Masernausbrüche in ganz Europa und kein Ende in Sicht

Die Länder der Europäischen Region der WHO müssen weiter gegen großflächige Masernausbrüche ankämpfen, die sich von Land zu Land sowie auf andere Regionen der Welt ausbreiten. Seit Anfang 2011 wurden schon aus 24 Ländern der Region Masernfälle gemeldet.

Masern von Frankreich aus in andere Länder eingeschleppt

In Frankreich kam es zum größten Ausbruch. Dort wurden im Januar und im Februar insgesamt 3749 Fälle behördlich gemeldet. Bei acht der Erkrankten traten neurologische Komplikationen auf und eine Person starb im Zusammenhang mit einer Masernerkrankung an Lungenentzündung. Die französischen Impfbehörden impfen während des Masernausbruchs gemäß den Empfehlungen der WHO Kinder und Kleinkinder ab einem Alter von neun Monaten und bieten zudem allen nicht oder nur unzureichend geimpften älteren Jugendlichen und Bürgern eine Impfung an.

2011 bestätigten epidemiologische Studien und Genotypanalysen der Labore die Einschleppung des Masernvirus aus Frankreich nach Dänemark, Deutschland, Italien, Rumänien, Russland und zuletzt auch nach Belgien. Seit Anfang 2011 wurden von der belgischen epidemiologischen Überwachung ca. 100 Masernfälle gemeldet. In dem Ausbruchsherd Gent befällt das Virus in erster Linie Kleinkinder im Alter von unter einem Jahr (wenn sie noch nicht geimpft sind) und Schüler anthroposophischer Schulen (die aus weltanschaulichen Motiven nicht geimpft wurden).

Ausbrüche in der Europäischen Region

Auch das spanische Andalusien erlebt derzeit einen Ausbruch und in den ersten zwei Monaten des Jahres 2011 wurden über 400 Fälle gemeldet. In regelmäßigen Abständen wurde aus Serbien, der Türkei und der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien die Weiterverbreitung der Krankheit bestätigt und die Notwendigkeit einer verstärkten Bekämpfung belegt.

Regionalbüro fordert Mitgliedstaaten nachdrücklich zum sofortigen Handeln auf

Das Masernvirus verbreitet sich so leicht und schnell, dass Ausbrüche wahrscheinlich bleiben, solange die Menschen nicht oder nicht rechtzeitig nach Routineimpfplan geimpft werden. Masern sind weltweit immer noch eine der führenden Todesursachen für junge Kinder, obwohl sichere und wirksame Impfstoffe zur Verfügung stehen.

Auf der Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa im September 2010 verabschiedeten die Mitgliedstaaten einstimmig eine Resolution, der zufolge sie mit erneuerter Entschlossenheit die Eliminierung von Masern und Röteln aus der Europäischen Region bis 2015 beschleunigt vorantreiben wollten. Das Handeln der Mitgliedstaaten und des Regionalbüros nach diesem Bekenntnis ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, den kostspieligen und tödlichen Ausbrüchen ein Ende setzen zu können.

Die WHO fordert die Länder eindringlich zu Wachsamkeit und zu rechtzeitigen Vorsorge- und Bekämpfungsmaßnahmen auf, damit sich die Masern nicht über die Ländergrenzen hinaus ausbreiten und insbesondere nicht in solche Länder eingeschleppt werden, wo sie - wie in Afrika oder Südostasien - eine oft extrem tödliche Wirkung entfalten.

Um die weitere Ausbreitung bzw. Einschleppung der Masern innerhalb wie außerhalb der Region zu verhindern, bittet das Regionalbüro die Gesundheitsbehörden der Mitgliedstaaten sich für Impfungen vor Auslandsreisen einzusetzen und Reisenden eine Impfung anzubieten.

Das Regionalbüro mahnt die Mitgliedstaaten außerdem zu rechtzeitiger Verdachtsfalluntersuchung, Probenentnahme und ggf. Fallmeldung an das Regionalbüro.

Europäische Impfwoche

Die jährlich durchgeführte Europäische Impfwoche findet diesmal vom 23. bis 30. April statt. Sie ermöglicht es der Bevölkerung, dem Gesundheitspersonal, den Entscheidungsträgern und einem breiten Spektrum aus Akteuren und Partnern sich für Impfungen zu engagieren.