Mit Preispolitik gesündere Ernährung fördern

WHO/Faith Kilford Vorting

In der ökonomischen Theorie wird der Preis als einer der wichtigsten Einflussfaktoren für das Kaufverhalten der Verbraucher bei einem breiten Spektrum von Gütern angesehen. In den vergangenen Jahren haben sich Wissenschaftler zunehmend mit neuen Erkenntnissen befasst, wonach preispolitische Konzepte für Lebensmittel das Kaufverhalten der Verbraucher qualitativ und quantitativ beeinflussen können. Dies wiederum könnte zu einer Verbesserung von Ernährung und Gesundheit beitragen, indem es etwa zu einer Verlagerung des Konsums weg von energiereichen Lebensmitteln mit hohem Zucker- und Fettgehalt und hin zu mehr Obst und Gemüse kommt. Mehrere Länder in der Europäischen Region der WHO haben inzwischen gesundheitsbezogene Steuern oder Subventionen für bestimmte Lebensmittel bzw. Nährstoffe eingeführt, um die Kaufentscheidungen der Bürger zu steuern und die Nährstoffaufnahme und damit verbundene gesundheitliche Resultate positiv zu beeinflussen. Im Europäischen Aktionsplan Nahrung und Ernährung (2015–2020) vereinbarten die Mitgliedstaaten der WHO in der Europäischen Region, unter Berücksichtigung der jeweiligen nationalen Gegebenheiten das Potenzial ökonomischer Maßnahmen zur Förderung einer gesunden Ernährung zu untersuchen, namentlich durch preispolitische Konzepte zur Beeinflussung der Nachfrage nach Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an gesättigten Fetten, Transfettsäuren, Zucker und Salz und zur Erhöhung des Verzehrs von Obst und Gemüse.

Eine neue Publikation des WHO-Regionalbüros für Europa enthält Informationen über die Anwendung preispolitischer Konzepte zur Förderung gesunder Ernährung und eine Zusammenfassung der neuesten politischen Entwicklungen auf diesem Gebiet in verschiedenen Teilen der Region. Die Publikation umfasst Fallstudien aus Ländern der Europäischen Region der WHO, in denen preispolitische Konzepte zur Förderung der öffentlichen Gesundheit eingeführt wurden, und endet mit einer Reihe von Beobachtungen über die Gestaltung solcher Konzepte. Angesichts einer sich rapide erweiternden Evidenzbasis und der sich abzeichnenden Lehren aus den einzelnen Ländern gilt es nun, die ökonomische Theorie anhand von Erkenntnissen aus der Praxis zu überprüfen.
In der Publikation werden Fallbeispiele politischer Maßnahmen aus Dänemark, Finnland, Frankreich und Ungarn sowie das Europäische Schulobstprogramm untersucht. Die Erfahrungen mit der Umsetzung solcher Konzepte in manchen Ländern deuten darauf hin, dass sie machbar sind und Konsum- und Kaufverhalten beeinflussen können. Teilweise lässt sich sogar eine messbare Wirkung auf wichtige Aspekte des Ernährungs- und Gesundheitsverhaltens erkennen. Darüber hinaus wurden in manchen Fällen die erzielten Einnahmen in Präventions- und Gesundheitsschutzmaßnahmen investiert.

The publication reviews examples of policy action from Denmark, Finland, France and Hungary, as well as the European School Fruit Scheme. Experience with the implementation of such policies in some countries indicates that they are feasible and can influence consumption and purchasing patterns. In some instances it has even been possible to identify a measurable impact on important dietary and health-related behaviours. Furthermore, the revenue raised has in some cases been invested in prevention and public health.

Land oder zuständige Körperschaft

Ökonomische Maßnahme

Dänemark

Eine Steuer auf gesättigte Fette in Höhe von 16 Kronen (ca. 2,15 €) pro kg, anwendbar auf alle Lebensmittel, die gesättigte Fettsäuren enthalten (z. B. Fleisch, Milchprodukte, Speiseöle und -fette, Margarine, gemischte Aufstriche). Nicht mehr in Kraft.

Finnland

Eine Steuer auf Süßigkeiten, Eis und Softdrinks, anwendbar auf nichtalkoholische Getränke, Süßwaren, Schokolade und Eis, mit Ausnahme gewisser Produkte wie Kekse, Bäckereiwaren, Joghurtprodukte, Pudding, Gelees, Mousse und Streuzucker. Süßigkeiten und Eis werden mit 0,95 € pro kg, zuckerhaltige Getränke mit 0,22 € pro Liter und zuckerfreie Getränke mit 0,11 € pro Liter besteuert.

Frankreich

Eine Steuer auf alle nichtalkoholischen Getränke mit Zucker- oder Süßstoffzusatz. Die seit Januar 2012 geltende Steuer wird in Höhe von 7,16 € pro Hektoliter (entspricht ungefähr 0,07 € pro Liter) erhoben.

Ungarn

Eine Gesundheitssteuer auf zuckergesüßte Getränke, Energydrinks, Süßwaren, Knabbersachen, Würzmittel, Alkohol mit typischen Geschmackseigenschaften und Marmeladen, die seit 2011 mit unterschiedlichen Steuersätzen belegt sind.

Europäische Union

Ein Subventionsplan zur Bereitstellung kostenlosen Obsts und Gemüses für Kinder an Schulen, finanziert durch eine Kombination aus Mitteln von der EU und ihren Mitgliedstaaten sowie von Privatwirtschaft und Eltern. Mit dem Plan werden über 8 Mio. Kinder an über 54 000 Schulen in den 25 beteiligten Ländern erreicht.