Tagung der Leiter der Impfprogramme aus der Europäischen Region als Forum für einen innovativen Ideen- und Erfahrungsaustausch

WHO/ Z. Bracanovic

Über 170 Leiter von Impfprogrammen aus 43 Mitgliedstaaten der WHO in der Europäischen Region trafen sich vom 24. bis 27. Oktober 2017 in Budva (Montenegro) zur halbjährlichen Tagung der Leiter der Impfprogramme (PMM), die vom WHO-Regionalbüro für Europa organisiert wurde. Im Mittelpunkt stand dabei die Aufrechterhaltung der Dynamik zur Erfüllung der Ziele des Europäischen Impfaktionsplans (EVAP).

Die Teilnehmer wurden über die aktuelle Arbeit der WHO und ihrer Partnerorganisationen unterrichtet, berichteten über Fortschritte in ihren Ländern und wurden über innovative Projekte der WHO zur Bewältigung gegenwärtiger Herausforderungen informiert. Die PMM befasste sich mit einer Vielzahl von Fragen des Impfwesens und bediente sich dabei unterschiedlicher Formate, um den Informationsaustausch und die Diskussion zu optimieren.

Fortschritte dank starken Engagements der Politik

In der Europäischen Region sind erhebliche Fortschritte bei der Erfüllung der Ziele des EVAP zu verzeichnen, insbesondere bei der Eliminierung der Masern und Röteln und der Bekämpfung von Hepatitis B sowie im Bereich evidenzbasierter Entscheidungsprozesse. Doch die Zugewinne sind ungleichmäßig unter den Ländern verteilt, und die Fortschritte stehen oft auf tönernen Füßen.

Die Tagung wurde vom Gesundheitsminister Montenegros, Dr. Kenan Hrapović, eröffnet. Er wies darauf hin, dass die Durchimpfung in Montenegro in den letzten Jahren gesunken sei und 2016 bei nur noch 50% gelegen habe – dem niedrigsten Stand in der Geschichte des nationalen Impfwesens. Dr. Hrapović fügte hinzu: „Angesichts solch alarmierender Statistiken haben wir eine Reihe konkreter Maßnahmen ergriffen ... Es gilt nun, die Eltern zu der richtigen Entscheidung zu bewegen, indem wir ihnen solide Evidenz präsentieren. Unser Ziel in Montenegro besteht darin, die Durchimpfung auf mindestens 95% zu erhöhen.“

Dr. Nedret Emiroglu, Leiterin der Abteilung Gesundheitliche Notlagen und übertragbare Krankheiten und Direktorin für Programm-Management beim WHO-Regionalbüro für Europa, dankte Montenegro für die Ausrichtung dieser wichtigen Tagung. Sie betonte: „Impfmaßnahmen gehören zu den besten Investitionen in die öffentliche Gesundheit. Wir haben ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse und genügend Informationen, Fachwissen und Erfahrung. Jetzt kommt es darauf an, dies alles konsequent umzusetzen, und dazu ist ein fester politischer Wille erforderlich.“

Unterschiedliche Programme und Formate

Das fachliche Personal der WHO präsentierte Lageberichte über Fortschritte bei der Eliminierung der Masern und Röteln, der Eindämmung des Poliovirus und der Festlegung von Bekämpfungszielen für Hepatitis B. Im Mittelpunkt der Diskussion standen gemeinsame Herausforderungen wie Versorgungsengpässe bei Impfstoffen, Impfskepsis und sinkende Impfraten.

Um die Bedeutung wirksamer Kommunikation zu veranschaulichen, wurden Schauspieler engagiert, um Gespräche zwischen Impfexperten und militanten Impfgegnern zu simulieren. Die Vertreter der Länder tauschten Erfahrungen mit verschiedenen Instrumenten und Initiativen aus, darunter der Ratgeber für maßgeschneiderte Impfprogramme, ein neuer Leitfaden für Zielgruppenforschung bei der Vorbereitung auf die Einführung neuer Impfstoffe, und die Europäische Impfwoche.

Mit Blick auf die Zukunft wurden die Vertreter der Länder um einen Beitrag zur Unterstützung des Regionalbüros bei der Ausarbeitung von Leitlinien in Bereichen wie der Bereitstellung eines ausgewogenen Angebots an Impfmaßnahmen, einer Strategie zur Sicherung der finanziellen Nachhaltigkeit von Impfprogrammen in Ländern mit mittlerem Volkseinkommen sowie der Einführung eines Lebensverlaufansatzes für das Impfwesen gebeten.

Das innovative Programm ermöglichte einen effektiven Informationsaustausch und gegenseitiges Lernen durch ein breites Spektrum von Formaten, darunter fachliche Präsentationen, fünfminütige Spontanerklärungen, Sitzungen mit Experten, Datenaustausch-Module, Podiumsdiskussionen, Gruppendiskussionen und Live-Befragungen mittels einer Mobiltelefon-App.

Europäischer Beirat für Immunisierungsfragen (ETAGE)

Unmittelbar im Anschluss an die PMM fand die 17. Tagung des ETAGE statt, zu der die Vorsitzenden der nationalen Beiräte für Immunisierungsfragen eingeladen waren. Diese Gegenüberstellung ermöglichte einen besseren Informationsfluss und die Anwesenheit von mehr Teilnehmern auf beiden Veranstaltungen.

Die Berichte beider Tagungen werden in den kommenden Wochen im Internet eingestellt.