Neutrale Tabakverpackungen veranlassen mehr Menschen zum Rauchverzicht und weniger zum Raucheinstieg

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Es gibt Belege dafür, dass neutrale Tabakverpackungen mehr Menschen zum Rauchverzicht und weniger zum Raucheinstieg veranlassen. Die Verbraucher empfinden neutrale Verpackungen als hässlich; sie machen Tabakprodukte und somit das Rauchen weniger attraktiv, vor allem für Jugendliche und Frauen.

„Als wir ihnen Marlboros zum halben Preis anboten – in neutralen braunen Schachteln –, waren nur 21% interessiert, auch wenn wir ihnen versicherten, dass die Packungen mit Ausnahme der Aufmachung alle identisch mit denen waren, die sie normalerweise beim Tabakhändler kaufen. Wie lässt sich dieser Unterschied erklären? Ganz einfach: Raucher nehmen 20 bis 25 Mal am Tag Zigaretten aus der Schachtel. Mit der Packung positionieren sich die Verbraucher. Sie bringen zum Ausdruck, wie sie von anderen gesehen werden wollen.“ Diese Aussage stammt von der Tabakindustrie im Rahmen eines 1987 in Minnesota geführten Prozesses.

Die Tabakindustrie hat die Verpackungen von Tabakprodukten immer als hochwirksames Werbeinstrument genutzt – und als Weg zur Umgehung von Verboten in der Tabakwerbung.

Australien führt Vorschriften für neutrale Tabakverpackungen ein

Australien hat als bisher weltweit einziges Land Vorschriften für neutrale Tabakverpackungen angenommen und eingeführt. Sie traten im Dezember 2012 in Kraft. Trotz der kurzen Zeitspanne seit Einführung dieser Maßnahme ist bereits ein Anstieg der Zahl der Anrufe bei der Telefonberatung zur Raucherentwöhnung um 78% zu verzeichnen. Dies ist nicht auf Anti-Tabak-Werbung, höhere Zigarettenpreise oder andere erkennbare Ursachen zurückzuführen.

Abgestimmte politische Konzepte zur Reduzierung des Tabakkonsums

In einer neuen Übersichtsarbeit des WHO-Regionalbüros für Europa mit dem Titel „Neutrale Tabakverpackungen: Maßnahmen zur Senkung der Zahl der Raucheinsteiger und Erhöhung der Zahl der Rauchaussteiger“ wird eine Bestandsaufnahme der Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Vorschriften für neutrale Verpackungen bei der Raucherprävention und -entwöhnung präsentiert.

In den Leitlinien für die Umsetzung der Artikel 11 (wirksame gesundheitsrelevante Warnhinweise) und 13 (Werbeverbot) des Rahmenübereinkommens der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs wird die Einführung von Vorschriften für neutrale Verpackungen zur Senkung der Zahl der Raucheinsteiger und Erhöhung der Zahl der Rauchaussteiger empfohlen. Die von der Europäischen Union im März 2014 verabschiedete neue Richtlinie für Tabakerzeugnisse, die 2016 in Kraft treten wird, soll es den Mitgliedstaaten ermöglichen, auf der nationalen Ebene Vorschriften für neutrale Verpackungen einzuführen.

Die Richtlinie stellt einen Schritt in die richtige Richtung dar und trägt zur Verwirklichung der in der Erklärung von Aschgabat enthaltenen Vision von einer tabakfreien Europäischen Region bei.