Gesundheitswesen muss für extrem kaltes Wetter gerüstet sein

Extreme Kälteperioden haben allgemein eine erhöhte Mortalität zur Folge und sind konkret für verschiedene Gruppen wie Kinder, Senioren, Obdachlose oder Menschen im Rauschzustand mit einem hohen gesundheitlichen Risiko verbunden. Die gegenwärtige Kältewelle in einer Reihe von Ländern der Europäischen Region der WHO stellt die Gesundheits- und Sozialsysteme vor Herausforderungen. Die Gesundheitssysteme und die Krankenhäuser müssen sich um eine wachsende Zahl von Patienten kümmern, die extremer Kälte ausgesetzt waren und Unterkühlungen, Erfrierungen, Verletzungen, Atemwegsinfektionen oder kardiovaskuläre Vorfälle erlitten haben.

Bei einer Exposition gegenüber extrem niedrigen Temperaturen erhöht sich nach einem bis drei Tagen das Risiko, an koronarer Herzkrankheit zu sterben, und nach drei bis vier Tagen das Risiko, einen zerebrovaskulären Unfall zu erleiden; für Atemwegserkrankungen erhöht sich das Risiko nach einer Exposition von mehr als fünf Tagen. Kardiovaskuläre Erkrankungen sind für 50% bis 70% der zusätzlichen Sterblichkeit im Winter und für 15% bis 33% der Atemwegserkrankungen verantwortlich.

Nach Medienberichten sind in mehreren Ländern der Europäischen Region bisher insgesamt mehr als 110 Menschen an den gesundheitlichen Folgen der extremen Kältewelle gestorben.

Bereitschaftsplanung im Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen muss sich auf Kälteperioden und winterbedingte Gesundheitsprobleme einstellen, um die negativen Auswirkungen von Kälte zu abzuwenden bzw. zu mildern. Dazu ist es erforderlich:

  • effektive Frühwarnsysteme einzurichten;
  • über Maßnahmen zur Verringerung der Exposition gegenüber Kälte zu verfügen und eine angemessene ärztliche Behandlung und Versorgung für gefährdete Bevölkerungsgruppen anzubieten;
  • eine Beobachtung und Kontrolle der gesundheitlichen Auswirkungen durchzuführen;
  • die Bereitschaft von Gesundheitseinrichtungen und -diensten zu evaluieren.

Durch eine gezielte Bereitschaftsplanung im Bereich der öffentlichen Gesundheit für Wintersaison und Kälteperioden kann die Zahl der Krankenhauseinweisungen erheblich gesenkt werden. Bereitschaftspläne sollten in Abstimmung mit anderen Politikbereichen wie Wohnungs-, Energie-, Verkehrs- und Bildungspolitik durchgeführt und in die allgemeinen Notfallpläne der Länder integriert werden.

Risikogruppen

Zu den anfälligsten Gruppen während der Wintersaison und bei besonders kalten Temperaturen zählen Kinder, Senioren, Obdachlose oder Personen mit Suchtproblemen, aber auch Menschen mit bestimmten Gesundheitsproblemen oder chronischen Erkrankungen oder Patienten, die bestimmte Medikamente einnehmen.

Die Anfälligkeit bei einer Exposition gegenüber Kälte wird in hohem Maße durch allgemeinere Determinanten wie Wohnbedingungen, Energieversorgung und die ökonomischen und sozialen Umstände von Einzelpersonen und Familien beeinflusst. 

Unterstützung durch die WHO

Die WHO unterstützt die nationalen Behörden bei der Erstellung und Überarbeitung von Vorsorgemaßnahmen für Kälteperioden; dies geschieht durch fachliche Beratung und Unterstützung und durch einschlägige Leitlinien.

Das WHO-Regionalbüro für Europa hat eine Prüfliste für Sofortmaßnahmen in Krisensituationen in englischer und russischer Sprache erstellt, auf der wesentliche übergeordnete Vorsorgemaßnahmen für Krankenhäuser aufgeführt sind. Diese ermöglicht es den Krankenhäusern, die erhöhten Anforderungen während Krisensituationen wie Kälteperioden zu bewältigen.