Dänische Parlamentarier arbeiten am Welthörtag 2017 mit künstlicher Hörbehinderung

Mikal Thorborg

Dr. Jill Farrington (dritte von rechts) sprach aus Anlass des Welthörtags 2017 vor Mitgliedern des dänischen Parlaments.

Am Welthörtag, dem 3. März 2017, sprach Dr. Jill Farrington, Koordinatorin für nichtübertragbare Krankheiten am Regionalbüro, vor Mitgliedern des dänischen Parlaments über die Notwendigkeit gesundheitspolitischen Handelns, damit Hören sicher wird und es zu weniger Hörschäden kommt.

Die WHO war zu einem Vortrag in das Folketing eingeladen worden, in dem ein innovatives Experiment stattfand: die gesundheitspolitischen Sprecher von drei Fraktionen hatten vereinbart, einige Stunden mit einer künstlichen Hörbehinderung zu arbeiten. Um die durch Hörverlust entstehenden Schwierigkeiten im Alltag besser verstehen zu können, trugen sie alle einige Stunden lang sowohl Gehörschutzstöpsel als auch Hörgeräte. Später berichteten sie im Plenum über ihre Erfahrungen während eines Arbeitstags mit Hörbehinderung in klarer Einsicht über die Konsequenzen von Gehörverlust: „Obwohl mein Hörvermögen nur etwas eingeschränkt war, fiel mir die Konzentration schwer und schon nach wenigen Stunden hatte ich überhaupt keine Energie mehr. Ich mag mir nicht vorstellen, wie abgeschnitten ich mich bei völliger Taubheit fühlen würde,“ sagte die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses Liselott Blixt.

Hörverlust kann verhindert werden

Dr. Farrington umriss den Umfang des Problems, das die betroffene Person und die Gesellschaft teuer zu stehen komme, jedoch ganz vermieden, früh aufgedeckt und durch Bewusstseinsbildung für sicheres Hören sowie entsprechende Gesetze verringert werden könne. Nach Schätzungen der WHO leiden weltweit 15% der Erwachsenen zumindest unter teilweisem Hörverlust und fast jede dritte Person im Alter von über 65 Jahren.

Die WHO geht davon aus, dass 50% der jungen Menschen (12–35 Jahre) durch unsichere Hörgewohnheiten und zu laute Musik aus Kopfhörern oder auf Konzerten, in Diskotheken, in Wirtshäusern und bei Sportereignissen einen Gehörverlust riskieren. Das veränderte demografische Profil und der wachsende Bevölkerungsanteil älterer Menschen sind eine weitere Erklärung dafür, dass prozentual gesehen immer mehr Menschen hörgeschädigt sind.

Auswirkungen von Hörschäden

Einschränkungen des Hörvermögens haben weit reichende Konsequenzen: Erwachsene mit eingeschränktem Hörvermögen sind häufiger arbeitslos und wenn sie arbeiten, verdienen sie im Durchschnitt weniger als ihre Kollegen und gehen oft früher in Pension. Ein Ausschluss von gesprochener Kommunikation kann sich erheblich auf den Alltag auswirken und das Gefühl von Einsamkeit und Abtrennung auslösen und zu Verzweiflung führen. Bei älteren Menschen ist auch ein Zusammenhang mit dem Abbau kognitiver Fähigkeiten beobachtet worden. Menschen mit stark eingeschränktem Hörvermögen unterliegen dem fünffachen Risiko einer Demenzerkrankung und fallen auch häufiger in eine Depression. Selbst bei kleinen Hörschäden verdreifacht sich schon die Sturzgefahr.

„Hörverlust ist ein ernstzunehmendes gesundheitliches und gesellschaftliches Problem. Es reicht über den Gesundheitsbereich hinaus und berührt mehrere Ziele für nachhaltige Entwicklung (in Bezug auf Beschäftigung, Zugang zu Bildung und Ungleichheit). Der Welthörtag ist in diesem Jahr mit einem Aufruf an alle Politiker verbunden, die enormen gesellschaftlichen Konsequenzen des Hörverlusts ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken, aber auch mit den erforderlichen Investitionen die Chance zur Lösung des Problems zu ergreifen,“ schloss Dr. Farrington.