Tagung auf hoher Ebene zur Beendigung der Tuberkulose endet mit bahnbrechender Selbstverpflichtung von Organisationen der Vereinten Nationen zur Beendigung der Epidemien von HIV, Tuberkulose und Virushepatitis in Europa

Rahma Soliman / IOM 2018

In einer bisher beispiellosen Initiative wollen 14 Organisationen der Vereinten Nationen gemeinsam die Epidemien von HIV, Tuberkulose und Virushepatitis, den tödlichsten übertragbaren Krankheiten in der Europäischen Region, beenden. Diese Entschlossenheit wurde mit der Veröffentlichung des ersten Gemeinsamen Positionspapiers der Vereinten Nationen zur Beendigung von HIV, Tuberkulose und Virushepatitis durch ressortübergreifende Zusammenarbeit in der Europäischen Region der WHO unter Beweis gestellt.

Sie erfolgte am 27. September 2018 in New York im Rahmen einer Nebenveranstaltung am Rande der Tagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen auf hoher Ebene zur Beendigung der Tuberkulose. Das Thema der Veranstaltung lautete „Gemeinsam für die Beendigung der Tuberkulose: eine dringend erforderliche globale Antwort auf eine globale Epidemie“.

„Die heutige Veranstaltung ist ein Meilenstein im Bereich der öffentlichen Gesundheit: Zum ersten Mal tun sich 14 in der Europäischen Region tätige Organisationen der Vereinten Nationen zusammen, um gezielt auf gesundheitliche Resultate hinzuarbeiten und gemeinsam eine Beendigung der Epidemien von HIV, Tuberkulose und Virushepatitis herbeizuführen, die immer noch in der Europäischen Region wüten“, erklärt Dr. Nedret Emiroglu, Direktorin für Programm-Management beim WHO-Regionalbüro für Europa.

„Da diese Epidemien in hohem Maße von Faktoren wie Bevölkerungsbewegungen, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Mangelernährung, Menschenrechtsverletzungen, mangelndem Zugang zu Bildung, Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern sowie Stigmatisierung und Diskriminierung beeinflusst werden, muss das System der Vereinten Nationen als Einheit handeln, um die Länder zu unterstützen und so Menschenleben zu retten. Damit kommen wir der Verwirklichung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ein Stück näher – und genau das wollen wir mit dieser Initiative erreichen.“

Das innerhalb der Themenbezogenen Koalition für Gesundheit und Wohlbefinden erstellte Gemeinsame Positionspapier wurde von folgenden 14 Organisationen der Vereinten Nationen unterzeichnet: Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO); Internationale Arbeitsorganisation (IAO); Internationale Organisation für Migration (IOM); Amt des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR); Gemeinsames Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS); Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP); Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE); Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA); Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen (UN-Habitat); Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF); Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC); Büro der Vereinten Nationen für Projektdienste (UNOPS); UN Women; und WHO.

Fortschritte und Rückschläge auf dem Weg zur Beendigung von HIV, Tuberkulose und Virushepatitis

Das Gemeinsame Positionspapier ist ein beispielloser Schritt, mit dem Organisationen der Vereinten Nationen ihre Anstrengungen zur Beendigung von HIV, Tuberkulose und Virushepatitis bis 2030 forcieren wollen, wie in dem Nachhaltigkeitsziel (SDG) 3 gefordert. Obwohl die Europäische Region weltweit den schnellsten Rückgang der Tuberkuloseraten verzeichnet und eine drastische Abnahme der Mutter-Kind-Übertragung von HIV erreicht hat, so bestehen doch folgende große Herausforderungen weiter:

  • Europa weist von allen Regionen der WHO die höchsten Raten an multiresistenter Tuberkulose auf.
  • Die Zahl der Tuberkulose-HIV-Koinfektionen hat sich in den letzten fünf Jahren um bis zu 40% erhöht.
  • Im östlichen Teil der Europäischen Region breitet sich die HIV-Epidemie schneller aus als in allen anderen Teilen der Welt.
  • Nur 3% der 15 Mio. Menschen in der Europäischen Region, die mit Hepatitis C leben, werden behandelt.
  • Die Reformen hin zu leistungsfähigeren und bürgernäheren Gesundheitssystemen gehen nur langsam voran.

