Neuer Bericht: Antibiotikaresistenz ist eine globale Gesundheitsgefahr

Der neue, heute präsentierte Bericht der WHO mit dem Titel „Antimikrobielle Resistenz: Globaler Bericht über Surveillance-Maßnahmen“ enthält die bisher weltweit umfassendste Darstellung zum Thema Antibiotikaresistenz, die auf Daten aus 114 Ländern basiert. Die Ergebnisse belegen, dass in allen WHO-Regionen Resistenzen gegen Antibiotika auftreten, namentlich gegen sog. Reserve-Antibiotika. Sie zeigen auch die Defizite in den Surveillance-Systemen auf und verdeutlichen die Notwendigkeit eines standardisierten Ansatzes für die Verfolgung und Beobachtung dieses Phänomens.

Antibiotika sind Medikamente, die zur Behandlung von bakteriellen Infektionen wie Tuberkulose, Blutinfektionen und Lungenentzündung eingesetzt werden. Sie töten die Bakterien oder hindern sie an der Ausbreitung. Antibiotikaresistenzen entstehen, wenn Bakterien sich zum Schutz vor Antibiotika verändern.

Ergebnisse in der Europäischen Region der WHO

Aus dem Bericht geht eine in allen Teilen der Region weite Verbreitung von Resistenzen gegenüber Cephalosporinen der dritten Generation bei Klebsiella pneumoniae hervor. Diese Cephalosporine werden oft als Alternative zu Penicillin für die Behandlung von Lungenentzündungen, Halsentzündungen durch Streptokokken, Staphylokokkeninfektionen, Tonsillitis, Bronchitis und Gonorrhö eingesetzt.

In manchen Bereichen weisen bis zu 60% der Infektionen mit „Staphylococcus aureus“ (die meist Hautinfektionen und Atemwegserkrankungen hervorrufen) Resistenzen gegen Methicillin auf, sodass hier die Behandlung mit den gängigen Antibiotika nicht wirkt.

In dem Bericht wird auch darauf hingewiesen, dass zwar die meisten Länder der Europäischen Union über gut funktionierende nationale und grenzüberschreitend operierende Systeme zur Verfolgung von Antibiotikaresistenzen verfügen, dass aber die Länder in anderen Teilen der Europäischen Region der WHO solche Surveillance-Systeme dringend auf- bzw. ausbauen müssen.

Aktivitäten in der Europäischen Region der WHO

Das WHO-Regionalbüro für Europa und seine Partnerorganisationen unterstützen die Länder außerhalb der EU durch das neu eingerichtete Surveillance-Netzwerk für antimikrobielle Resistenzen in Zentralasien und Osteuropa (CAESAR). Die Zielsetzung besteht darin, ein Netzwerk nationaler Surveillance-Systeme zur Überwachung von Antibiotikaresistenzen in allen Ländern der Europäischen Region einzurichten und eine standardisierte Datenerhebung einzuführen, die vergleichbare Informationen liefert.

Dies ist eine der Maßnahmen zur Umsetzung des 2011 von den Mitgliedstaaten in der Europäischen Region angenommenen Strategischen Aktionsplans zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen. Er umfasst folgende sieben Handlungsfelder:

  • Stärkung der sektorübergreifenden Koordination auf nationaler  Ebene;
  • Stärkung der Surveillance antimikrobieller Resistenzen;
  • Stärkung der Surveillance und Förderung der Aufsichtsfunktion in Bezug auf den Einsatz antimikrobieller Mittel;
  • Stärkung der Surveillance von Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe und ihres Einsatzes in der Tiermast;
  • Stärkung der Infektionsbekämpfung und der Aufsichtsfunktion über antimikrobielle Resistenzen in Gesundheitseinrichtungen;
  • Förderung von Forschung und Innovation in Bezug auf neue Arzneimittel und Technologien;
  • Gewährleistung der Patientensicherheit und Schärfung des Bewusstseins für den Antibiotikagebrauch und antimikrobielle Resistenzen.