Radfahren - das Kettenglied zwischen Verkehr, Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft

City of Mannheim/Thomas Tröster

Vom 19. bis 21. September 2017 wurde in Mannheim der 200. Jahrestag der Erfindung des Fahrrads in dieser Stadt durch eine Internationale Fahrradkonferenz gebührend gefeiert. Auf der Veranstaltung erörterten rund 300 Akademiker, Praktiker und Politiker aus der ganzen Welt gemeinsam die Rolle aktiver Mobilität in der Moderne und schufen Schnittstellen zwischen den akademischen, politischen und praxisorientierten Sichtweisen.

In interaktiven Sitzungen, Vorträgen, Plakaten, lebhaften Gesprächen und geführten Erkundungsausflügen mit dem Rad demonstrierte die Konferenz die bedeutsamen Verknüpfungen zwischen Verkehrsplanung, Gesundheitsversorgung, Umweltqualität, Wirtschafts- und Geschäftsentwicklung sowie sozialen Fragen. Unter dem Motto „Bridging the gap“ wollten sie Herausforderungen und Möglichkeiten für eine wechselseitige Übertragung von Wissen und Erfahrung zwischen Theorie, Praxis und Politik erkunden.

Das Umweltbundesamt der Bundesrepublik Deutschland veranstaltete die Konferenz in Partnerschaft mit dem von der Europäischen Union finanzierten PASTA-Projekt (Physical Activity through Sustainable Transport Approaches), dem Paneuropäischen Programm für Verkehr, Gesundheit und Umwelt (THE PEP), der Stadt Mannheim, dem Europäischen Radfahrerverband, dem Deutschen Institut für Urbanistik und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Aktivitäten von PASTA und THE PEP im Rampenlicht

Der zweite Tag der Konferenz war den Ergebnissen des PASTA-Projekts gewidmet, an dem das Regionalbüro sich beteiligt hatte. Vier Jahre lang arbeitete in diesem Projekt eine multidisziplinäre Gruppe führender Politiker, Akademiker und Praktiker aus ganz Europa mit sieben Städten zusammen: Antwerpen (Belgien), Barcelona (Spanien) London (Vereinigtes Königreich), Örebro (Schweden), Rom (Italien), Wien (Österreich) und Zürich (Schweiz).

Das Projekt sollte ein besseres Verständnis der Determinanten aktiver Mobilität als innovativen Ansatzes für die Integration körperlicher Betätigung in den Alltag der Menschen gewinnen. Es sollte auch Methoden und Instrumente verbessern, mit denen gesundheitliche Auswirkungen aktiver Mobilität abgeschätzt werden können.
Politiker aus Antwerpen, London, Rom und Wien erörterten auf der Konferenz die Relevanz des PASTA-Projekts für ihre Städte und die Frage, wie Forschung zu gut fundierter politischer Entscheidungsfindung und zur Unterstützung aktiver Mobilität beitragen kann.

Während der Konferenz bestand auch die Gelegenheit, die neueste Version von HEAT (gesundheitsökonomisches Bewertungsinstrument der WHO für Radfahren und Gehen) zu erleben. HEAT bietet als ein benutzerfreundliches Online-Instrument Stadt- und Verkehrsplanern sowie Gesundheitspraktikern Unterstützung in ihrer Argumentation für neue Investitionen in aktive Mobilität und ermöglicht die Bezifferung des ökonomischen Gewinns einer durch aktive Mobilität verringerten Mortalität.

HEAT baut auf Forschungsergebnissen aus dem PASTA-Projekt auf und ermöglicht nun auch die Quantifizierung einer Verringerung von Verletzungszahlen, Luftverunreinigung und Treibhausgasemissionen durch vermehrtes Gehen und Radfahren.

Am dritten Tag der Konferenz veranstaltete THE PEP als gemeinschaftlich von der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) und dem Regionalbüro betriebenes bereichsübergreifendes Forum einen Workshop unter dem Motto „Cycling and walking make THE Link – Transport, Health and Environment“. Dieser Workshop war Teil einer Reihe, die THE PEP in Form eines Staffellaufs durchführt. So wurde auch diesmal ein Staffelstab symbolisch von einer Stadt an die nächste weitergereicht. Wladiwostok (Russische Föderation) gab als Austrägerin der letzten Veranstaltung den Staffelstab an die Stadt Mannheim ab.

Die Workshops von THE PEP werden als nationale Veranstaltungsreihe zu nachhaltiger Verkehrspolitik in verschiedenen Städten der Europäischen Region durchgeführt. Mannheim thematisierte den gesundheitlichen, wirtschaftlichen und umweltbezogenen Nutzen von Gehen und Radfahren.

In einer Podiumsdiskussion für „Anfänger“, „Fortgeschrittene“ und „Spitzenreiter“ berichteten Teilnehmer aus Aserbaidschan, den Niederlanden und Serbien von ihren Erfahrungen mit und Kenntnissen von Faktoren, welche die Förderung des Radfahrens behindern oder unterstützen können.

Außerdem wurde den Teilnehmern und damit einer breiteren Öffentlichkeit der Entwurf eines paneuropäischen Gesamtplans zur Förderung des Radfahrens erstmals vorgestellt. Der Gesamtplan, der im Rahmen von THE PEP entwickelt wird, soll während der 5. hochrangigen Tagung „Verkehr, Gesundheit und Umwelt“ vorgestellt werden, die 2019 in Wien stattfinden wird.