Frauen in der Europäischen Region sind stärkste Raucherinnen weltweit – Tendenz steigend

Die Europäische Region der WHO weist von allen WHO-Regionen die höchste Prävalenz des Rauchens bei Frauen und Mädchen auf. Weiterhin verzeichnet sie einen der geringsten Unterschiede zwischen den Geschlechtern, und in einigen Teilen der Region – und vor allem im östlichen Teil – verringert sich der Abstand rapide. Es steht außer Zweifel, dass die speziell auf Frauen abzielenden Werbekampagnen der Tabakindustrie in der gesamten Region erhebliche Wirkung entfalten. Mit einer neuen Publikation des WHO-Regionalbüros für Europa mit dem Titel „Ermächtigung von Frauen – Bekämpfung der Tabakwerbung in der Europäischen Region“ wird den Ländern erstmals ein praktischer Ratgeber zur Verfügung gestellt, der Frauen zu selbstbestimmtem Handeln im besten Sinne des Wortes befähigen soll.

Die gesundheitliche Belastung durch Tabakkonsum in der Europäischen Region ist beträchtlich und trägt erheblich zu den gesundheitlichen Ungleichheiten zwischen sozioökonomischen Gruppen wie auch zwischen den Geschlechtern bei. Die rapide Zunahme des Tabakkonsums unter Frauen in vielen Ländern gefährdet die Fortschritte bei der Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele mit direktem Gesundheitsbezug. Das WHO-Regionalbüro für Europa hat bei der Erstellung dieser Publikation zusammen mit dem International Network of Women Against Tobacco (INWAT) einen praktischen Rahmen für die Förderung einer geschlechtsspezifischen Perspektive bei der Politikgestaltung und -umsetzung auf diesem Gebiet entwickelt. 

Sozial und kulturell bedingte Beschränkungen für Frauen verlieren heute zusehends an Bedeutung. Gleichzeitig erhöht sich die Kaufkraft von Frauen und ermöglicht ihnen immer mehr ein selbstbestimmtes Handeln. Auch wenn dies allesamt erfreuliche Trends sind, so muss doch die internationale Gemeinschaft darauf hinarbeiten, den Nutzen der Globalisierung zu maximieren, sich jedoch gleichzeitig auch mit deren Folgen auseinandersetzen. In allen Teilen der Region wird Rauchen heute bei Frauen und Mädchen zunehmend gesellschaftlich akzeptiert und gilt teilweise sogar als schick. Die Wirkung von Kampagnen der Tabakindustrie, in denen Rauchen perfiderweise als ein Symbol der Selbstbestimmung der Frau dargestellt wird, steht außer Zweifel.

In der Publikation wird, meist anhand von Fallbeispielen, das breite Spektrum an Werbemaßnahmen dargestellt, mit denen die Tabakindustrie konkret Frauen und Mädchen ins Visier nimmt. Dazu gehören auch bisher weniger übliche Arten der Verkaufsförderung wie das Werben mit der Verpackung selbst. Die Publikation nennt aber auch Beispiele für Maßnahmen zur Tabakbekämpfung aus der gesamten Region und dient den Ländern damit als praktischer Ratgeber für eine Forcierung ihrer Anti-Tabak-Politik.

Durch die Publikation wird die Wirkung des Rahmenübereinkommens der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs als Rechtsinstrument verstärkt, indem die maßgeblichen Interessengruppen dabei unterstützt werden, die Tabakbekämpfung mit einem auf Gleichstellung der Geschlechter ausgerichteten Rahmenkonzept zu betreiben. 

Es sollte weiter darauf hingearbeitet werden, den Rückgang der Zahl der rauchenden Männer und Frauen in einigen Ländern der Europäischen Region aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig sollten verstärkte Bemühungen unternommen werden, die Zahl der Raucherinnen dort, wo sie im Ansteigen begriffen ist, zu stabilisieren bzw. zu senken. Frauen müssen zu selbstbestimmtem Handeln im besten Sinne des Wortes befähigt werden.