Gedenken an die Opfer von Straßenverkehrsunfällen in der gesamten Europäischen Region

WHO

Zum Weltgedenktag für Straßenverkehrsopfer beteiligten sich die Länderbüros der WHO gemeinsam mit hochrangigen Politikern, nichtstaatlichen Organisationen (NGO), Vertretern der Polizeikräfte, Kirchen, Rettungsdienste und der Zivilgesellschaft aktiv am Gedenken an jene, die bei Straßenverkehrsunfällen umgekommen sind oder irreversible Folgen davongetragen haben. In der gesamten Europäischen Region der WHO wurden Aktivitäten und Veranstaltungen organisiert, um auf die jährlich 83 000 vermeidbaren Todesfälle auf den Straßen der Region aufmerksam zu machen.

Kerzen zum Gedenken an die Opfer

In der gesamten Region wurde der Opfer gedacht und an sie erinnert. In Slowenien besannen sich die Besucher einer Messe bei Kerzenschein in der Kathedrale von Ljubljana auf Trauer und Verlust. In Malta wurde ein Gedenkmarsch veranstaltet, bei dem Kerzen und die Bilder von bei Straßenverkehrsunfällen umgekommenen geliebten Menschen durch die Straßen getragen wurden.

In Kroatien entzündeten die Menschen Kerzen am Rand von Straßen, an denen sich Unfälle ereignet haben, und in Fenstern im ganzen Land, um der Opfer zu gedenken. Die zentrale Veranstaltung zum Weltgedenktag fand in Marija Bistrica statt – einem kroatischen Wallfahrtsort, zu dem jedes Jahr Hunderttausende Katholiken pilgern.

In der Türkei hob eine Galerieausstellung mit den Bildern und Namen von Opfern deren Individualität hervor. Diese visuelle Installation verband die Zahlen mit Gesichtern, um ein besseres Bild des Ausmaßes der Verletzungsgefahr im Straßenverkehr zu vermitteln, das sich oftmals schwer konzeptionell erfassen lässt.

Durch Information und Bildung auf Veränderungen drängen

Bei der Organisation der Veranstaltungen zum Weltgedenktag für Straßenverkehrsopfer in der gesamten Region spielten NGOs eine tragende Rolle. In Slowenien setzte sich Varna Pot (Sichere Straßen) während einer Veranstaltung im Rathaus von Ljubljana für Vision Zero ein – ein Projekt zur Sicherheit im Straßenverkehr, welches das Ziel eines Highway-Systems ohne Todesopfer oder ernsthafte Verletzungen verfolgt.

In Georgien hielten Teilnehmer der von der Georgian Alliance for Safe Roads organisierten Mahnwachen Plakate mit Botschaften wie „Straßen erzählen Geschichten“, „Vergesst mich nicht“ und „Langsamer fahren“ hoch, um die Bevölkerung einzubeziehen.

Die Sensibilisierung erfolgte auch über die Basisebene hinaus. In der Russischen Föderation teilten Sprecher Informationen über Todesfälle und Verletzungen, informierten die Menschen über Präventionstaktiken und versprachen Änderungen. Hierzu nutzten sie die Straßen ebenso wie das Radio über die Station „Komsomolskaya Pravda“, über die täglich mehr als 1,2 Mio. Russen in 400 Siedlungen erreicht werden.

In der Türkei setzten sich verschiedene nationale Persönlichkeiten aus Film, Fernsehen und Sport für die Sicherheit auf türkischen Straßen ein. In Kasachstan, Kirgisistan und Malta wurden Informationen über Straßenverkehrssicherheit und Präventionsmaßnahmen im Rahmen von Pressekonferenzen verbreitet.

Den Rettungsdiensten Dankbarkeit erweisen

Während der allgemeine Ton bei den Veranstaltungen eher Trauer und die Dringlichkeit von Veränderungen widerspiegelte, wurde mancherorts auch den Jobs der Rettungsdienste Anerkennung gezollt, die oftmals wenig Dankbarkeit erfahren. In Slowenien veranstaltete die NGO Varna Pot eine Preisverleihung für Mitglieder von Rettungsteams und der freiwilligen Feuerwehr, die ihr Leben der Hilfe von Opfern von Straßenverkehrsunfällen widmen.

