Alle Länder der Europäischen Region auf bestem Weg zur Umstellung auf inaktivierten Polioimpfstoff und zur Erreichung des nächsten Etappenziels des globalen Plans zur Polioeradikation

Shukhrat Latipov

Vier weitere Länder in der Europäischen Region der WHO haben in diesem Jahr den inaktivierten Polioimpfstoff (IPV) erfolgreich in ihren Routineimpfplan aufgenommen. Mit Unterstützung von Partnerorganisationen der Weltweiten Initiative zur Ausrottung der Kinderlähmung wurde der IPV am 2. Januar in Turkmenistan, am 2. April in der Republik Moldau, am 24. April in Usbekistan und am 2. Mai in Kirgisistan eingeführt. In Tadschikistan ist die Einführung für Juni vorgesehen.

Dieser Fortschritt bedeutet, dass der IPV nun routinemäßig an Kinder in jedem Mitgliedstaat in der Region ausgegeben wird, wie im Globalen Plan zur Polioeradikation mit einer Polio-Endspielstrategie für den Zeitraum 2013–2018 vorgesehen.

Verbesserung der Impfrate zum Schutz gegen das eradizierte Poliovirus Typ 2

Von den drei bekannten Serotypen des Polio-Wildvirus ist Typ 2 nicht länger in Umlauf und wurde im Jahr 2015 als weltweit eradiziert erklärt. Im nächsten geplanten Schritt sollten die Länder, die noch immer den oralen Polioimpfstoff (OPV) verwenden, vom trivalenten OPV (der alle drei Serotypen des Poliovirus enthält) auf den bivalenten OPV (bOPV, der nur die Serotypen 1 und 3 enthält) umstellen. Die Umstellung wurde weltweit synchronisiert und erfolgte zwischen dem 17. April und dem 1. Mai 2016.

Der OPV enthält abgeschwächte Formen des Lebendvirus und wird in Form einer Schluckimpfung verabreicht, während der IPV inaktivierte Formen aller drei Serotypen des Poliovirus enthält und als Injektion verabreicht wird. Um den Impfschutz gegen Polio Typ 2 aufrechtzuerhalten, sollten Länder, die auf einen bOPV umgestellt hatten, so schnell wie möglich nach der Umstellung mindestens eine Dosis des IPV in ihren Routineimpfplan aufnehmen. Dies sollte auch dazu dienen, das Risiko eines Wiederauftretens von durch Impfstoffe abgeleiteten Polioviren (VDPV) einzudämmen.

Aufgrund eines IPV-Engpasses infolge der plötzlich steigenden weltweiten Nachfrage wurde Ländern mit einem hohen Zirkulationsrisiko im Falle eines Wiederauftretens von VDPV Priorität bei der Auslieferung des Impfstoffs eingeräumt. Die Einführung des IPV in Ländern mit geringerem Übertragungsrisiko wurde auf 2018 verschoben, wenn die Angebotssituation sich wieder stabilisiert haben würde.

Alle fünf Länder in der Europäischen Region, die weiterhin den OPV verwendeten, wurden als Länder mit geringerem Risiko eingestuft und die Einführung des IPV daher auf dieses Jahr verschoben. In jedem dieser Länder sind für Anfang 2019 Nachimpfungen geplant, um sicherzustellen, dass alle Kinder, die nach der Umstellung auf den bOPV geboren wurden, die empfohlene Dosis IPV erhalten.

Hintergrund

Der Plan zur Polioeradikation mit einer Polio-Endspielstrategie für den Zeitraum 2013–2018 sieht die allmähliche Einstellung der Verwendung des OPV vor. Dieser Prozess begann im Jahr 2016 mit dem Ausstieg aus der Verwendung der Typ-2-Komponente (OPV2). Aufgrund des Ausstiegs aus der Verwendung von OPV2 ging das ohnehin nur geringe Risiko einer VDPV-Zirkulation in Gebieten mit außergewöhnlich niedriger Impfrate weiter zurück, und die Wirksamkeit des OPV gegen Polioviren des Typs 1 und 3 wurde erhöht.