Gesundheitspläne für Großveranstaltungen

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Große Sportwettkämpfe sowie politische, religiöse, kulturelle und künstlerische Veranstaltungen gehen oft mit großen Menschenansammlungen einher.  Dies kann Krankheitsausbrüche und andere Gesundheitsprobleme sowie gesundheitsschädliche Verhaltensweisen begünstigen. Die Folge kann eine Belastung des öffentlichen Gesundheitswesens und der übrigen Ressourcen der gastgebenden Länder sein.

2012 finden in der Europäischen Region der WHO viele Großveranstaltungen statt, hierunter der Eurovision Song Contest in Baku (Aserbaidschan), die UEFA Fußball-Europameisterschaft (EURO 2012) in Polen und in der Ukraine sowie die olympischen Sommerspiele samt Paralympics in London (Vereinigtes Königreich).

Die WHO hat mit ihren Partnern Gesundheitshinweise für die Fans vorbereitet und bietet den nationalen Behörden ihre Unterstützung für die Vorbereitung auf diese Massenansammlungen an. Internationale Großveranstaltungen sollen so gegen Risiken für die öffentliche Gesundheit gewappnet werden.

Die WHO und die Agentur für Gesundheitsschutz (HPA) des Vereinigten Königreichs haben gemeinsam die Ärzte der an EURO 2012 bzw. den olympischen Sommerspielen teilnehmenden Mannschaften beraten. HPA hat neben den weiter unten beschriebenen Empfehlungen des Regionalbüros für Schlachtenbummler während der Fußballeuropameisterschaft auch Hinweise für Besucher Londons während der olympischen Spiele erstellt.

Probleme durch Massenansammlungen

Massenansammlungen stellen die zuständigen staatlichen Stellen vor große Herausforderungen. Der Zustrom von Menschen aus unterschiedlichen Nationen und Kulturen und die zu seiner Bewältigung erforderlichen strukturellen Eingriffe können Gesundheitssystem und Gesundheitswesen stark belasten und die Fähigkeit der Länder zur Aufdeckung und Behebung von Problemen beeinträchtigen.  Die Herausforderungen ergeben sich durch:

  • erhöhten An- und Abreiseverkehr an einem oder mehreren Veranstaltungsorten,
  • erhöhtes Übertragungsrisiko durch die multinationale Beteiligung,
  • lang anhaltende Auslastung der Gesundheitssysteme bis zu ihrer Kapazitätsgrenze,
  • Schwierigkeiten in der Durchführung der üblichen Gesundheitsvorkehrungen,
  • großes Medieninteresse und dadurch insbesondere bei ausführlich übertragenen Ereignissen erhöhten Erwartungsdruck,
  • erhöhte Wahrscheinlichkeit eines ungesunden Verhaltens der Zuschauer.

Die Länder und Veranstalter sollten frühzeitig die Risiken abschätzen und entsprechend planen und ihre Systeme ausbauen, damit eine potenzielle Gefährdung für die öffentliche Gesundheit durch Mensch oder Natur verhindert bzw. verringert werden kann oder zumindest geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Dies kann auch die Bereitschaftsplanung des Gesundheitssystems insgesamt stärken (in der alle Gefahren berücksichtigt werden) und die Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) unterstützen.

Aus Anlass von Massenansammlungen getroffene Maßnahmen können sich als nachhaltiger Impuls für die öffentlichen Gesundheitssysteme auch später noch auszahlen. Hier liegt ein wesentlicher Grund für das Engagement der WHO in diesem Bereich.

WHO-Unterstützung

Zur Vorbereitung auf eine Massenansammlung gehört die Abstimmung mit verschiedenen Bereichen und Ebenen des gastgebenden Landes sowie mit anderen Ländern und mit internationalen Institutionen in der Region, etwa der Europäischen Union und dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC).

Das Regionalbüro für Europa unterstützt diesbezüglich die Länder mit Rat und Tat bei Gesundheitsschutz und Notfallplanung, Krankheitsprävention und Frühwarn- und Gegenmaßnahmen. Konkret bezieht sich die Unterstützung durch die WHO auf die Bereiche:

  • Gesamtrisikobewertung und Gegenmaßnahmen (korrekte Maßstäbe zur Risikoabschätzung, -überwachung und -abwehr einschließlich Ausbruchshandhabung, Infektionsbekämpfung und Impfung)
  • medizinische Notdienste und Krankenhäuser (Bewältigung großer Verletzungsaufkommen samt Todesfällen und Vorbereitung auf Notlagen in der Bevölkerung und an den Veranstaltungsorten wie auch etwa Fanmeilen),
  • Laborkapazitäten (angemessene Diagnosekapazität etwa in Form von Personal und Reagenzien sowie Transportverfahren),
  • Reisemedizin (aktuelle Gesundheitshinweise und Empfehlungen für Besucher in Bezug auf Impfungen, sichere Lebensmittel und sicheres Wasser und andere Informationen wie etwa Notrufnummern),
  • Unterstützung gesundheitsförderlichen Verhaltens (Aktivitäten vor und während der Massenansammlungen durch Gymnastik, Rauchverzicht, Mäßigung des Alkoholkonsums und Förderung sicherer Sexualpraktiken).

Außerdem sollten sich die Länder auf gesundheitliche Notlagen von internationaler Tragweite vorbereiten, wie es in den IGV vorgesehen ist. Dazu kann der Ausbau von Kernkapazitäten erforderlich sein, damit sie etwa die Grenzstellen und die epidemiologische Überwachung sicher im Griff haben.