Auch in verschiedenen russischen Regionen zeigten die Menschen auf ähnliche Weise Mitgliedern der Straßenverkehrspolizei ihre Dankbarkeit, die für Einzelpersonen und Gesundheitsdienste Blut gespendet hatten, um deren Arbeit zu unterstützen. Bei Straßenverkehrsunfällen sind die Rettungsdienste oft einer starken Belastung ausgesetzt, spielen jedoch bei der Gesundheitsversorgung eine wichtige Rolle, die verhindert, dass Verletzungen zu weiteren Todesfällen führen.

Eine Verantwortung, die alle Bereiche der Gesellschaft trifft

Im Rahmen des Weltgedenktags wurden Behörden in der gesamten Region durch die Veranstaltungen dazu aufgefordert, die Straßenverkehrssicherheit zu einem vorrangigen Anliegen auf ihrer nationalen Tagesordnung zu machen. Daran beteiligten sich auch verschiedene Gruppen aller Bereiche der Gesellschaft. In Georgien etwa nahmen Bedienstete der Vereinten Nationen und der WHO gemeinsam mit Mitgliedern der Orthodoxen Kirche, Familienangehörigen von Opfern, Vertretern der Polizeikräfte und vielen anderen Mitgliedern der Gesellschaft an einer Mahnwache teil.

Da Verletzungen im Straßenverkehr bei den 5- bis 29-Jährigen die häufigste Todesursache in der Region darstellen, waren viele Veranstaltungen besonders auf die Einbeziehung der Jugend ausgerichtet. In Malta zählten Chris Goa Farrugia, Kaja Kobal und Jacob Smith zu jenen Jugendvertretern, die persönlich von einem Straßenverkehrsunfall betroffen sind und ihre Geschichte erzählten. Sie forderten Jugendliche eindringlich dazu auf, sich verstärkt für Straßenverkehrssicherheit zu engagieren, und betonten, dass junge Menschen von diesem Thema besonders betroffen sind und die damit verbundenen Herausforderungen und Lösungen auf sie, die zukünftigen Führungspersönlichkeiten, zurückfallen werden.

In der Republik Moldau nahmen Schulen, NGOs, die Generalinspektion der Polizei, die Nationale Verkehrswacht und das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Sozialschutz an einem Flashmob teil, um das Interesse an und Diskussionen über Straßenverkehrssicherheit anzuregen. In Chisinau wurde eine Veranstaltung organisiert, um die wichtigsten in Verbindung mit Straßen und Straßenkreuzungen auftretenden Probleme zu identifizieren und zu erörtern.

Jonathon Passmore, Leiter des Programms für Gewalt- und Verletzungsprävention beim WHO-Regionalbüro für Europa, der an Veranstaltungen in Kirgisistan, Malta und der Türkei teilnahm, erklärte: „Um einen Trend umzukehren, bei dem wir jeden Tag 230 Todesfälle und Tausende Schwerverletzte auf den Straßen der Region verzeichnen, ist dringend ein evidenzbasierter, systematischer Ansatz für die Straßenverkehrssicherheit erforderlich. Die Straßenverkehrssicherheit liegt in jedermanns Verantwortung und erfordert ein gemeinsames Vorgehen.“

Die Veranstaltungen zum Weltgedenktag haben gezeigt, dass die Gesellschaft an einem Strang ziehen und Momentum schaffen kann, das es nun in konkrete Maßnahmen umzusetzen gilt.

Impulse der Hoffnung

Auch wenn der Tag feierliche Gelegenheit zum Nachdenken und Trauern bot, gab er doch Zeichen für Hoffnung. In Kasachstan versammelten sich die Menschen um das „Ewige Feuer“, ein Denkmal in Almaty, das Frieden und Stärke symbolisiert. In Georgien wurden als Zeichen eines Neuanfangs Bäume in Gebieten gepflanzt, in denen Opfer bei Unfällen umgekommen sind.

Straßenverkehrsunfälle sind keine willkürlichen, unvorhersehbaren und unvermeidlichen Unfälle. Sie sind mit Risikofaktoren, Prädiktoren und Determinanten wie Geschwindigkeit, Alkohol und dem Nichtgebrauch von Helmen, Sicherheitsgurten und Kinderrückhaltesystemen verbunden. Verbesserungen bei Gesetzestexten, Straßeninfrastruktur, Fahrzeugen und der Durchsetzung der Straßenverkehrsvorschriften können einen grundlegenden Unterschied beim Ausmaß der Traumata auf unseren Straßen machen.