Neue Studie der WHO verdeutlicht verstärkten Handlungsbedarf bei der Überwachung und Einschränkung der digitalen Vermarktung ungesunder Produkte an Kinder

Ashan Pathirana

In einem neuen Bericht des WHO-Regionalbüros für Europa wird eine weiterreichende Überwachung der digitalen Vermarktung von Alkohol- und Tabakprodukten sowie anderen ungesunden Lebensmitteln, vor allem solchen mit hohem Salz-, Zucker- und Fettgehalt, gefordert. Der Bericht ist vor dem Hintergrund der anhaltenden Bemühungen der Industrie zu sehen, Kinder und Jugendliche in den sozialen Medien und auf schwer zu verfolgenden mobilen Geräten gezielt ins Visier zu nehmen.

„Es ist bedenklich, dass fast ein Jahrzehnt nach Veröffentlichung der Empfehlungen der WHO zur Vermarktung von Lebensmitteln und nichtalkoholischen Getränken an Kinder im Jahr 2010 diese Altersgruppe nach wie vor regelmäßig Online-Werbung für ungesunde Lebensmittel, Tabakprodukte und Alkohol ausgesetzt ist“, erklärte Dr. João Breda, Leiter des Europäischen Büros der WHO für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten.

Die Überwachung der an Kinder gerichteten Online-Werbung für ungesunde Lebensmittel ist von entscheidender Bedeutung, da nichtübertragbare Krankheiten wie Herzkrankheit, Krebs, Adipositas und chronische Atemwegserkrankungen mit Rauchen, Alkoholmissbrauch und dem Verzehr ungesunder Lebensmittel verknüpft sind. Die Entstehung dieser Krankheiten kann verzögert oder verhindert werden, wenn die größten Risikofaktoren und riskanten Verhaltensweisen während der Kindheit in Angriff genommen werden.

Trotzdem bestätigt der neue Bericht mit dem Titel „Überwachung und Einschränkung der digitalen Vermarktung ungesunder Produkte an Kinder“, dass die Datenlage in Bezug auf das digitale Leben von Kindern dünn ist. Es wird hervorgehoben, dass die Zeit, die Kinder im Internet und insbesondere in den sozialen Medien verbringen, stetig zugenommen hat, sodass sich auch ihre Exposition gegenüber digitaler Werbung erhöht hat. Der Bericht beinhaltet einen dringenden Appell, ein Instrumentarium für die Überwachung der Exposition von Kindern gegenüber digitaler Werbung zu entwickeln und anzuwenden.

Daten über auf Kinder abzielende digitale Werbung

Der Bericht basiert auf einer im Juni 2018 abgehaltenen Fachtagung, die sich mit der Überwachung digitaler Vermarktung ungesunder Produkte an Kinder und Jugendliche befasste. Auf der Tagung wurden deutliche Möglichkeiten für Fortschritte auf diesem Gebiet aufgezeigt.

Die Idee besteht darin, eine Jury-Methodologie einzuführen, die sich in den Mitgliedstaaten einheitlich umsetzen lässt, um wichtige Sachfragen an politische Entscheidungsträger und Regulierungsbehörden heranzutragen. Vor diesem Hintergrund hat die WHO damit begonnen, auf die Notwendigkeit der Einführung einer unter der Bezeichnung „CLICK Tool“ bekannt gewordenen Überwachungsmethode aufmerksam zu machen, in dem das tatsächliche Ausmaß, in dem Kinder digitaler Werbung ausgesetzt sind, regelmäßig festgestellt wird.

Nach Einschätzung der WHO könnten die mit einem solchen Tool erzielbaren Ergebnisse dazu beitragen, bei nationalen Regierungen wirksamer für Maßnahmen zum Schutz von Kindern nicht nur vor Werbung für ungesunde Lebensmittel, sondern auch vor Werbung für Tabak- und Alkoholprodukte zu plädieren. Das Tool beinhaltet folgende fünf zentrale Komponenten:

C – das digitale Ökosystem verstehen: Darstellung des Ökosystems der digitalen Vermarktung auf globaler Ebene und in Regionen und Ländern sowie der Verwendung digitaler Anwendungen, und Ergänzung dieses Prozesses durch Arbeitsgruppen zur Bewertung der Gedanken und Erfahrungen und des Bewusstseins von Kindern (und Eltern/Vormunden) in Bezug auf Vermarktungsstrategien und -kampagnen.

L – Landschaft von Kampagnen: Bewertung von Kampagnen führender nationaler Marken durch Sammlung von Informationen von Werbeagenturen und durch landesweite stichprobenartige Durchsuchung der sozialen Medien auf relevante Inhalte, die Rückschlüsse auf das Nutzerverhalten verschiedener Altersgruppen erlauben.

I – Exposition untersuchen: Darstellung der Exposition gegenüber einer Auswahl bezahlter digitaler Werbespots in einer aus Kindern aller Altersgruppen zusammengesetzten Jury, die eine Smartphone-App nutzt, die (mit Zustimmung) Daten über die Interaktion von Kindern mit Werbeanzeigen auf bestimmten Websites und in den sozialen Medien überwacht und aggregiert.

C – Bildschirmkopien: Nutzung von Echtzeit-Bildschirmkopie-Software an einer Untergruppe der Geräte, um festzustellen, was eine repräsentative Stichprobe von Kindern online auf ihren Geräten sieht, um sich ein besseres Bild von den eingesetzten Werbestrategien (einschließlich nutzergenerierter Inhalte und Produktplatzierung) machen zu können.

K – Wissensaustausch: Schaffung nutzerfreundlicher Inhalte aus den Forschungsdaten und Entwicklung von Partnerschaften mit jungen Menschen, Eltern, politischen Entscheidungsträgern und Mitgliedern der Zivilgesellschaft, die sich gemeinsam für Veränderungen einsetzen, Bewusstsein schaffen und Einfluss auf die Politik nehmen können.