Neuer Bericht der WHO: Durch Beseitigung des Tabakkonsums könnten 90% der Fälle von Lungenkrebs vermieden werden

In einem neuen Bericht des WHO-Regionalbüros für Europa mit dem Titel „Tabakkonsum in der Europäischen Region – Trendbericht 2019“ wird bestätigt, dass der Tabakkonsum weiter eine akute Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellt. Dies trifft vor allem auf die Europäische Region zu, die von allen Regionen der WHO den höchsten Raucheranteil aufweist, der nach Schätzungen 29% (ca. 209 Mio. Menschen) beträgt. In dem zum Weltnichtrauchertag 2019 veröffentlichten Bericht werden die gesundheitlichen Folgen, die Prävalenz des Tabakkonsums und die Gegenmaßnahmen der Gesundheitssysteme untersucht.

Das Schwerpunktthema der diesjährigen Kampagne zum Weltnichtrauchertag lautet „Tabakkonsum und Lungengesundheit“ und soll für die negativen Auswirkungen von Tabak auf die Lungengesundheit der Menschen sowie für kostenwirksame und realistische Lösungen sensibilisieren, die die durch Tabak bedingten Risiken für die Lungengesundheit senken sollen. Aus dem Bericht geht hervor, dass fast neun Zehntel aller Todesfälle (einschließlich vorzeitiger Todesfälle) aufgrund von Luftröhren-, Bronchien- und Lungenkrebs in der Europäischen Region auf Tabakkonsum zurückzuführen sind. Mit anderen Worten: durch Beseitigung des Tabakkonsums könnten 90% der Fälle von Lungenkrebs vermieden werden.

Der Bericht verdeutlicht auch zahlreiche andere besorgniserregende Trends, die die Notwendigkeit energischer Maßnahmen zur Bekämpfung des Tabakkonsums unterstreichen:

  • So waren 2018 18% der Todesfälle aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten in der Europäischen Region der WHO auf Tabakkonsum zurückzuführen, sodass durch Beseitigung des Tabakkonsums fast jeder fünfte derartige vorzeitige Todesfall hätte vermieden werden können.
  • Der Anteil der durch Tabakkonsum bedingten Todesfälle aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten war bei Männern (28%) viermal so hoch wie bei Frauen (7%), was die Notwendigkeit geschlechtersensibler Präventions- und Bekämpfungsstrategien unterstreicht.
  • 27% der krebsbedingten Todesfälle im Jahr 2018 waren auf Tabakkonsum zurückzuführen.
  • In der Europäischen Region rauchen gegenwärtig 21% der Frauen (74 Mio.) – mehr als in allen anderen WHO-Regionen. Zur Umkehr dieses Trends ist eine weitere Festlegung und Umsetzung geschlechtersensibler Strategien erforderlich.
  • Die Prävalenz des Tabakkonsums bei Erwachsenen und Kindern ist weiterhin hoch, nimmt aber offenbar ab, wenn auch nicht durchgehend.
  • Dieser Rückgang ist zwar erfreulich, wird jedoch nicht ausreichen, um das in dem Aktionsplan zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten in der Europäischen Region der WHO (2016–2025) festgelegte Reduktionsziel von 30% zu erfüllen; dazu wäre es erforderlich, dass die Länder verstärkt darauf hinarbeiten, ihre Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung von Tabakkonsum fortzusetzen und auszuweiten, indem sie umfassenden Gebrauch von dem Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs und den darin enthaltenen Leitlinien machen.

„Es gibt ein gewaltiges Potenzial für die Verbesserung der Gesundheitssituation durch Umsetzung von nachweislich wirksamen Konzepten wie der Erhöhung der Tabakbesteuerung, der Verwendung neutraler Verpackungen, der Verhängung von Werbeverboten und der Beseitigung der Exposition gegenüber Passivrauch. Wenn die Länder nicht handeln, verpassen wir die Gelegenheit, die Bekämpfung des Tabakkonsums als einen wesentlichen Hebel zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit zu nutzen“, erklärte Kristina Mauer-Stender, Leiterin des Programms Tabakbekämpfung beim WHO-Regionalbüro für Europa. „Der Trendbericht zeigt uns eine Reihe wichtiger Handlungsmöglichkeiten auf, etwa die Inangriffnahme von Gegenmaßnahmen in Ländern, in denen Frauen noch nicht rauchen.“

In dem Bericht wird die Notwendigkeit hervorgehoben, dass die Mitgliedstaaten Präventionsmaßnahmen – von gesundheitlichen Interventionen über Vermarktung bis zur Steuer- und Ordnungspolitik – intensivieren. Die Länder sollten in Erwägung ziehen, die Tabakbekämpfung in ihre Ziele für eine nachhaltige Entwicklung aufzunehmen und sie aus Sicht der Menschenrechte zu betrachten. Dies kann dazu beitragen, neuen Partnern die Tür zu öffnen und die Verantwortung für die Tabakbekämpfung auch über die Gesundheitsministerien und das öffentlichen Gesundheitswesen hinaus auszudehnen. Solche neuen Wege in der Tabakbekämpfung könnten die Anwendung bisher zu wenig genutzter, aber hochgradig effektiver Instrumente fördern, die Unterstützung für Maßnahmen der Tabakbekämpfung schaffen.