Verringerung des Salzkonsums

WHO/Faith Kilford Vorting

Eine Verringerung der Salzzufuhr ist von wesentlicher Bedeutung für die Senkung des Risikos von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Europäischen Region der WHO.

In vielen Ländern der Europäischen Region der WHO entfallen mehr als zwei Drittel des gesamten Salzkonsums auf verarbeitete Lebensmittel, Knabbersachen und Nahrungsmittel wie Brot und Käse. Darüber hinaus tragen einige Fast-Food-Ketten und andere Gaststätten wesentlich zum Verzehr von Lebensmitteln mit hohem Salz-, Fett- und Zuckergehalt bei. Dies bedeutet, dass der Verbraucher letztendlich nur etwa 20% seiner Salzzufuhr direkt beeinflussen kann. Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie viel Salz sie zu sich nehmen; deshalb können sie ihren Salzverbrauch auch nicht reduzieren.

Gefahren

Zwar ist Natrium ein für das Funktionieren des Körpers unverzichtbarer Mineralstoff, doch nehmen die Menschen in der Europäischen Region über Salz deutlich zu viel davon zu sich.

Im Jahr 2008 waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen für 42% der Todesfälle in der Europäischen Region verantwortlich. Heute gilt der Salzverbrauch als einer der wichtigsten Risikofaktoren für nichtübertragbare Krankheiten, und insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Forschungsergebnisse belegen, dass eine hohe Salzzufuhr in allen Altersgruppen zu erhöhtem Blutdruck führt. Vor allem bei Kindern besteht die Gefahr, dass sie sich an den Geschmack von Salz gewöhnen. Dies kann dazu führen, dass sie verstärkt Produkte mit einem hohen Salzgehalt konsumieren und so lebenslange Gewohnheiten begründen. Ein erhöhter Blutdruck im Kindesalter setzt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im Erwachsenenalter fort und vergrößert das Risiko von Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen im späteren Leben.

Trotz deutlicher Hinweise auf eine positive gesundheitliche Wirkung steht ein Teil der Nahrungsmittelindustrie aus kommerziellen Gründen einer systematischen Verringerung des Salzgehalts nach wie vor skeptisch gegenüber.

Handlungsoptionen

Forschungsergebnisse aus aller Welt haben gezeigt, dass durch eine Reduzierung der Salzzufuhr um etwa die Hälfte (auf die empfohlenen 5 g pro Tag bei Erwachsenen) die Zahl der Schlaganfälle um 24% und die der Fälle von koronarer Herzkrankheit um 18% gesenkt werden könnte.

Das WHO-Regionalbüro für Europa hat die Reduzierung der Salzzufuhr zu einer der fünf vorrangigen Interventionen in dem neuen Aktionsplan zur Umsetzung der Europäischen Strategie zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten (2012–2016) erklärt.

In den letzten Jahren sind in der Europäischen Region eine Vielzahl erfolgreicher Strategien und Programme zur Reduzierung der Salzzufuhr angelaufen. Die Vorgaben von Programmen wie dem
Rahmen der Europäischen Union für Salzinitiativen der Mitgliedstaaten zielen primär auf Produkte der Nahrungsmittelindustrie wie Fertiggerichte sowie auf Fleisch, Brot und Käse ab. In der EU haben sich elf Länder bereit erklärt, den Salzkonsum von 2008 bis 2012 um 16% zu senken.

Im Rahmen der Globalen Strategie der WHO für Ernährung, Bewegung und Gesundheit und des Aktionsplans der Europäischen Region wurden namentlich drei Ziele festgelegt:

  • Schaffung von Umfeldern, die den Verbrauchern bei der Änderung ihrer Ernährungsgewohnheiten behilflich sind;
  • Unterstützung der Evaluation und Kontrolle des Salzkonsums; und
  • Erleichterung der Überprüfung von Salz als Mittel zur Prävention von Jodmangelstörungen.

Dennoch muss viel getan werden, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, Verhaltensänderungen herbeizuführen und den Salzgehalt in verarbeiteten Lebensmitteln zu reduzieren.

Beispiele aus den Länern

Auf besonders erfolgreiche Programme zur Salzreduktion können Finnland und das Vereinigte Königreich verweisen.

1996 gründeten medizinische und wissenschaftliche Experten im Vereinigten Königreich die Organisation Consensus Action on Salt and Health (CASH). Dies hatte erhebliche Anstrengungen zur Senkung des Salzgehalts in Produkten der Nahrungsmittelindustrie zur Folge. So konnte der Salzgehalt in bestimmten verarbeiteten Lebensmitteln bereits um bis zu 30% reduziert werden. Ferner ermöglicht eine klare Etikettierung mit Angabe des Salzgehalts auf allen verarbeiteten Lebensmitteln es den Verbrauchern, besser fundierte Kaufentscheidungen zu treffen.

Das vor 30 Jahren in Finnland begonnene Nordkarelien-Projekt hat international Anerkennung wegen seiner Auswirkungen auf die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck) erhalten. Bei den mit dem Projekt durchgeführten bevölkerungsweiten Interventionen in Bezug auf Natrium haben Nahrungsmittelindustrie und die Gesundheits- und Sozialdienste gemeinsam eine Reduzierung des Salzkonsums um ein Drittel erreicht.

Der Erfolg dieser Programme liegt in ihrem sektorübergreifenden, multidisziplinären Ansatz. Dieser setzt die Aufklärung und Mobilisierung der Öffentlichkeit sowie eine Reformulierung von Produkten der Lebensmittelindustrie, aber auch eine entsprechende Unterstützung durch die Gesundheitsdienste voraus.