Eine bewegungsfreundlichere Städteplanung

Anastasiia Shotskaya

Eine neue Publikation des WHO-Regionalbüros für Europa beinhaltet Leitgrundsätze für die Europäische Region der WHO zur verstärkten Bewegungsförderung im städtischen Umfeld durch Umwandlung öffentlicher Räume mit dem Ziel, einen körperlich aktiven Lebensstil zu ermöglichen.

Da nach Prognosen bis 2030 mehr als 80% der Bevölkerung der Europäischen Region in städtischen Gebieten leben werden, spielen Städte eine entscheidende Rolle in Bezug auf Förderung und Schutz von Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung. Regierungen in allen Teilen der Europäischen Region haben Bewegungsförderung, insbesondere im städtischen Umfeld, als vorrangige Aufgabe erkannt. Angesichts dieses starken politischen Mandats werden in dem Bericht Optionen und Strategien für die Bewegungsförderung in Städten untersucht, und es wird für städteplanerische Maßnahmen als Mittel zur Prävention von Bewegungsmangel geworben.

Bewegungsförderung zur Minimierung der Gefahr chronischer Erkrankungen

Bewegungsmangel ist in allen Teilen der Europäischen Region in zunehmendem Maße für Todesfälle und Behinderungen verantwortlich. Darüber hinaus hat er hohe Gesundheitsausgaben und Produktivitätsverluste zur Folge. Dagegen bietet regelmäßige Bewegung Schutz vor einem breiten Spektrum chronischer Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmten Krebsarten. Außerdem gehört sie zu den wichtigsten Determinanten von Gewichtskontrolle.

Der Weltdiabetestag am 14. November 2017 erinnert daran, dass entschlossene Maßnahmen notwendig sind, um Gefährdete zu sensibilisieren und das Leben von Diabetespatienten zu verbessern. Eine verstärkte Bewegungsförderung in der gesamten Europäischen Region gehört zu den vorrangigen Maßnahmen zur Unterbindung der Ausbreitung von Adipositas und Diabetes und zur Erfüllung der globalen Zielvorgaben im Bereich der Prävention vorzeitiger Mortalität aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten.

Die Länder in der Europäischen Region haben eine Strategie zur Bewegungsförderung angenommen, in der die Bedeutung der bebauten Umgebung für die Förderung von Bewegung als festem Bestandteil des Alltags hervorgehoben wird. Die in dieser Strategie genannten Verpflichtungen sind vollständig mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG) abgestimmt.

In den SDG wird anerkannt, dass Urbanisierung einige der größten entwicklungs- und umweltbezogenen Probleme unserer heutigen Zeit verschärft, dass Städte andererseits aber auch ein wesentliches Potenzial für die Förderung einer gesunden und nachhaltigen Entwicklung aufweisen. Deshalb trägt eine Städteplanung, die verstärkt Bewegung fördert, erheblich zur Verwirklichung der SDG in der Europäischen Region bei.

Der neue Bericht mit dem Titel „Bewegungsförderung im städtischen Umfeld“ ergänzt die Zukunftsvision und Ziele der Strategie zur Bewegungsförderung. Er befasst sich mit Optionen für die Verbesserung der „Hardware“ – der räumlichen Infrastruktur und der Flächen in Städten – mit dem Ziel, die Qualität öffentlicher Räume grundlegend zu verändern und zu einem besseren Bewegungsverhalten zu ermutigen. Der Bericht wurde vom WHO-Regionalbüro für Europa in Zusammenarbeit mit dem Gehl-Institut erstellt, das in der Forschung über öffentliches Leben und öffentliche Räume führend ist.

Beispiele, Ideen und Empfehlungen für die Umgestaltung öffentlicher Räume in Städten

Der Bericht enthält eine Analyse bestehender Initiativen zur Bewegungsförderung in Städten und möchte dazu beitragen, solche Initiativen voranzutreiben. Er befasst sich auch mit neueren Fallstudien über Städteplanung im Sinne einer verstärkten Bewegungsförderung. Dabei wird anhand konkreter Fallbeispiele aus bisher weniger untersuchten Teilen der Europäischen Region der Nachweis erbracht, wie gemeinsame Grundsätze und Konzepte in der Städteplanung für eine verstärkte Bewegungsförderung herangezogen werden können.

Durch diese Fallstudien möchte der Bericht Inspiration und Anleitung dazu geben, wie Städte unter verschiedenen Rahmenbedingungen und in verschiedenen Entwicklungsstadien mittels Planungsmaßnahmen ihre Bewohner zu einem körperlich aktiveren Lebensstil ermutigen können.

In dem Bericht wird anerkannt, dass Städte oft miteinander konkurrierende Ziele verfolgen – etwa die Erhöhung der Attraktivität für Investoren oder die Bekämpfung städtischer Armut –, und es wird der Frage nachgegangen, wie diese Beweggründe dazu genutzt werden können, Szenarien zum gegenseitigen Nutzen zu schaffen oder positive Nebeneffekte zu erzielen. Der Bericht soll also die zuständigen Planer in den Städten der Europäischen Region dazu veranlassen, ihre Konzepte zu überdenken, damit ihre Städte bewegungsfreundlicher werden, während gleichzeitig auch andere politisch wichtige Ziele verwirklicht werden – und umgekehrt.

Die Städte, die das Gesunde-Städte-Netzwerk der Europäischen Region der WHO bilden, verfügen über 30 Jahre Erfahrung in der ressortübergreifenden Zusammenarbeit mit dem Ziel, städtische Räume bewegungsfreundlicher zu gestalten, und können zahlreiche gute Beispiele für erfolgreiche Initiativen vorweisen.

Für Kommunalpolitiker, die in allen Teilen der Europäischen Region eine Verbesserung der Lebensqualität im städtischen Umfeld anstreben, und für die Bewohner dieser Städte werden sinnvoll gestaltete und fußgängerfreundliche Wohngegenden, bezahlbare Wohnungen und Angebote, der Zugang zu größeren Grünflächen und anderen öffentlichen Räumen sowie multimodale öffentliche Verkehrskonzepte einen wesentlichen Beitrag nicht nur zur Verwirklichung gesundheitlicher Ziele, sondern auch zur Schaffung einer lebenswerteren und ausgewogeneren städtischen Entwicklung leisten.