Neuer Bericht der WHO deutet auf vergleichbares Niveau der Antibiotikaresistenz in den Mitgliedstaaten der Europäischen Region inner- und außerhalb der EU hin

WHO/Saskia Nahrgang

In einigen Ländern der Europäischen Region der WHO sind Antibiotika immer noch ohne Rezept erhältlich.

Anlässlich der ersten Weltantibiotikawoche vom 16. bis 22. November 2015 veröffentlicht das WHO-Regionalbüro für Europa seinen ersten Bericht über Antibiotikaresistenzen in fünf Ländern der Europäischen Region der WHO, die nicht der EU angehören. Aus dem neuen Bericht geht hervor, dass das Niveau der Antibiotikaresistenz in den Mitgliedstaaten und Nichtmitgliedstaaten der EU innerhalb der Europäischen Region vergleichbar ist.

„Bisher hatten wir für die Europäische Region im Bereich der Antibiotikaresistenz nur ein unvollständiges Bild. Dadurch bestand eine erhebliche Lücke in Bezug auf Wissensstand und Handlungsbedarf. Mit diesem Bericht erhalten wir nun Informationen aus einer Reihe von Nichtmitgliedstaaten der EU, die das Bild aus den EU-Ländern ergänzen", erklärt Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa. „Dies ist ein erster Schritt zu einem umfassenderen Verständnis der Antibiotikaresistenz in der gesamten Europäischen Region, das es uns ermöglicht, jenen Ländern Orientierungshilfe zu geben, die am Aufbau bzw. an der Stärkung ihrer nationalen Surveillance-Systeme arbeiten. Wir rufen alle Länder der Europäischen Region dazu auf, sich dem Netzwerk des Regionalbüros anzuschließen und so das Bild zu vervollständigen."

„Dieser erste Bericht zum Thema Antibiotikaresistenz in fünf Ländern der Europäischen Region, die nicht der EU angehören, bietet einen elementaren Einblick in die Muster der Antibiotikaresistenzen in den Ländern östlich der EU und verdeutlicht, dass die Nachbarländer vor ähnlichen Herausforderungen stehen, insbesondere mit Blick auf die Bildung von Resistenzen gegenüber Reserveantibiotika. Antibiotikaresistenzen stellen eine weltweite Bedrohung dar. Deshalb trägt das ECDC zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation zur ersten Weltantibiotikawoche bei", erklärt Dr. Andrea Ammon, Geschäftsführende Direktorin des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). 

Unterschiedliches, aber vergleichbares Niveau der Antibiotikaresistenz

Aus dem neuesten Bericht des Netzwerks CAESAR (Surveillance antimikrobieller Resistenzen in Zentralasien und Osteuropa) geht hervor, dass Antibiotikaresistenzen in den untersuchten fünf Ländern (Belarus, Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Schweiz, Serbien und Türkei) trotz des jeweils unterschiedlichen Niveaus doch überall eine ernsthafte gesundheitliche Bedrohung darstellen.  

„Es wird immer schwieriger für die Patienten, sich vor Infektionskrankheiten zu schützen, da die Resistenz von Krankheitserregern gegenüber Antibiotika – und sogar Reserveantibiotika – ständig zunimmt. Somit werden angesichts der extrem langsamen Entwicklung neuer Antibiotika Atemwegs-, Harnwegs-, Blut- oder Hautinfektionen immer öfter unbehandelbar und damit tödlich", sagt Dr. Nedret Emiroglu, Leiterin der Abteilung Übertragbare Krankheiten, Gesundheitssicherheit und Umwelt beim WHO-Regionalbüro für Europa.

  • Das Resistenzmuster in der Schweiz ist dem der Länder Nordeuropas ähnlich, wo Resistenzen relativ wenig verbreitet sind und ein hohes Maß an Bewusstsein für die Problematik existiert. Allerdings findet sich ein relativ hohes Resistenzniveau (11%) gegenüber dem Reserveantibiotikum Carpapenem bei Bakterien vom Typ Acinetobacter, die Lungenentzündungen und Wundinfektionen verursachen. Eine Resistenz gegenüber Reserveantibiotika bedeutet, dass keine oder nur sehr wenige Alternativen bleiben, um den Patienten zu retten.
  • Die Türkei meldete ein Resistenzniveau, das in etwa dem der Länder Südosteuropas entspricht. Das relativ hohe Resistenzniveau gegenüber Carbapenemen bei Escherichia coli (4%) war das Ergebnis eines größeren Krankenhausausbruchs und einer nachfolgenden Ausbreitung im gesamten Land.
  • Belarus, Serbien und die Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien meldeten ein hohes, mit dem der jeweils benachbarten EU-Länder vergleichbares Resistenzniveau, etwa gegenüber  Acinetobacter spp. und Pseudomonas aeruginosa.

Neuer Bericht aus neuen Daten des Netzwerks CAESAR erstellt

Die von dem Netzwerk CAESAR erhobenen Daten ergänzen die Daten, die das ECDC durch das Surveillance-System der EU für antimikrobielle Resistenzen und die interaktive Datenbank für antimikrobielle Resistenzen (EARS-Net) gesammelt hat, und tragen zur Schaffung eines gesamteuropäischen Überblicks über Trends bei Antibiotikaresistenzen und deren Quellen bei. 

„Der Bericht des Netzwerks CAESAR gibt nicht nur einen Überblick über das Resistenzniveau, sondern ermutigt die Länder auch dazu, durch eine verbesserte Surveillance präzise Daten über Resistenzen bereitzustellen", ergänzt Danilo Lo Fo Wong, Leiter des Programms für Antibiotikaresistenz beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Dieses Faktenwissen ermöglicht es den Ländern, Quellen zu ermitteln und Resistenzmuster zu verfolgen, Ärzten Leitlinien für die Behandlung zu geben und in der Politik wie auch in der Allgemeinheit das nötige Bewusstsein zu schaffen."

Das Regionalbüro und die Partner im Netzwerk CAESAR, die Europäische Gesellschaft für Infektionskrankheiten und das Nationale Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt der Niederlande, streben an, das Netzwerk auf die gesamte Europäische Region auszudehnen und die Länder beim Aufbau von Kapazitäten zur Schaffung bzw. Stärkung ihrer nationalen Systeme der AMR-Surveillance zu unterstützen.