Im Dienste der Armen und Gefährdeten

In dem Gemeinsamen Positionspapier heißt es: „Einkommensschwache Personen und anfällige Gruppen wie Kinder, Jugendliche, Menschen mit Behinderungen, Senioren, Menschen mit HIV oder Tuberkulose, indigene Gruppen, Flüchtlinge, Binnenvertriebene und Migranten, Staatenlose und insbesondere Häftlinge, Obdachlose, Drogenkonsumenten, Frauen und Mädchen, Opfer von Menschenhandel oder von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, Prostituierte, Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten sowie Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle (LGBTI)“ gehören zu jenen, die nicht von den gesundheitlichen Verbesserungen in der Europäischen Region profitieren.

„Die anhaltenden Epidemien von Tuberkulose, HIV und Virushepatitis in unserer Region werden durch eine Vielzahl von Faktoren außerhalb des Gesundheitswesens beeinflusst, zu denen sozioökonomische und umweltbedingte Determinanten zählen,” fügt Dr. Masoud Dara, Koordinator für übertragbare Krankheiten beim WHO-Regionalbüro für Europa, hinzu. „Durch ihre unterschiedlichen Mandate sind die Partner innerhalb der Vereinten Nationen gehalten, sich mit den Hindernissen für eine nachhaltige und inklusive Entwicklung auseinanderzusetzen, die von Gesundheit und Wohlbefinden für alle beeinflusst werden und diese ihrerseits beeinflussen.“

Eine Nebenveranstaltung am Rande der Generalversammlung

Das Gemeinsame Positionspapier stand im Mittelpunkt einer Nebenveranstaltung, die vom WHO-Regionalbüro für Europa zusammen mit der IOM und der Ständigen Vertretung der Slowakischen Republik bei den Vereinten Nationen ausgerichtet wurde. Zu den Teilnehmern gehörten hochrangige Delegierte aus Ländern der Europäischen Region und Vertreter von Partnerorganisationen.

Sinn und Zweck der Veranstaltung war es, den Beweis zu erbringen, wie das Gemeinsame Positionspapier die ressortübergreifende Zusammenarbeit stärken und weitere Fortschritte bei der Beendigung von HIV, Tuberkulose und Virushepatitis sowie der Verwirklichung des SDG 3 anstoßen kann. Dies war eine einzigartige Gelegenheit, mehr über wirksame ressortübergreifende Zusammenarbeit im Bereich der sozialen, ökonomischen und umweltbedingten Determinanten von Tuberkulose, HIV und Virushepatitis zu erfahren, die im Geiste der Maxime „niemanden zurücklassen“ steht.

Die Nebenveranstaltung fand am Rande der ersten Tagung der Generalversammlung auf hoher Ebene zur Beendigung der Tuberkulose statt. Die Generalversammlung mit ihren Mitgliedstaaten und Partnerorganisationen stimmte einer politischen Erklärung zu, die das Engagement aller Beteiligten erneuern, die Verfügbarkeit von Ressourcen sicherstellen, die internationale Zusammenarbeit im Forschungsbereich stärken, die Entwicklung neuer Instrumente fördern und die Schaffung eines ressortübergreifenden Rahmens für die Rechenschaftslegung ermöglichen soll.

Die Tagung führte eine Bestandsaufnahme der Ende 2017 in Moskau von Gesundheitsministern und anderen führenden Politikern aus 120 Ländern gegebenen Zusagen im Hinblick auf eine Beschleunigung der Fortschritte bei der Beendigung der Tuberkulose durch.