Auf dem Weg zu rauchfreien Generationen: Unterbindung von Passivrauch und Raucheinstieg bei Kindern

Mehrere Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO sind auf dem Weg zu einer „tabakfreien Gesellschaft“, die als eine Prävalenz des Rauchens unter 5% definiert ist. Um dies zu erreichen, müssen sich die Länder mit einer Reihe von tabakbezogenen Themen befassen, die konkreten Einfluss auf Kinder haben, und entschlossen darauf hinarbeiten, Kinder vor den schädlichen Auswirkungen von Tabak zu schützen.

In einem neuen Bericht des WHO-Regionalbüros für Europa werden Instrumente und neuartige Lösungsansätze aufgezeigt, die benutzt werden sollten, um den Weg zu einer tabakfreien Europäischen Region zu ebnen. In einer Reihe von Artikeln im Internet werden einige der zentralen Befunde und Empfehlungen des Berichts herausgegriffen und Beispiele von Maßnahmen geschildert, die in den Ländern der Region zur Bekämpfung der schädlichen Auswirkungen des Tabakkonsums ergriffen wurden.

Von den knapp 900 Mio. Menschen, die in den Ländern der Europäischen Region leben, sind ca. 252 Mio. (28%) Raucher. Etwa die Hälfte von ihnen werden aufgrund der Folgen des Tabakkonsums vorzeitig sterben. Im Durchschnitt verlieren Raucher 20 produktive Lebensjahre als unmittelbare Folge ihres Tabakkonsums. Das Thema Rauchen ist daher ein dringendes  Anliegen aus Sicht des Gesundheitsschutzes in der Europäischen Region.

Besonders besorgniserregend sind die Auswirkungen des Tabakkonsums auf Kinder und Jugendliche. Passivrauch ist weltweit jährlich für den Tod von über 600 000 Nichtrauchern verantwortlich, darunter viele Kinder. Zu den konkreten Todesursachen gehören Asthma, Atemwegsinfektionen und Krebs. Auch die Belastung durch Rauch im Mutterleib erhöht die Gefahr von Komplikationen wie Fehlgeburten, niedrigem Geburtsgewicht und Nikotinabhängigkeit. Kinder, die Passivrauch ausgesetzt waren, tragen auch ein höheres Risiko, später selbst zu Rauchern zu werden. Trotz dieser Tatsachen sind die Mehrheit der unter 15-Jährigen in der Europäischen Region sowohl inner- als auch außerhalb des Hauses Passivrauch ausgesetzt.

Der Raucheinstieg erfolgt überwiegend im Kindes- und Jugendalter: die Mehrheit der Raucher beginnt vor Vollendung des 18. Lebensjahrs. Nach den Ergebnissen der Studie zum Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter 2013/2014 haben 17% der Kinder in der Europäischen Region im Alter von 13 Jahren schon einmal geraucht, und 12% der 15-Jährigen rauchen regelmäßig.

Kinder können schon wenige Tage oder Wochen nach dem ersten Mal Symptome der Nikotinabhängigkeit aufweisen, also schon lange, bevor sich das Rauchen zu einer täglichen Gewohnheit entwickelt. Außerdem gilt: Je niedriger das Einstiegsalter, desto höher die Gefahr für Kinder, süchtig zu werden. Nach Schätzungen werden drei Viertel aller jugendlichen Raucher im Erwachsenenalter zu täglichen, nikotinabhängigen Rauchern, auch wenn sie schon nach wenigen Jahren aufhören wollen.

Maßnahmen zum Schutz der Kinder im Vereinigten Königreich

In Schottland zielt das Projekt REFRESH (Reducing Families’ Exposure to Second-hand Smoke in the Home) darauf ab, Kinder vor Passivrauch zu schützen, jedoch auf eine Art und Weise, bei der die Stigmatisierung von Rauchern vermieden wird. Es umfasst Besuche in Wohnungen von rauchenden Eltern mit kleinen Kindern, bei denen die Qualität der Raumluft gemessen wird und eine bedarfsgerechte Aufklärung und Beratung darüber erfolgt, wie das Rauchen sich auf die Gesundheit der betroffenen Kinder auswirken kann. Ein solcher Ansatz trägt den spezifischen Lebensbedingungen der Eltern Rechnung und wirkt sich offenbar positiv auf das Rauchverhalten der Eltern zuhause aus.