60% aller menschlichen Krankheiten sind auf Tiere zurückzuführen – der einheitliche Gesundheitsansatz ist der einzige Weg, um die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten

Video statement by Her Royal Highness Crown Princess Mary of Denmark for World Antibiotic Awareness Week (WAAW) 2018

Antibiotikaresistenz stellt eine zunehmende Bedrohung für die globale Gesundheit dar. Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr weltweit 700 000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit arzneimittelresistenten Bakterien. In der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum sterben jährlich insgesamt 33 000 Menschen – Tendenz steigend.

Über die gemeinsame Umwelt sind Tiere und Menschen den gleichen Mikroben (z. B. Bakterien, Viren, Pilzen, Parasiten) ausgesetzt und 60% aller menschlichen Krankheiten sind auf Tiere zurückzuführen. Daher kann sich eine von Mikroben entwickelte Arzneimittelresistenz bei Tieren auch leicht auf Menschen auswirken, was dazu führt, dass sich Krankheiten und Infektionen schwerer behandeln lassen.

„Human- und Tiermedizin und umweltbezogener Gesundheitsschutz sind gleichermaßen verantwortlich für den sachgemäßen Gebrauch von antimikrobiellen Mitteln und die Abwehr der Bedrohung durch antimikrobielle Resistenzen“, sagte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa. „Doch auch wenn wir entschlossen darauf hinarbeiten, dass Antibiotika in der Gesellschaft und in Gesundheitseinrichtungen sachgemäß angewandt werden, wird ein Ressort allein das Problem nicht lösen können. Bei einem einheitlichen Gesundheitsansatz werden Fachkräfte aus Human- und Tiermedizin und umweltbezogenem Gesundheitsschutz als eine Triebkraft zusammengebracht. Dies ist der einzige Weg, um die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten. Ich fordere sämtliche Länder in der Europäischen Region auf, auf gesamtgesellschaftlicher und gesamtstaatlicher Ebene das größtmögliche Engagement für die Verwirklichung dieses Ansatzes sicherzustellen.“

„Mit 33 000 Todesfällen jedes Jahr, die auf eine Infektion aufgrund antibiotikaresistenter Bakterien zurückzuführen sind, und jährlichen Gesundheitsausgaben in Höhe von 1 Mrd. € müssen wir sicherstellen, dass Antibiotika umsichtig verwendet werden und dass Maßnahmen zur Verhinderung von Infektionen in sämtlichen Umfeldern in der gesamten Europäischen Region eingeführt werden“, erklärte Andrea Ammon, Direktorin des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Sie fügte hinzu: „Da sich die Antibiotikaresistenzraten und der Gebrauch von Antibiotika sowie die angewandten Praktiken zur Verhinderung von Infektionen von Land zu Land unterscheiden, ist es umso wichtiger, Strategien an besondere Bedürfnisse anzupassen. Das ECDC fordert kontinuierliche Maßnahmen auf sämtlichen Ebenen.“

In diesem Jahr wird vom 12. bis 18. November bereits zum vierten Mal die Weltantibiotikawoche in der Europäischen Region der WHO begangen, in deren Rahmen man sich im Geiste eines einheitlichen Gesundheitsansatzes zu einer engeren ressortübergreifenden Zusammenarbeit für den Schutz der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt verpflichten wird.

Eine Stimme für den einheitlichen Gesundheitsansatz

Für die Weltantibiotikawoche 2018 tut sich das WHO-Regionalbüro für Europa mit dem Regionalbüro für Europa und Zentralasien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Subregionalen Vertretung für Zentralasien der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) zusammen, um die Regierungen zur Annahme bzw. verstärkten Nutzung des einheitlichen Gesundheitsansatzes aufzufordern.

Für die Dringlichkeit der Lage sprechen eine Reihe von Gründen:

  • Antimikrobielle Mittel werden in großem Umfang bei der Viehzucht eingesetzt, in einigen Fällen zur Wachstumsförderung, in anderen als Infektionsschutz, und zwar über die Behandlung der Tiere hinaus. Diese übermäßige Nutzung antimikrobieller Mittel kann zu einer vermehrten Arzneimittelresistenz bei Mikroben führen.
  • Die gleichen Klassen antimikrobieller Mittel kommen oftmals auch bei Menschen und zur Nahrungsmittelerzeugung genutzten Tieren zum Einsatz.
  • Die Nahrungsmittelkette spielt bei der Übertragung von Krankheiten eine wichtige Rolle und erfordert eine sorgfältige Überwachung und Koordination, um eine Ausbreitung zu verhindern.

All dies sind Anzeichen dafür, dass ein Ressort allein das sich verschärfende Problem der antimikrobiellen Resistenzen nicht wird lösen können, sondern dass nur gemeinsame Maßnahmen zur Erzielung von weltweiten Fortschritten beitragen können. Ein einheitlicher Gesundheitsansatz bedeutet, dass ressortübergreifend Maßnahmen koordiniert werden – etwa in der öffentlichen Gesundheit, der Tiermedizin und dem umweltbezogenen Gesundheitsschutz – um die bestmöglichen gesundheitlichen Resultate für sämtliche Spezies zu erzielen. Das bedeutet, dass anerkannt werden muss, dass resistente Mikroben keine Grenzen kennen – sie können leicht vom Menschen auf Tiere übertragen werden und sich leicht von einem geografischen Ort auf einen anderen ausbreiten.

Eine wirksame Methode zum Schutz der menschlichen Gesundheit ist die Verringerung des Risikos einer Resistenzentwicklung unter Mikroben bei Tieren. Viele Regierungen stellen die Verwendung von Antibiotika zur Wachstumsförderung und als Präventionsmaßnahme bei der Viehzucht schrittweise ein und verwenden antimikrobielle Mittel bei gesunden Tieren nur noch in besonderen Ausnahmefällen. Die Länder, in denen dies nicht bereits veranlasst wurde, werden dringend zur Ergreifung von Maßnahmen aufgefordert, um sicherzustellen, dass die auf den Listen unentbehrlicher Reserveantibiotika aufgeführten Arzneimittel – jene also, die für die Gesundheit von Mensch und Tier von höchster Bedeutung sind – nur dann verwendet werden, wenn dies unbedingt notwendig ist. Damit lassen sich die Entwicklung antimikrobieller Resistenzen verhindern und die Wirksamkeit von Antibiotika bei Mensch und Tier gleichermaßen erhalten.