Internationaler Kodex fördert das Stillen und schützt vor unangemessener Vermarktung von Muttermilchersatz

Stillen bedeutet Gesundheitsförderung und Gesundheitsschutz und ist die beste Option für die Ernährung von Säuglingen. Es schafft die besten Voraussetzungen für Wachstum und Entwicklung sowie die Vermeidung nichtübertragbarer Krankheiten im späteren Leben und sollte während der ersten sechs Lebensmonate die ausschließliche Ernährungsform sein. Kinder, die gestillt wurden, schneiden in Intelligenztests besser ab, werden seltener übergewichtig oder fettleibig und sind auch später weniger anfällig für Diabetes. Stillende Mütter erkranken seltener an Brustkrebs und Eierstockkrebs.

Doch obwohl dies bekannt ist, zählen die Stillraten in der Europäischen Region der WHO zu den niedrigsten weltweit und dies ist zum Teil auf die aggressive Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten zurückzuführen. So wurden im Zeitraum 2006–2012 nach Schätzungen nur 25% der Säuglinge in der Europäischen Region der WHO während der ersten sechs Lebensmonate ausschließlich gestillt, während es in der Region Südostasien 43% waren.

Internationaler Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten

1981 nahm die Weltgesundheitsversammlung den Internationalen Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten an, mit dem unangemessene Vermarktungspraktiken begrenzt werden sollten. In diesem Kodex werden Maßnahmen genannt, die die Länder ergreifen können, um eine aggressive und unangemessene Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten zu begrenzen , u. a. durch:

  • Einführung von Gesetzen zur Einschränkung der Vermarktung und Verkaufsförderung in Bezug auf Säuglingsnahrung und andere Produkte, die als Muttermilchersatz verwendet werden; 
  • Überwachung und Durchsetzung wirksamer Sanktionen bei Verstößen; 
  • Beteiligung an Partnerschaften mit Organisationen der Zivilgesellschaft, um den Regierungen dabei zu helfen, für Einführung, Umsetzung, Vollzug und Überwachung des Kodex zu werben.

Weltweit haben 135 Länder Bestimmungen aus dem Kodex in Gesetzesform gegossen. Das ist ein Fortschritt gegenüber 2011, als erst 103 Länder einschlägige Gesetze verabschiedet hatten.

Armenien verabschiedet Gesetz

2014 beschloss Armenien ein Gesetz zur Förderung des Stillens und zur Regulierung der Vermarktung von Babynahrung. Es umfasst alle Bestimmungen des Kodex und entsprechender Resolutionen der Weltgesundheitsversammlung und geht in mancher Hinsicht über diese hinaus.

Das Gesetz wurde als Antwort auf Schwächen in der Umsetzung früherer gesetzlicher Bestimmungen zu Werbung beschlossen. Sie verhinderten nicht die unangemessene Vermarktung der Muttermilchersatzprodukte und erschwerten Maßnahmen der armenischen Regierung für eine optimale Ernährung von Neugeborenen und Kleinkindern. Die Gesellschaft erkannte die Notwendigkeit stärkerer gesetzlicher Maßnahmen. Mit Unterstützung durch das Gesundheitsministerium und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) wurde bereits 2003 ein Gesetzesentwurf ins Parlament eingebracht. 2012 wurde das Verfahren unter Federführung des Ausschusses für die Gesundheit von Mutter und Kind der Nationalversammlung wieder belebt. Der Entwurf wurde verschärft, nachdem überzeugende Belege für die Erfordernis einer Regulierung der Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten vorlagen, und schließlich angenommen.

Die armenische Erfahrung zeigt, dass Führungsstärke der Regierung erforderlich ist und dass auch die Gesellschaft eine wichtige Rolle ausfüllen kann, wenn ein angemessener Kapazitätsaufbau stattfindet, politische Allianzen geschmiedet werden und genügend Geduld und Ausdauer vorhanden sind.