Anhebung der Alkoholsteuer und der Mehrwertsteuer

Die Europäische Region der WHO ist Spitzenreiter im weltweiten Alkoholkonsum. Ab einem Alter von 15 Jahren betrinkt sich jeder fünfte Einwohner der Region mindestens einmal wöchentlich (fünf oder mehr alkoholische Getränke pro Anlass). Weil die Abgaben und Steuern in vielen Ländern der Europäischen Union seit Mitte der 1990er Jahre gefallen sind, wurden alkoholische Getränke erschwinglicher.

Dabei ist die Preisgestaltung das von den Regierungen am häufigsten verwendete Konzept zur Beeinflussung des Alkoholkonsums. Im Vergleich zu anderen Konzepten wie Aufklärung, Vermarktung und Verbot von Alkohol am Steuer ist hierfür die Wirksamkeit wahrscheinlich am besten belegt. Doch wird es historisch eher zur Einnahmesteigerung für die öffentliche Hand, denn zur Verbesserung der sozialen und gesundheitlichen Lage der Bevölkerung eingesetzt.  Im Europäischen Aktionsplan zur Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums (2012–2020) wurde anerkannt, dass eine Erhöhung der Alkoholpreise zu einer Absenkung des Konsums und umgekehrt führt.

Mindestpreise pro Getränk (Serviereinheit Alkohol) hat sich für den Abbau des Alkoholkonsums als wirksam erwiesen, insbesondere unter jungen Menschen und unter Konsumenten großer Mengen, die andernfalls auf billigere Alternativen ausweichen.

Die Verteuerung von Alkohol wirkt sich insbesondere deswegen so stark auf das Trinkverhalten junger Menschen aus, weil diese generell sowohl eher preisbewusst trinken als auch über ein geringeres Einkommen verfügen.  Daher trinken junge Menschen bei höheren Preisen nicht nur weniger Alkohol, sondern sie beginnen auch später mit dem Alkoholkonsum und entwickeln langsamer ein Rauschkonsumverhalten.

Mindestpreise pro Getränk: Erfahrungen aus Schottland und Kanada

Im Rahmen der neuen schottischen Alkoholstrategie wurden 2009 per Gesetz Mindestpreise pro Getränk eingeführt. Diese politisch anfangs unpopuläre Maßnahme hat ihre Wirksamkeit mittlerweise erwiesen. Aus Kanada liegen Untersuchungen vor, wonach eine Anhebung der Mindestpreise um 10% zu einem Rückgang des Alkoholkonsums um 3,4% führten.