Neue Studie bestätigt: Es gibt keinen unbedenklichen Alkoholkonsum

WHO/Malin Bring

Das internationale medizinische Fachjournal The Lancet hat eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass jede noch so geringe Menge Alkohol zu einem Verlust an gesunden Lebensjahren führt.

„Die Ergebnisse bestätigen, dass Alkoholkonsum ein wesentlicher vermeidbarer Risikofaktor für nichtübertragbare Krankheiten wie Leberzirrhose, bestimmte Krebsarten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie für Verletzungen aufgrund von Gewalt und Verkehrsunfällen ist“, erklärte Dr. Carina Ferreira-Borges, Leiterin des Programms für Alkohol und illegale Drogen beim Europäischen Büro der WHO für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten.

Sie fügte hinzu: „Er wird auch mit mehreren Infektionskrankheiten assoziiert, wie von der WHO in verschiedenen Berichten über Alkoholkonsum thematisiert wird. Die Studie in The Lancet bestätigt die Notwendigkeit, die von der WHO empfohlenen kosteneffektiven Interventionen zu entwickeln, umzusetzen und zu evaluieren, beispielsweise die drei vielversprechendsten Konzepte, die auf die Einschränkung der Verfügbarkeit von und der Werbung für Alkohol sowie die Erhöhung der Alkoholpreise setzen.“

In der Studie wurden die durch Alkoholkonsum bedingten Folgen und Muster zwischen 1990 und 2016 für insgesamt 195 Länder und Gebiete im Rahmen der jährlich durchgeführten Studie zur globalen Krankheitslast bewertet. Dabei ergab sich, dass 2016 weltweit fast 3 Mio. Todesfälle auf Alkoholkonsum zurückzuführen waren, darunter 12% bei Männern in der Altersgruppe von 15 bis 49 Jahren.

„Alkoholkonsum ist mit ungeheuren gesundheitlichen Risiken verbunden“, erklärte Dr. Emmanuela Gakidou vom Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) der Universität Washington (USA), die federführende Autorin der Studie. „Unsere Ergebnisse stimmen mit den neuesten Forschungsergebnissen überein, die auf eine klare und überzeugende Korrelation zwischen Alkoholkonsum und vorzeitiger Mortalität, Krebs und Herz-Kreislauf-Problemen hindeuten. Bei einem vollständigen Verzicht auf Alkohol minimiert sich das Gesamtrisiko für Gesundheitsschäden.“

Die Studie lieferte Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Trinkgewohnheiten und 23 gesundheitlichen Resultaten, darunter:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen und andere nichtübertragbare Krankheiten;
  • übertragbare Krankheiten;
  • absichtliche Verletzungen;
  • unbeabsichtigte Verletzungen; und
  • verkehrsbedingte Verletzungen.

„Wir wissen jetzt, dass Alkohol heutzutage weltweit eine der Haupttodesursachen ist“, erklärte der Lancet-Redakteur Richard Horton in einer gemeinsam von IHME und The Lancet herausgegebenen Pressemitteilung. „Wir müssen jetzt handeln. Wir müssen dringend handeln, um Millionen Todesfälle zu verhindern. Und dazu wären wir in der Lage.“

Die wichtigsten Fakten aus der Europäischen Region der WHO

  • Die Europäische Region der WHO weist weltweit den höchsten alkoholbedingten Anteil an Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen auf.
  • Dieses hohe Maß an Schäden verschleiert immense alkoholbedingte Ungleichheiten im Gesundheitsbereich zwischen osteuropäischen und westeuropäischen Ländern, insbesondere in Bezug auf tödliche Verletzungen.
  • Der Gesamtalkoholverbrauch pro Person eines Landes steht in engem Zusammenhang mit der Prävalenz von alkoholbedingten Schäden und Alkoholsucht im jeweiligen Land.
  • Sowohl der lebenslange Alkoholkonsum als auch eine Kombination aus der Häufigkeit und der Menge des Alkoholkonsums pro Anlass erhöhen das Risiko für gesundheitliche und soziale Schäden, überwiegend in Abhängigkeit von der konsumierten Dosis.
  • Es wurde festgestellt, dass sich das Sterberisiko aufgrund einer chronischen, alkoholbedingten Erkrankung linear von einem vollständigen Verzicht in Abhängigkeit von der Dosis mit der konsumierten Menge erhöht.
  • Auf der gesellschaftlichen Ebene ist die Europäische Union der Spitzenreiter beim weltweiten Alkoholkonsum. Ab einem Alter von 15 Jahren trinkt sich jeder fünfte Europäer eigenen Angaben zufolge mindestens einmal wöchentlich einen Rausch an (fünf oder mehr alkoholische Getränke bzw. 60 Gramm Alkohol pro Anlass). Wiederholtes Rauschtrinken ist in der gesamten Europäischen Region in allen Altersstufen weit verbreitet – nicht nur unter jungen Menschen oder in Nordeuropa.