Gesundheit ist ein vorrangiges Thema der Europäischen Entwicklungstage

WHO/Kristina Belikova

Dr Margaret Chan, WHO Director-General speaking at the European Development Days 2015.

„Der Ebola-Ausbruch war ein Weckruf für die internationale Gemeinschaft. Die WHO ergreift jetzt Maßnahmen, die verhindern werden, dass die Welt noch einmal eine solche Überraschung erlebt", erklärteWHO -Generaldirektorin Dr. Margaret Chanam 4. Juni 2015 in ihrer Eröffnungsansprache auf den diesjährigen Europäischen Entwicklungstagen.

Dr. Chan dankte allen Partnern und Organisationen, die sich dem Kampf gegen das Ebola-Fieber angeschlossen haben, und gratulierte Guinea, Liberia und Sierra Leone zu den enormen Fortschritten in den letzten Monaten. Sie beharrte jedoch darauf, dass es keinen Grund zur Selbstzufriedenheit gebe und dass Mitarbeiter der WHO in den drei betroffenen Ländern verbleiben würden, bis ihr Auftrag, einschließlich der Gewährleistung einer gesundheitlichen Grundversorgung, erledigt sei.

Der Ebola-Ausbruch hat die WHO-Reform beträchtlich beschleunigt und Veränderungen bei der Behandlung von Notlagen durch die WHO zur obersten Priorität gemacht, wie auf der 68. Weltgesundheitsversammlung vereinbart wurde, die am 26. Mai 2015 zu Ende ging. Angestrebt werden:

  • neue Reformmaßnahmen zur Straffung von Verfahren, um zügigere Reaktionen auf Notlagen zu ermöglichen; 
  • wirksame Abstimmung mit anderen Akteuren, stärkere Einbeziehung der Bevölkerung und bessere Öffentlichkeitsarbeit; 
  • ein Mandat zur Schaffung einer neuen globalen Arbeitsgruppe der WHO für Notlagen.

„2015 läuft die Frist zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele (MZ) ab und soll zugleich ein neuer Entwicklungsrahmen für die Zeit nach 2015 vereinbart werden. In diesem Kontext möchte meine Organisation sicherstellen, dass Gesundheit als Priorität in der Entwicklungsagenda nach 2015 verankert bleibt und die richtigen Lehren aus der Ebolakrise gezogen werden," fügte Dr. Chan hinzu.

Wie können die Internationalen Gesundheitsvorschriften (2005) zur Bekämpfung von Pandemien beitragen?

Dr. Masoud Dara vom WHO-Regionalbüro für Europa führte den Vorsitz in einer Podiumsdiskussion mit Experten zu den Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV 2005). Bei der Überarbeitung der IGV wurde ihr Geltungsbereich in den vergangenen Jahren so erweitert, dass sie jedes Gesundheitsrisiko sowie konkrete Erkrankungen umfassen. Durch die Anwendung der IGV beobachten die Länder den Ausbruch von Krankheiten mit potenziell grenzüberschreitenden Konsequenzen, um Pandemien vermeiden bzw. bewältigen zu können. Das Podium erörterte die Bedeutung der IGV im aktuellen EVD-Ausbruch sowie die Frage, wie gewährleistet werden könne, dass kein Land Pflichten aus den IGV nicht erfülle.

Flüchtlinge und Binnenvertriebene: Recht auf Gesundheit, Recht auf Leben

Gegenwärtig sind weltweit etwa 55 Mio. Menschen auf der Flucht. In einer Sitzung zum Thema „Flüchtlinge und Binnenvertriebene - Recht auf Gesundheit, Recht auf Leben", die gemeinschaftlich von dem Hilfswerk der Vereinten Nationen und der WHO veranstaltet wurde, erörterten die Teilnehmer Möglichkeiten für Hilfsmaßnahmen unterschiedlicher Organisationen in Kriegsgebieten. Zur Themenliste gehörte die Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge und Binnenvertriebene und in der Diskussion wurden folgende Punkte angesprochen:

  • eine zugängliche, kulturell annehmbare, integrierte Versorgung für alle, hierunter primäre Gesundheitsversorgung auch für psychische Gesundheit und die Gesundheit von Müttern;
  • Gesundheitsschutz im Krieg;
  • Einbeziehung der Gesundheitsministerien in einen sektorübergreifenden Ansatz laut „Gesundheit 2020";
  • wirksame Koordinierung zur Wahrnehmung der Bedürfnisse von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen.

Der ukrainische Gesundheitsminister Kvitashvili erklärte, dass der Schutz des Rechtes auf Gesundheit in Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen die gemeinsame Verantwortung aller Akteure, hierunter Staaten, internationale und nichtstaatliche Organisationen sei. 

Hintergrund

Die Europäischen Entwicklungstagesind ein Forum zur Vorbereitung der Debatte über die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung, welche die Vereinten Nationen im September 2015 durchführen werden. Diese Ziele sollen die Millenniums-Entwicklungsziele ablösen, welche die Arbeit der internationalen Gemeinschaft in den vergangenen 15 Jahren vorangetrieben haben. Die im Juli in Addis Abeba (Äthiopien) stattfindende dritte Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung wird ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Gipfel der Vereinten Nationen zu den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung nach 2015 sein.