Kann ein Smartphone helfen, das Rauchen aufzugeben?

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Tara Duthie, die in der schottischen Stadt Stirling lebt, versuchte in den vergangenen fünf Jahren bereits viermal, das Rauchen aufzugeben. Dann, am 30. Oktober 2015, hatte sie im Alter von nur 49 Jahren einen Herzinfarkt – das war für sie der Weckruf, den sie nicht überhören konnte.

„Vorher hatte ich nie begriffen, wie sehr Rauchen der Gesundheit schadet," erläutert sie. „Nach einem Herzstillstand wurde ich drei Tage lang ins künstliche Koma gelegt. Dann kam eine Krankenschwester vorbei und zeigt mir diese App, mit der sie es geschafft hatte, das Rauchen zu lassen."

Die Smartphone-App hielt eine Reihe ermutigender Nachrichten für Tara bereit: „Sie sagte mir, dass ich drei Tage im Koma bereits ohne Rauchen zubegracht hatte. Ich hatte drei Tage geschafft, ohne es zu wissen. Das Nikotin hatte bereits mein System verlassen und das Kohlenmonoxid in meinem Blut war nicht mehr der Rede wert, also habe ich weiter gemacht."

Praktische Hilfe

Die App gibt praktischen Rat und spricht dem Nutzer Mut zu: „Sie hält kleine Spielchen bereit, damit man sich ablenken kann, wenn das Verlangen nach einer Zigarette sehr groß wird. Manchmal mussten meine Hände einfach drei Minuten lang beschäftigt werden."

Smartphone-Apps, die eine Umstellung der Lebensweise unterstützen, werden immer populärer. Allerdings gibt es nur wenige Gesundheitsbehörden, die ihre Qualität regulieren, oder die über eine Strategie verfügen, wie sie zur Förderung der Gesundheit eingesetzt werden könnten.

Eine Chance für die Europäische Region

Dem jüngsten Bericht über E-Gesundheit „From innovation to implementation – e-health in the WHO European Region" zufolge fördern rund die Hälfte aller Gesundheitsbehörden in den Ländern der Europäischen Region die Entwicklung und Anwendung von M-Gesundheit (M für Mobiltelefonie). Ungefähr ein Viertel der Länder gibt an, dass ihre Gesundheitsbehörden aus Gründen der Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit Regeln für Mobilgeräte und Programme aufstellen. Sieben Mitgliedstaaten geben an, dass ihre Gesundheitsbehörden sich nicht an der Entwicklung oder Einführung von M-Gesundheit beteiligen. Aus dem Bericht geht ferner hervor, dass solche Regierungen, die M-Gesundheit fördern, auch sonst eher Anreize und Empfehlungen für Innovation und Evaluation geben und Anwendungen regulieren.

Clayton Hamilton, Leiter des Referats für E-Gesundheit und Innovation am Regionalbüro, sagt: „Taras Geschichte ist sehr ermutigend und ein gutes Beispiel dafür, wie eine solche App genutzt werden kann. Ich hoffe, dass wir eines Tages Apps haben werden, die kulturell an die Mitgliedstaaten angeglichen sind und in allen Sprachen der Region erscheinen. Wenn die App auch Daten über Gemütsverfassung und Gesundheit des Nutzers erfasste, könnte dies helfen, den Vorgang des Rauchverzichts besser zu verstehen. Und dann könnten wir besser helfen."

31 Lebenstage gewonnen

Tara nutzte auch Nikonpflaster, die ihr erst im Krankenhaus und dann in einer Gemeindeapotheke verschrieben wurden, doch hatte sie das Rauchen schon nach den ersten sechs Wochen des auf zwölf Wochen angelegten Kurses aufgegeben. Sie ist davon überzeugt, dass die kostenlose App ihr in den entscheidenden ersten drei Monaten sehr geholfen hat. Ihr Rat an alle Raucher, die aussteigen wollen: „Nimm jede Hilfe an, die dir geboten wird, und mache alles, was dir hilft aufzuhören. Bilde dir nicht ein, dass eine schon OK ist, denn das ist es nicht."

Es ist jetzt 207 Tage her, dass Tara das Rauchen aufgegeben hat. In dieser Zeit hat sie bereits 4145 Zigaretten oder einen Wert von 1347,37 £ bzw. ca. 1700 € eingespart. Wenn jede Zigarette das Leben um elf Minuten verkürzt, hat sie also bereits 31 Tage hinzugewonnen.

Zwar ist Taras Herz noch in der Rekonvaleszenzphase, so dass nicht alle Vorteile in Bezug auf ihre Kondition erkennbar sind, doch sagt sie: „Ich fühle mich stärker, das Essen schmeckt mir besser und ich atme leichter. 

Ich habe mich in die Gärtnerei verliebt und kann all das eingesparte Geld jetzt auf meinen Garten verwenden."

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