Auf dem Weg zu rauchfreien Generationen: Trotz ihrer besonderen neurobiologischen Anfälligkeit für Nikotin sind Kinder nach wie vor im Visier der Tabakwerbung

WHO/Malin Bring

Mehrere Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO sind auf dem Weg zu einer „tabakfreien Gesellschaft“, die als eine Prävalenz des Rauchens unter 5% definiert ist. Um dies zu erreichen, müssen sich die Länder mit einer Reihe von tabakbezogenen Themen befassen, die konkreten Einfluss auf Kinder haben, und entschlossen darauf hinarbeiten, Kinder vor den schädlichen Auswirkungen von Tabak zu schützen.

In einem neuen Bericht des WHO-Regionalbüros für Europa werden Instrumente und neuartige Lösungsansätze aufgezeigt, die benutzt werden sollten, um den Weg zu einer tabakfreien Europäischen Region zu ebnen. In einer Reihe von Artikeln im Internet werden einige der zentralen Befunde und Empfehlungen des Berichts herausgegriffen und Beispiele von Maßnahmen geschildert, die in den Ländern der Region zur Bekämpfung der schädlichen Auswirkungen des Tabakkonsums ergriffen wurden.

Kinder sind neurobiologisch in Bezug auf Nikotinabhängigkeit anfälliger als Erwachsene; umso wichtiger ist es, sie so weit wie möglich vor einer Exposition gegenüber Tabakrauch zu schützen. Diese Anfälligkeit ist durch die Tatsache bedingt, dass der präfrontale Cortex – eine Hirnregion, die bei der Einschränkung riskanter Verhaltensweisen und der Rationalisierung langfristiger Ziele eine Rolle spielt – bei Kindern noch nicht vollständig entwickelt ist. Wenn der Raucheinstieg vor Vollendung des 20. Lebensjahrs erfolgt, so erhöht dies nicht nur die Wahrscheinlichkeit einer Suchtentwicklung, sondern kann auch im späteren Leben die Fähigkeit zur Kontrolle über die Rauchgewohnheiten beeinträchtigen.

Trotz der Indizien dafür, dass Kinder eine besondere Anfälligkeit in Bezug auf Nikotinabhängigkeit aufweisen, ist ihre Altersgruppe oft konkret im Visier der Tabakwerbung. Seit Jahrzehnten vermarktet die Tabakindustrie in aller Welt ihre Produkte teilweise an 13-jährige Kinder, oftmals durch Werbung für Tabak in Filmen und auf Konzerten. Sie bemüht sich auch gezielt darum, das Rauchen zu normalisieren, indem sie es als erstrebenswertes erwachsenes Verhalten darstellt und so die Idee vom Rauchen als einem Übergangsritus verankert, den alle Kinder durchlaufen sollten.

Es gibt Hinweise darauf, dass schon dreijährige Kinder auf Tabakwerbung reagieren. Dies unterstreicht die Bedeutung einer angemessenen Regulierung der Vermarktung von Tabakprodukten an Kinder. Doch die meisten Kinder in der Europäischen Region sind nicht vor den Werbestrategien der Tabakindustrie geschützt.

Maßnahmen zum Schutz der Kinder in Irland

Irland hat eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, um den Tabakkonsum zu entnormalisieren und so die Exposition von Kindern gegenüber Tabakprodukten weitmöglichst zu reduzieren. Diese Maßnahmen sollen die Botschaft vermitteln, dass Rauchen in unserer Gesellschaft keine normale Tätigkeit ist und auch nicht sein sollte. Sie umfassen neutrale Tabakverpackungen, Beschränkungen für Verkauf und Ausstellung von Tabakprodukten, ein Verbot des Rauchens in Kraftfahrzeugen und rauchfreie Orte im Freien.

In der vom Gesundheitsministerium entworfenen Strategie „Tabakfreies Irland“  heißt es: „Die Verringerung der Attraktivität des Rauchens für Kinder und Jugendliche und die Erhöhung seiner gesellschaftlichen Inakzeptabilität sind entscheidende Elemente bei der Entnormalisierung von Tabak.“