Männer werden dreimal so häufig Opfer von Tötungsdelikten

Männer haben ein um das Dreifache erhöhtes Risiko, zu Opfern von Tötungsdelikten zu werden. 2012 fielen knapp 35 000 Menschen in der Europäischen Region der WHO Tötungsdelikten zum Opfer; am stärksten gefährdet waren Männer in der Altersgruppe von 30 bis 59 Jahren. Doch die gewaltsamen Todesfälle sind nur ein Teil des Gesamtbildes, denn Daten zu Übergriffen ohne tödlichen Ausgang stehen nicht immer zur Verfügung. So kommen nach Schätzungen auf jedes Tötungsdelikt 43 Krankenhauseinweisungen und 262 Einlieferungen in die Notaufnahme zur Behandlung nach einem gewalttätigen Angriff. Dies stellt eine enorme Belastung für die Gesundheitssysteme und die ärztlichen Notdienste dar.
Ein neues Faktenblatt des WHO-Regionalbüros für Europa, das zusammen mit dem ersten Globalen Lagebericht zur Gewaltprävention veröffentlicht wird, enthält eine Bewertung der Maßnahmen der Länder im Bereich der Gewaltprävention.

Ungleichheiten bestehen weiter

Insgesamt ist die Zahl der Tötungsdelikte in der Europäischen Region rückläufig. Doch es gibt enorme Ungleichheiten zwischen den Mitgliedstaaten. In den Ländern der Gemeinschaft unabhängiger Staaten liegen die Raten von Tötungsdelikten um ein Zehnfaches höher als in den EU-Staaten. Zwischenmenschliche Gewalt ist eng mit sozioökonomischen Rahmenbedingungen verknüpft. Ferner gibt es einen starken Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Gewalt. Zur Einschränkung des Zugangs zu Alkohol und zur Verringerung der Folgen des Alkoholkonsums sind dringend neue Maßnahmen erforderlich.

Investitionen der Länder in die Prävention unzureichend

Es heißt, Prävention ist besser als Heilung. Es gibt bereits mindestens 18 Präventionsprogramme, die in Bezug auf die verschiedenen Arten zwischenmenschlicher Gewalt kosteneffektiv sind. Doch die Länder setzen im Durchschnitt nur 41% der Interventionen in größerem Umfang um.

Der Lebensverlaufansatz der WHO zielt primär auf die Gewaltprävention unter Kindern und Jugendlichen ab. Durch Hausbesuche, Elternkurse und schulische Programme werden Kinder dazu befähigt, über Missbrauch zu sprechen; gleichzeitig erhalten Eltern und Pädagogen das Wissen, das sie für das Erkennen von Missbrauch und den Umgang mit solchen Fällen benötigen. Mehr als die Hälfte der in dem Bericht behandelten Länder führen Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing sowie entsprechende Programme für die Freizeit durch.

In vielen Ländern stehen Programme und Interventionen zur Gewaltprävention in Bezug auf Gewalt durch Intimpartner, sexuelle Gewalt und die Misshandlung älterer Menschen nur in begrenztem Umfang zur Verfügung. Es ist dringend erforderlich, Projekte in diesen Bereichen auszuweiten.

Maßnahmen der WHO

Zwischenmenschliche Gewalt ist nach wie vor eine schwerwiegende Herausforderung für die Gesundheitspolitik in der Europäischen Region. Zuverlässige Mortalitätsdaten bilden die zentrale Säule bei der Überwachung der Bevölkerungsgesundheit und der Wirkung von Handlungskonzepten.

Zwar sind Zahlen über Tötungsdelikte in der Europäischen Region generell gut verfügbar, doch gilt dies nicht in demselben Maße für Zahlen über nichttödliche Angriffe.

Zu den von der WHO empfohlenen Maßnahmen auf der nationalen Ebene gehören:

  • Stärkung der Datenerhebung, um das Ausmaß des Problems aufzuzeigen und mitzuverfolgen;
  • Ausarbeitung umfassender nationaler Aktionspläne zur Gewaltprävention;
  • Suche nach Möglichkeiten zur Einbindung von Gewaltprävention in andere Bereiche der Gesundheitspolitik, etwa Kindergesundheit oder psychische Gesundheitsversorgung;
  • Erweiterung des Geltungsbereichs von Aktionsplänen zur Gewaltprävention;
  • Verbesserung der Qualität der Leistungen, um die Fähigkeit zur Entdeckung, Versorgung, Unterstützung und Rehabilitation der Opfer zu erhöhen;
  • Durchsetzung geltender Gesetze zum Schutz der Bürger vor Gewalt und qualitative Verbesserung solcher Gesetze;
  • Stärkung der Fähigkeit der Gesundheitssysteme zur Gewaltprävention;
  • Schwerpunktlegung auf Chancengleichheit und einen Lebensverlaufansatz.