Deutlicher Anstieg der Infektionen mit dem West-Nil-Virus in Süd- und Mitteleuropa

2018 ist die Zahl der Infektionen mit dem West-Nil-Virus im Vergleich zu den vier Vorjahren deutlich gestiegen. Dies ist im Wesentlichen auf den frühzeitigen Beginn der Übertragungssaison in der Europäischen Region der WHO in diesem Jahr zurückzuführen, die normalerweise von Juli bis Oktober dauert. Die diesjährige Saison ist gekennzeichnet durch hohe Temperaturen und längere Niederschlagsphasen, gefolgt von Trockenheit. Derartige Wetterbedingungen begünstigen die Brut- und Ausbreitungsbedingungen für Mücken.

Den Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zufolge wurden in diesem Jahr aus den Ländern der Europäischen Region insgesamt bereits 401 autochthone humane Infektionen mit dem West-Nil-Virus gemeldet (Stand 16. August), darunter 22 Todesfälle. Zu den am stärksten betroffenen Ländern zählen Serbien (126 Fälle), Italien (123), Griechenland (75), Ungarn (39) und Rumänien (31). Auch in der Vergangenheit waren diese Länder vom West-Nil-Virus betroffen.

Wer ist gefährdet?

Infektionsgefährdet sind sowohl Bewohner der vom West-Nil-Virus betroffenen Gebiete als auch Menschen, die diese Gebiete bereisen. Nur 20% der infizierten Personen zeigen Symptome des West-Nil-Virus. Bestimmte Bevölkerungsgruppen (z. B. ältere Menschen, Schwangere, Personen mit geschwächtem Immunsystem) haben ein höheres Risiko, eine neuroinvasive Form der Krankheit zu entwickeln.

Aufgrund der günstigen Wetterbedingungen in dieser Saison kann sich das Virus in neuen Gebieten ausbreiten und dort neue Bevölkerungsgruppen treffen, die dem Virus noch nie zuvor ausgesetzt waren. In diesen Gebieten könnte die frühzeitige Entdeckung von Krankheitsfällen durch ein geringes allgemeines Bewusstsein für das West-Nil-Virus sowohl in der Bevölkerung als auch bei dem mit Human- und Tiermedizin befassten Gesundheitspersonal beeinträchtigt werden.

Schützen Sie sich mit den „4 Ds“

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keinen Humanimpfstoff gegen das West-Nil-Virus. Um eine Infektion zu verhindern, sollte die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten die „4 Ds“ der West-Nil-Virus-Prävention beachten:

  1. Dusk (Abenddämmerung) – Die meisten Stechmückenarten sind nachtaktiv. Daher werden Menschen am häufigsten bei Eintritt der Dämmerung gestochen. Vermeiden Sie zu dieser Tageszeit Aktivitäten im Freien.
  2. Dress (Kleidung) – Tragen Sie helle, langärmlige Hemden und lange Hosen.
  3. DEET – Verwenden Sie Insektenschutzmittel mit DEET (Diethyltoluamid). Halten Sie sich dabei strikt an die Hinweise auf der Verpackung.
  4. Drainage (Trockenlegung) – Stellen Sie sicher, dass potenzielle Mückenbrutstätten (Blumentöpfe, Wasserschalen, Vogeltränken und Planschbecken) trocken gelegt werden, damit sie von Mücken nicht als Brutstätten verwendet werden.

Darüber hinaus wird empfohlen, beim Umgang mit kranken Tieren und deren Gewebe sowie beim Schlachten und Keulen Handschuhe und andere Schutzkleidung zu tragen.

Über das West-Nil-Virus

Das West-Nil-Virus wird durch den Stich einer infizierten Mücke, insbesondere der Gattung Culex, auf den Menschen übertragen. Auch durch eine Bluttransfusion oder eine Organ-, Gewebe- oder Zelltransplantation kann es zu einer Infektion kommen. Neben dem Menschen kann das West-Nil-Virus auch bei Pferden und Eseln schwere Erkrankungen und Tod verursachen. Vögel sind die natürlichen Wirtstiere des Virus.

Auch wenn 80% der infizierten Personen keine Symptome zeigen, entwickelt sich das Virus in 20% der Fälle zum West-Nil-Fieber – einer fieberhaften, grippeähnlichen Erkrankung, die von einem abrupten Ausbruch von mäßigem bis hohem Fieber in Verbindung mit Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen, Erschöpfung, Übelkeit und Durchfall gekennzeichnet ist.

Für das West-Nil-Fieber beim Menschen gibt es keine spezielle Behandlung, sondern lediglich eine symptomatische Therapie. Diese umfasst in vielen Fällen einen Krankenhausaufenthalt, intravenöse Flüssigkeitszufuhr und Atmungsunterstützung. Die Genesung verläuft bei Kindern schneller als bei Erwachsenen und ist normalerweise vollständig möglich, geht aber in vielen Fällen mit langfristigen Muskelschmerzen und Schwäche einher.

Weniger als 1% der infizierten Personen entwickeln schwerwiegende Symptome wie Meningitis oder Enzephalitis. Von den Menschen, die eine neuroinvasive Form der Krankheit entwickeln, sterben 4% bis 14%.

Seit der erstmaligen Beschreibung einer Infektion mit dem West-Nil-Virus beim Menschen in Europa in den 1950er Jahren wurden in der Europäischen Region zahlreiche Ausbrüche gemeldet. Der bislang schwerste Ausbruch des West-Nil-Virus in der Region ereignete sich in den Jahren 1996 und 1997 in Rumänien.

Gesundheitshinweise und Unterstützung durch die WHO

Die WHO bemüht sich zusammen mit den Ländern um eine Verringerung der mit dem West-Nil-Virus und anderen vektorbedingten Infektionskrankheiten verbundenen Risiken. Sie unterstützt die Länder bei der Bereitstellung von Gesundheitshinweisen für gefährdete Personen, bei der Umsetzung von Aktivitäten zur Prävention, epidemiologischen Überwachung und Bekämpfung sowie beim wirksamen Umgang mit Krankheitsfällen und Ausbrüchen.

Die Umsetzung des Europäischen Handlungsrahmens für die epidemiologische Überwachung und Bekämpfung invasiver Stechmückenarten und wieder auftretender Vektorkrankheiten (2014–2020) ist ein Thema auf der Tagesordnung der 68. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa vom 17. bis 20. September 2018 in Rom.