Erdbeben im Osten der Türkei (Provinz Van)

Am 23. Oktober 2011 um 11.41 Uhr MESZ wurde der Südosten der Türkei von einem gewaltigen Erdbeben der Stärke 7,2 erschüttert. Dies berichtete das türkische Kandilli-Observatorium für Erdbebenforschung.

Das Epizentrum des Bebens lag in dem Dorf Tabanli im Bezirk Erciş in der östlichen Provinz Van. Besonders stark betroffen war Erciş, eine Stadt mit 75 000 Einwohnern nahe der Grenze zur Islamischen Republik Iran, die in einer der am stärksten erdbebengefährdeten Regionen der Türkei liegt. Beträchtliche Schäden wurden auch aus der geschäftigen Stadt Van, etwa 90 km südlich von Erciş, gemeldet.

Mit Stand vom 24. Oktober um 16.00 Uhr MESZ meldete der Krisenstab des Ministerpräsidenten der türkischen Republik 279 Tote und 1300 Verletzte; insgesamt sind 2262 Gebäude eingestürzt.
Die Such- und Rettungsarbeiten gehen weiter, und es wird mit einer weiterhin steigenden Zahl von Toten gerechnet. In der betroffenen Region liegen die Nachttemperaturen bereits unter 0 oC, und die Tagestemperaturen zwischen 8 und 15 oC. Laut Wettervorhersage sind für die nächsten Tage Regen und kalte Temperaturen zu erwarten.

Auswirkungen auf die Gesundheitssituation

Bisher wurden insgesamt 279 Tote gemeldet, hauptsächlich aus den Städten Erciş und Van. Auch die meisten der bisher gemeldeten 1300 Verletzten kommen aus den beiden Orten.

Sie werden in Van, Erciş und den benachbarten Provinzen medizinisch versorgt.

Reaktion des Gesundheitswesens

Im Rahmen der Gesamtkoordination durch den Krisenstab des Ministerpräsidenten steuert das Koordinationszentrum für Katastrophen- und Krisensituationen (SAKOM) beim türkischen Gesundheitsministerium die erforderlichen Maßnahmen im Gesundheitsbereich. Es hat sechs Rettungshubschrauber, vier Rettungsflugzeuge und 201 Krankenwagen in die Provinz Van entsandt. Aus den benachbarten Provinzen wurden für die Rettungsarbeiten 48 medizinische Rettungsteams mit insgesamt 1197 Gesundheitsfachkräften, darunter 163 Fachärzte, zur Verfügung gestellt.

Die Rettungshubschrauber bringen die medizinischen Teams in das Erdbebengebiet und evakuieren die Patienten. Das Gesundheitsministerium hat für weitere Evakuierte 1700 Krankenhausbetten in den Städten Ağrı, Erzurum, Bitlis, Diyarbakır, Muş, Iğdır und Ankara zur Verfügung gestellt. Weitere Leistungen sollen direkt vor Ort von den in Van und Erciş provisorisch errichteten Zeltkrankenhäusern erbracht werden.

Der türkische Rote Halbmond errichtet im Stadion von Erciş ein Zeltlager und mobilisiert die Versorgung der Betroffenen.

Maßnahmen der WHO

Die türkischen Behörden überwachen die Rettungsarbeiten und haben bisher noch nicht um konkrete internationale Unterstützung gebeten.

In Abstimmung mit dem WHO-Hauptbüro und dem WHO-Regionalbüro für den östlichen Mittelmeerraum hat Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa,  dem türkischen Gesundheitsministerium die Unterstützung der Organisation, u. a. durch schnelle Bereitstellung von Notfall-Kits der WHO für Traumaversorgung und chirurgische Versorgung, angeboten.

Als Teil des Landesteams der Vereinten Nationen verfolgt das WHO-Länderbüro in der Türkei zusammen mit seinen Ansprechpersonen im Gesundheitsministerium die Entwicklung der Lage, auch mit Blick auf etwaige neue gesundheitliche Anforderungen. Die einschlägigen Experten der WHO sind in Bereitschaft.