Global Health Case Challenge: Bekämpfung der Antibiotikaresistenz

Martin B. Justesen

Das WHO-Regionalbüro für Europa lieferte die Aufgabe für die diesjährige Global Health Case Challenge, eine jährlich stattfindende Veranstaltung, die von der School of Global Health an der Universität Kopenhagen zusammen mit EIT Health und SUND Innovation Hub organisiert wird. Die den beteiligten Studenten vorgelegte Aufgabe lautete: Wie lassen sich Verfügbarkeit, Akzeptanz und Inanspruchnahme von Schnelldiagnosetests wie patientennaher Labordiagnostik verbessern, um einen verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika in der primären Gesundheitsversorgung zu fördern?

Um die Teilnahme an der Case Challenge bewarben sich insgesamt 159 Studenten in 34 Teams. Die letztendlich ausgewählten 73 Studenten (15 Teams) kamen aus 26 Ländern und repräsentierten insgesamt 28 verschiedene Programme führender Universitäten aus allen Teilen der Europäischen Region.

Das Siegerteam präsentierte die Mobile-App „Acumulus“, einen auf künstlicher Intelligenz basierenden Service, der Symptome mit sog. „Big Data“ (z. B. epidemiologische und klinische Daten) vergleicht. Das Team bestand aus Studenten der Universität Kopenhagen (Johan Bundgaard, Mark Khurana und Troels Rømer), der Copenhagen Business School (Kasper Djernæs) und der Technischen Universität Dänemark/Universität Kopenhagen (Jakob Simonsen).

Siegerteams besuchen WHO-Regionalbüro für Europa in der UN City in Kopenhagen

Am 12. Dezember 2016 besuchte das Siegerteam die UN City in Kopenhagen, um Experten der WHO ihre Ideen über eine Anwendung im Bereich der antimikrobiellen Resistenz (AMR) zu präsentieren. Gleichzeitig zu Besuch war das drittplatzierte Team, das die „Bakterienblase“ präsentierte, eine kleine Ausstellung, in der die Allgemeinheit und spezielle Risikogruppen mittels virtueller Realität über AMR und patientennahe Labordiagnostik informiert werden.

Die beiden Teams haben mit der Entwicklung von Prototypen für ihre Ideen begonnen, und das Gespräch mit Experten der WHO bot ihnen eine Gelegenheit zur Erörterung der Machbarkeit und der Realisierung der Innovationen. Das WHO-Regionalbüro für Europa wurde bei dem Zusammentreffen durch Dr. Danilo Lo Fo Wong, den Leiter des Programms für AMR, und sein Team vertreten. „Ich freue mich sehr über die Chance, in diesem Jahr an der Case Challenge beteiligt zu sein, und ich möchte die Studenten zu ihren innovativen und vielversprechenden Ideen beglückwünschen – und zu ihrem Enthusiasmus, mit dem sie diese Herausforderung angenommen haben“, erklärt er. „Es wird allgemein anerkannt, dass AMR ein komplexer Themenbereich ist, der neue Denkansätze und ein breites Spektrum von Konzepten erfordert, wenn wir künftigen Generationen die Wirkung antimikrobieller Mittel erhalten wollen.“

Während des Gesprächs hatten Mitarbeiter der WHO auch die Gelegenheit, dem Siegerteam Fragen über ihre Erfahrungen mit der Case Challenge zu stellen. Hier ist ein Auszug aus ihrer Unterhaltung.

Wie haben Sie die Teilnahme an dieser Case Challenge erlebt?

„Für uns war die Case Challenge eine Chance, mit unseren individuellen wissenschaftlichen, persönlichen und intellektuellen Fähigkeiten gemeinsam ein reales und fundamental wichtiges Problem in Angriff zu nehmen. Der Zeitrahmen von 24 Stunden und die Tatsache, dass uns wichtige Türen geöffnet wurden, die eine spätere Umsetzung unserer Idee in die Praxis ermöglichen, waren für uns ein großartiger Auslöser.“

Wie fanden Sie das Thema?

„Das Thema war der Hauptgrund für unsere Teilnahme an der Case Challenge. Es gibt wahrscheinlich kein dringenderes, schwerwiegenderes und wichtigeres Thema für die moderne Medizin als AMR. Denn wenn wir nicht gemeinsam dieses Problem lösen, stehen über Jahrzehnte erreichte Fortschritte in der Chirurgie, in der Krebsbehandlung und in der primären Gesundheitsversorgung auf dem Spiel.“

DHat sich Ihr Verständnis von AMR und den damit verbundenen Herausforderungen aufgrund der Case Challenge verändert?

„Wir haben erkannt, dass es zur Lösung der AMR-Problematik kein Wundermittel gibt. Wir sehen unsere Idee als Teil einer Lösung, nicht mehr. Politik, Pharmaindustrie, nichtstaatliche Organisationen, Verbraucher, Patienten, Eltern und Unternehmen müssen sich allesamt dieser Herausforderung stellen.“

Worin besteht der spezielle Beitrag Ihrer Intervention?

„Er soll ein cloudbasiertes computergestütztes System schaffen, das es Ärzten ermöglicht, sinnvoller Tests auszuwählen, die Genauigkeit dieser Tests zu erhöhen und schließlich Infektionskrankheiten zu diagnostizieren – und damit den unsachgemäßen Gebrauch von Antibiotika, etwa für die Behandlung viraler Infektionen, eindämmen.“

Wie wollen Sie ihn in die Praxis umsetzen?

„Als Erstes müssen wir mit Ärzten aus der primären Gesundheitsversorgung über Gestaltung, Einbindung und Nutzen des Systems sprechen. Wir beraten mit Experten für Informationstechnologie und mit Mikrobiologen über die Machbarkeit der Lösungen und über das weitere Vorgehen.“

Hat Sie das Zusammentreffen mit Experten der WHO vorangebracht?

„Ja, sehr – vor allem in Bezug auf den Nutzen des Systems und besondere Problembereiche, wenn es um Finanzierung, Umsetzung und politische Fragen geht. Außerdem ist konstruktive Kritik immer entscheidend für Motivation und Fortschritte. In der Phase des Projektes, in der wir uns derzeit befinden, ist die umfassende Perspektive der Experten der WHO extrem wertvoll für uns.“