Bereichsübergreifende Maßnahmen zur Bewegungsförderung in der Schweiz

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Obwohl die meisten Menschen wissen, dass körperliche Betätigung die Gesundheit erheblich verbessert, bewegen sie sich insgesamt viel zu wenig. Dies hat ein erhöhtes Risiko für eine Reihe von Gesundheitsproblemen und Krankheiten wie Übergewicht und Adipositas, ischämische Herzkrankheit, Schlaganfall, Diabetes und einige Krebsarten (insbesondere Brust- und Kolonkrebs) zur Folge.

Die Zahlen sind besorgniserregend. Aus den globalen Zahlen für 2010 geht hervor, dass:

  • 23% der Altersgruppe über 18 Jahre sich zu wenig bewegen;
  • Frauen weniger körperlich aktiv sind als Männer, und ältere Menschen weniger als jüngere Menschen;
  • 81% der Jugendlichen in der Altersgruppe von 11 bis 17 Jahren nicht ausreichend Bewegung haben;
  • weibliche Jugendliche weniger aktiv sind als männliche Jugendliche, wobei 84% bzw. 78% nicht die von der WHO empfohlenen 60 Minuten Bewegung pro Tag erreichen.

Wirksame Programme erfordern bereichsübergreifende Zusammenarbeit

„Bewegung ist einer der entscheidenden Hebel bei der Verbesserung der Gesundheit und der Rettung von Menschenleben, aber wenn sie zum integralen Bestandteil des Lebens der Menschen werden soll, müssen unbedingt auch Politikbereiche außerhalb des Gesundheitswesens einbezogen werden“, erklärt Gauden Galea, Direktor der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf beim WHO-Regionalbüro für Europa.

Die Schweiz hat bereits Erfahrung mit der Einbeziehung verschiedener Politikbereiche in die Bewegungsförderung. Im Januar 2013 nahm die Regierung die Schweizer Strategie „Gesundheit 2020“ an, in der unterstrichen wird, dass die Gesundheit eines Menschen bis zu 60% durch Einflussfaktoren außerhalb des Gesundheitswesens bestimmt wird. Das Bundesamt für Gesundheit strebt an, durch spezifische Kooperationen mit anderen Bundesbehörden Möglichkeiten für die Bewegungsförderung in der Städte- und Regionalplanung zu schaffen.

Beispiele für Zusammenarbeit zur Bewegungsförderung

Ein Beispiel für eine Initiative zur Bewegungsförderung in der Schweiz ist das Modellvorhaben Nachhaltige Raumentwicklung 2014–2018. Es dient zur Förderung von Maßnahmen für mehr Bewegung in städtischen Gebieten in der Schweiz, wo etwa 75% der Bevölkerung leben. Gegenwärtig werden neun Projekte für Freiräume finanziell unterstützt. Eines davon betrifft den Freiraum Sursee, wo 17 Gemeinden sich zur Förderung von Freiräumen als Orten für Erholung, Bewegung und Sport, Freizeit und Begegnung verpflichtet haben. Es ist Teil der regionalen Planungsstrategie, an der die Zivilgesellschaft tatkräftig beteiligt ist und in der ein besonderes Augenmerk auf Senioren, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen gelegt wird, denen jeweils ein problemloser Zugang ermöglicht werden soll.

In einem Vorhaben in Winterthur werden soziale Diversität sowie die wirksame Nutzung öffentlicher und halbprivater Freiräume gefördert. Als Maße dienen gemeindeübergreifende Planungsverfahren und Normen für die Bauqualität, die den verschiedenen Beteiligten (einschließlich der Eigentümer von Immobilien) Anreize bieten.

Ein weiteres Beispiel eines Modellvorhabens findet sich in Freiburg, wo Bürgerinitiativen in zehn (deutsch- und französischsprachigen) Gemeinden naturfreundliche Freiräume geschaffen haben, die zu Bewegung einladen und als Begegnungsräume für die Menschen dienen. Die Schwerpunkte liegen hier auf Schülern, Senioren und Migranten, und die Freiräume sind zur Förderung einer aktiven Mobilität mit Straßen verbunden.

Globales Ziel für die Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten durch Bewegung

Die Weltgesundheitsorganisation hat neun freiwillige globale Zielvorgaben für die wichtigsten Risikofaktoren in Bezug auf nichtübertragbare Krankheiten festgelegt, zu denen Tabakkonsum, Salzzufuhr, Bewegungsmangel, Bluthochdruck und Alkoholmissbrauch gehören. Das für den Komplex Bewegungsförderung festgelegte Ziel ist eine Verringerung der Prävalenz von Bewegungsmangel um 10% bis 2025.