ein partielles Versagen des Gesundheitssystems sein. Die Krankheit bringt teilweise eine veraltete und übermäßige Krankenhausversorgung, Verzögerungen bei der Behandlung, unnötig lange Krankenhausaufenthalte, Probleme beim Zugang zu hochwertigen Medikamenten und eine unzureichende Patientenbetreuung ans Licht.