Sensibilisierung für die Beziehung zwischen Alkohol und Krebs

WHO/Malin Bring

Europa weist von allen Regionen der WHO den höchsten Alkoholkonsum auf. Doch das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Alkoholkonsum und einem erhöhten Krebsrisiko ist nach wie vor nur schwach ausgeprägt. Der Weltkrebstag am 4. Februar 2018 bietet eine Gelegenheit, nochmals die wichtige Botschaft zu unterstreichen, dass Alkoholkonsum mit einem erhöhtem Krebsrisiko verbunden ist, und zur Einführung wirksamer Maßnahmen zur Reduzierung des Alkoholkonsums insgesamt aufzurufen.

Nachweislicher Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und sieben Krebsarten

Alkoholkonsum kann nachweislich mindestens sieben Krebsarten verursachen, und zwar:

  • Darmkrebs (kolorektale Karzinome)
  • Brustkrebs
  • Speiseröhrenkrebs
  • Kehlkopfkrebs
  • Leberkrebs
  • Mundhöhlenkrebs
  • Kopf-Hals-Karzinom

Die wichtigste krebserregende Komponente des Alkohols ist Ethanol, das in jeder Art von alkoholischem Getränk enthalten ist. Ethanol schädigt Zellen auf eine Art und Weise, die sie anfälliger für maligne Tumoren macht. Es hat auch Auswirkungen auf weibliche Hormone, stimuliert die Zellproliferation und erhöht das Brustkrebsrisiko. In Verbindung mit Rauchen verursacht Alkoholkonsum eine um ein Vielfaches höhere Schädigung von Gewebe, sodass sich das Krebsrisiko weiter erhöht.

Weniger Alkohol, weniger Risiko

Die Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Alkoholkonsum und Krebs liegt klar auf der Hand: je höher der Alkoholkonsum, desto höher das Krebsrisiko. Beispiel: Wenn eine Frau vier Gläser Wein pro Tag trinkt, erhöht sich ihr Brustkrebsrisiko um 50%, bei acht Gläsern pro Tag um 130%. Es gibt keine nachweisliche Unbedenklichkeitsgrenze, sodass sogar kleine Mengen an Alkohol schon das Krebsrisiko erhöhen.

Doch die Dosis-Wirkungs-Beziehung gilt auch umgekehrt: Jede Reduzierung des Alkoholkonsums verringert auch das Risiko einer Erkrankung an mit Alkohol verbundenen Krebsarten.

Zusammenhang oft übersehen

In einer 2016 im British Medical Journal veröffentlichten Studie aus dem Vereinigten Königreich nannten nur 13% der Befragten ohne konkrete Nachfrage Krebs als eine mögliche gesundheitliche Folge von Alkoholkonsum. Die Beziehung zwischen Alkoholkonsum und bestimmten Krebsarten war bei Brustkrebs nur 18% und bei Leberkrebs 80% der Befragten bekannt, was das mangelnde Wissen in der Allgemeinbevölkerung verdeutlicht. Doch Krebs ist für 12% aller alkoholbedingten Todesfälle in der Europäischen Region verantwortlich.

Wirksame Maßnahmen und Konzepte erforderlich

Zur Verringerung der Schäden aufgrund von Alkoholkonsum und zur Verbesserung der Bevölkerungsgesundheit gibt es eine Reihe wirksamer Maßnahmen und Konzepte. Im Europäischen Aktionsplan zur Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums (2012–2020) wird ein breites Spektrum evidenzbasierter Handlungsoptionen genannt.

Zu den kosteneffektivsten Optionen (sog. „Best buys“) gehören:

  • eine Preiserhöhung durch höhere Steuern;
  • eine Beschränkung des Zugangs zu Alkohol im Einzelhandel;
  • die Verhängung eines Werbeverbots für Alkoholprodukte.

Eine andere, im Hinblick auf die Verstärkung von Gegenmaßnahmen der Gesundheitssysteme wichtige Handlungsoption ist die Einführung von Kurzinterventionsprogrammen im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung für Personen mit gefährlichem oder schädlichem Alkoholkonsum. Screenings und Kurzinterventionen (sog. „SBI“) in Bezug auf Alkoholkonsum sind ein evidenzgeleiteter Ansatz zur Erfüllung der Bedürfnisse vieler Patienten in der primären Gesundheitsversorgung, die von einer Reduzierung ihres Alkoholkonsums profitieren würden. 2017 veröffentlichte das WHO-Regionalbüro für Europa ein Schulungshandbuch für SBI, das Gesundheitsfachkräften ausreichende Fähigkeiten für die Unterstützung von Patienten bei der Änderung ihres Trinkverhaltens vermitteln soll.