Untersuchungen zeigen, dass höhere Alkoholsteuern zur Eindämmung des Alkoholkonsums beitragen können

WHO/Marina Bykova

„Steuererhöhungen sind vielleicht nicht die attraktivste Handlungsoption, doch sie sind die mit Abstand kosteneffektivste Methode, um Nachfrage und Verbrauch einzudämmen“, sagt Dr. Daniel Chisholm, Programmleiter in der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf beim WHO-Regionalbüro für Europa und Ko-Autor einer neuen Studie über Handlungskonzepte zur Bekämpfung des Alkoholkonsums.

Die von der WHO und einem ihrer Kooperationszentren mit Sitz in Kanada durchgeführte Studie wurde im Juli 2018 im Journal of Studies on Alcohol and Drugs veröffentlicht. Sie untersucht die Kostenwirksamkeit einer Reihe von Strategien zur Bekämpfung des Alkoholkonsums.

Auf Grundlage von Daten aus 16 Ländern bewertet die Studie die Kosten und gesundheitlichen Auswirkungen verschiedener Handlungsoptionen, um die aussichtsreichsten Optionen („best buys“) für die Eindämmung schädlichen Alkoholkonsums zu ermitteln und dadurch die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern.

Frühere Forschungserkenntnisse deuten darauf hin, dass mehr als 5% der Todesfälle weltweit und über 4% der globalen Krankheitslast direkt auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Die Studie zeigt, dass die Erhöhung der Verbrauchssteuern auf Alkoholprodukte um 50% die kosteneffektivste Option darstellt, um schädlichen Alkoholkonsum einzudämmen.

Diese Maßnahme ist wirksamer als alternative Optionen der gleichen Preiskategorie, wie etwa die Einschränkung der Verkaufszeiten und Werbebeschränkungen, und erheblich preiswerter als andere geprüfte Handlungskonzepte. Tatsächlich wäre sie für jedes gewonnene gesunde Lebensjahr deutlich günstiger als der Gegenwert von 100 US-$.

Ein geringes Bewusstsein für die mit Alkoholkonsum verbundenen Gesundheitsrisiken und eine verstärkte Lobbyarbeit der Industrie führen jedoch oftmals zu geringen Verbrauchssteuern, warnt Dr. Chisholm.

Auch die Einschränkung der Verkaufszeiten und Werbebeschränkungen für Alkoholprodukte haben sich als kosteneffektive Maßnahmen erwiesen. Beide Maßnahmen kosten jeweils weniger als 100 US-$ pro gewonnenes gesundes Lebensjahr in der Gesamtbevölkerung.

Da die Studie sich nicht mit anderen Auswirkungen befasst, wie etwa verbesserte Arbeitsproduktivität, wurden die positiven Effekte der vorgeschlagenen Handlungskonzepte möglicherweise unterschätzt.

„Man geht davon aus, dass diese neuen Erkenntnisse in einen neuen Grundsatzdialog auf nationaler Ebene einfließen und Entscheidungsträgern als Leitfaden bei der Umsetzung und Durchsetzung verstärkter Maßnahmen dienen werden, um die mit Alkoholkonsum verbundenen Schäden zu bekämpfen“, sagt Dr. Carina Ferreira-Borges, Programmleiterin für Alkohol und illegale Drogen beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Die Untersuchung ist Teil der jüngsten Aktualisierung des Globalen Aktionsplans der WHO zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten (2013–2020).“