Europäische Länder beteiligen sich an globaler Umstellung der Polioimpfung

WHO/A. Shpigunov

Weltweit wollen sämtliche Länder, die noch den trivalenten (mit drei Serotypen des Poliovirus) oral verabreichten Polioimpfstoff (OPV) verwenden, diesen an einem von ihnen selbst bestimmten Stichtag in den zwei Wochen zwischen 17. April und 1. Mai 2016 endgültig aus ihren Impfprogrammen nehmen. Stattdessen werden sie den bivalenten Polioimpfstoff (bOPV) einsetzen, der nur die Serotypen 1 und 3 enthält, oder nur noch mit inaktivierten Poliovirus-Impfstoffen (IPV) impfen. Neunzehn Länder aus der Europäischen Region wollen sich an dieser beispiellosen, global koordinierten Umstellung beteiligen.

Begründung

Im Rahmen der vollständigen Eradikation der Polio sollen auf längere Sicht sämtliche OPV verschwinden. Die Umstellung im April 2016 ist nur ein erster Schritt. Poliowildviren vom Typ 2 zirkulieren schon seit 1999 an keinem Ort der Welt mehr, so dass im September 2015 ihre Eradikation erklärt werden konnte. Durch die Entfernung des eradizierten Serotyps aus dem Impfstoff wird das ohnehin geringe Risiko einer Polioerkrankung aufgrund einer Impfung (VDPV2) weiter vermindert. Die Typ-2-Komponente des trivalenten OPV greift auch in die Immunreaktion gegen Polioviren des Typs 1 und 3 ein.

Zusätzlich soll mindestens eine Dosis IPV verabreicht werden, um den Schutz gegen alle drei Typen des Poliovirus zu stärken.

Voraussetzungen für die Umstellung

Damit die Umstellung stattfinden kann, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Neben der offiziellen Feststellung der globalen Eradikation müssen zumindest erste Schritte zu einer sicheren Laborlagerung des Poliovirus vom Typ 2 eingeleitet sein. Außerdem muss jedes Land:

  • mindestens eine Dosis des inaktivierten Polioimpfstoffs (IPV) in die Regelimpfung aufnehmen,
  • bivalente OPV (bOPV) zulassen und in ausreichender Menge für die Regelimpfung zur Verfügung stellen,
  • Protokolle für die epidemiologische Überwachung möglicher Ausbrüche des Poliovirus vom Typ 2 sowie für entsprechende Gegenmaßnahmen formuliert haben.

Vorbereitung auf die Umstellung

In den zurückliegenden zwei Jahren unterstützte das Regionalbüro die Länder bei der Vorbereitung auf die Umstellung, indem es Workshops anbot, Länder besuchte, globale Leitlinien übersetzen und verbreiten ließ, externe Finanzquellen mobilisierte und Feldversuche sowie Akzeptanzstudien durchführte.

Am 30. und 31. März 2016 fand ein Workshop für alle Länder statt, die noch OPV in ihren Regelimpfungen verwenden, und erörterte: 

  • die Bereitschaft zur Umstellung, 
  • die Pläne für die Entsorgung der trivalenten OPV nach der Umstellung und für die Beobachtung,
  • Unwägbarkeiten und Hindernisse für die Umstellung sowie Möglichkeiten zu ihrer Überwindung,
  • weitere Themen und Erfahrungen im Zusammenhang mit der Umstellung durch die Länder,
  • letzte erforderliche Hilfen zur Umstellung.

Die Tagung zeigte deutlich, dass die Umstellung in den Ländern der Europäischen Region nach Plan verläuft.

Aktivitäten am Tag der Umstellung

Sämtliche Gesundheitseinrichtungen dieser Länder werden die Verwendung der trivalenten OPV am jeweiligen Stichtag innerhalb der zweiwöchigen Umstellungsperiode beenden. Eventuell verbleibende Restbestände an trivalenten OPV müssen gemäß den nationalen Bestimmungen zurückgenommen und zerstört werden. 

In der Europäischen Region der WHO gehen folgende Länder zur bOPV-Impfung über: Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Montenegro, Republik Moldau, Russische Föderation, Serbien, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan. Außerdem werden Belarus und Polen künftig ausschließlich mit IPV impfen.